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Der Mensch denkt - wer lenkt?

PTB Kolloquium

Der Einsatz von Fahrzeugen im individualisierten Straßenverkehr ist nach wie vor eins der riskantesten Nutzungsbeispiele für Technik. Die 45,8 Millionen in Deutschland gemeldeten Personenkraftwagen waren 2017 in 2,6 Millionen polizeilich gemeldete Unfälle verwickelt, bei denen 3186 Menschen ums Leben kamen. Demgegenüber kam es in Zusammenhang mit den 5,8 Millionen in Deutschland registrierten Schusswaffen im Jahr 2015 zu 6 Todesfällen. Dennoch gelten Schusswaffen in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders gefährliche Gegenstände, Autos als Gegenstände des Alltages.

Die Suche nach der Ursache dieses Widerspruches führte uns in die Komplexität der menschlichen Wahrnehmung und Gefahreneinschätzungen, die evolutionär an die Verhältnisse der Savanne angepasst ist, nicht aber an den Straßenverkehr. Wir haben uns zusammen mit der Polizei von Nordrhein-Westfalen mit typischen Unfallursachen gerade junger Fahrer auseinandergesetzt, und am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums Essen mit Hilfe der funktionalen Magnetresonanztomographie Zusammenhänge zwischen den Einfluss von Routine beim simulierten Autofahren und der Verteilung von Sauerstoff im menschlichen Gehirn untersucht. Zusammen mit der Fachgruppe Verkehrs-, Sicherheits- & Umweltpsychologie der ZHAW Zürich versuchten wir aus den Erkenntnissen Wahrnehmungsmodelle zu konstruieren, und ein Präventionsprogramm „Crash Kurs NRW“ zu entwickeln, um die subjektive und objektive Einschätzung der Gefahren im Straßenverkehr in den Einklang zu bringen und jungen Menschen einen risikofreieren Eintritt in den motorisierten Verkehr zu ermöglichen.