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Galileo geht in die nächste Runde

Nach langer Vorbereitungs- und Konzeptionszeit hat unter Beteiligung der PTB die Aufbauphase für Galileo, das europäische Satellitennavigationssystem, begonnen. Noch in diesem Jahr soll der erste Testsatellit die Erde umkreisen und Galileo-Signale zu empfangen sein.

30 Galileo-Satelliten werden die Erde umkreisen, so dass man an jedem Ort die Zeit-Signale von mindestens vier Satelliten empfangen kann.

Galileo wird ein Satellitennavigationssystem unter ziviler europäischer Kontrolle, das von den existierenden Systemen GPS (Global Positioning System, USA) und GLONASS (dem russischen Pendant) unabhängig ist. Wenn Galileo fertiggestellt ist, werden 30 Satelliten in 24 000 km Höhe die Erde umkreisen. Jeder von ihnen hat mehrere Atomuhren an Bord und sendet unablässig Zeitsignale zur Erde. Per Laufzeitmessung können sie dazu genutzt werden, zentimetergenau einen Ort zu bestimmen. In seinen technischen Eigenschaften ähnelt Galileo dem amerikanischen und dem russischen System sehr stark, so dass gegenwärtig Verhandlungen mit dem Ziel stattfinden, die drei Systeme „interoperabel“ zu machen. Mit einem einzigen Empfänger sollen die Signale aller Satelliten der drei Systeme zu empfangen sein und die Positionsbestimmung erlauben.

Im Dezember 2003 war die Vorbereitungsphase mit der so genannten Galileo-Gesamtdefinition abgeschlossen und die Phase von Detailentwicklung, Aufbau, Test und Überprüfung begann. In dieser Phase sollen bis Ende 2007 die ersten vier Satelliten der späteren Konstellation in den Orbit geschickt werden und eine erste Ausbaustufe des Bodensegments entstehen. Von diesem Bodensegment aus wird der Betrieb der Satelliten kontrolliert. Außerdem sollen hier die Zeitsignale der Satelliten erzeugt und kontrolliert werden – unter anderem mit Hilfe einer „Precise Time Facility“, in der die Galileo-Systemzeit (GST) erzeugt wird. Die PTB berät die Europäische Raumfahrtagentur und die beteiligte Industrie bei der GST-Realisierung und beim Design der Precise Time Facility.

Jedes Satellitennavigationssystem ist zugleich ein System zur Zeitverbreitung. An bekanntem Ort kann der Empfang der Satellitensignale für die Übertragung von GST zum Anwender benutzt werden. GST soll in sehr guter Übereinstimmung mit der Koordinierten Weltzeit UTC gehalten und diese Beziehung dem Nutzer bekannt gemacht werden. Dies wurde als zusätzliche attraktive Eigenschaft von Galileo angesehen, das jedoch nicht unmittelbar mit der primären Aufgabe begründbar ist. Daher wird eine unabhängige Einrichtung ins Leben gerufen, die dem Galileo-System die benötigte Zeitinformation liefert. Dieser so genannte Galileo Time Service Provider wird vom Galileo Joint Undertaking, Brüssel, einem Mischunternehmen in öffentlicher und privater Trägerschaft, mit Mitteln der Europäischen Kommission aufgebaut.

In Zusammenarbeit mit dem NPL (National Physical Laboratory, Großbritannien) und dem IEN (Istituto Elettrotecnico Nazionale Galileo Ferraris, Italien) hat die PTB die Anforderungen an Organisation und Funktion des Time Service Provider festgelegt. Ein wichtiger Teil seiner Aufgabe werden Organisation und Durchführung von Zeitvergleichen zwischen den verschiedenen beteiligten Stellen sein. Hier liegt der Arbeitsschwerpunkt der PTB in den kommenden drei Jahren.

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