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Campus Charlottenburg

Der Campus Charlottenburg ist das Herzstück des Instituts Berlin der PTB. Er besteht aus zwei Gevierten, und wird von der Marchstraße, der Fraunhoferstraße, der Kohlrauschstraße und der Guerickestraße begrenzt. Die Teilung durch einen Abschnitt der Abbestraße wurde durch dessen Integration in das Institutsgelände aufgehoben. In den historischen Gebäuden befinden sich heute genau wie in den Neubauten moderne Messräume mit hochwertigster Ausstattung für die Aufgaben der Fachabteilungen.

Der Campus Charlottenburg beinhaltet das Stammgelände der historischen Physikalisch-Technischen Reichsanstalt an der Marchstraße, und insgesamt vier zeitlich gestaffelte Erweiterungen. Das Gelände ist als bauliches Ensemble denkmalgeschützt. Das älteste Gebäude auf dem Charlottenburger Campus ist das Observatorium, welches als weltweit erstes Physiklaborgebäude 1895 nach Plänen von Paul Emmanuel Spieker und Theodor Astfalck eingeweiht und 2012 aufwendig restauriert wurde. Im Westen wird das Gelände durch den Hermann von Helmholtz-Bau abgerundet. Die restaurierte Halle des ehemaligen Deutschen Arbeitsschutzmuseum von 1903 ist wie das Observatorium ein Einzeldenkmal und beherbergt heute moderne Messlaboren und auch einen repräsentativen Hörsaal.

Heute sind wir bemüht, einerseits die Tradition zu bewahren, und andererseits einen modernen Wissenschaftscampus mit hoher Funktionalität und identitätsstiftender Gestaltung zu entwickeln

Aktueller Grundplan der PTB. Im Geviert rechts von der Abbestraße das sogenannte Stammgelände der PTR, bestehend aus der Siemens’schen Schenkung und der ersten Erweiterung. Links von der Abbestraße bildet der Wilhelm-Förster-Bau die zweite, der Hermann-von-Helmholtz-Bau und der heutige Walther-Meißner-Bau die dritte, und das Areal um Konrad-Zuse-Bau, Robert-Fuess-Bau und Technikum die vierte Erweiterung. Aktuell sind die Torhäuser Süd und Nord in Errichtung.
Aktueller Grundplan der PTB. Im Geviert rechts von der Abbestraße das sogenannte Stammgelände der PTR, bestehend aus der Siemens’schen Schenkung und der ersten Erweiterung. Links von der Abbestraße bildet der Wilhelm-Förster-Bau die zweite, der Hermann-von-Helmholtz-Bau und der heutige Walther-Meißner-Bau die dritte, und das Areal um Konrad-Zuse-Bau, Robert-Fuess-Bau und Technikum die vierte Erweiterung.
Aktuell sind die Torhäuser Süd und Nord in Errichtung.

Das StammgeländeDas Stammgelände

Geländeplan der Siemens´schen Striftung
Geländeplan der Siemens´schen Striftung
Querschnitt des Observatoriums
Querschnitt des Observatoriums

1887 stiftet Werner Siemens ein 19800 m2 großes Areal in der Stadt Charlottenburg für den Bau der I. Physikalischen Abteilung der PTR. In den Jahren 1887-91 werden hier als Hauptgebäude das Observatorium, das Präsidenten-Wohnhaus, das Verwaltungsgebäude und das Maschinenhaus errichtet.

Das Observatorium ist baulich aufwändig konstruiert. Zur Vermeidung von Erschütterungen steht es auf einer rund 1.000 m2 messenden, 2 m starken Betonplatte. Ein raffiniertes Abluftsystem sorgt in Verbindung mit zweischalig ausgeführten Außenwänden für konstante Innentemperatur. Die Heizanlage soll zeitgenössischen Beschreibungen zu Folge die erstaunliche Temperaturkonstanz von wenigen hundertstel Grad in den innenliegenden Räumen erreicht haben.

Die erste Erweiterung

Stammgelände der PTR
Stammgelände der PTR
Werner-von-Siemens-Bau
Werner-von-Siemens-Bau

Für die II. Technische Abteilung der PTR kauft das Deutsche Reich 1892 von v. Siemens weitere anrainende Grundstücke mit 14.389 m2 hinzu, um die Anlage mit einem chemischen Laboratorium, einem Beamtenwohngebäude, einem zweiten Laboratoriumsgebäude (nunmehr "Hauptgebäude" genannt, heute der Werner-von-Siemens-Bau), sowie kleineren Nebengebäuden zu komplettieren. Auf diese Weise entstand eine Art "preußischer Campus": modern, großzügig und in seiner Funktion weltweit einmalig.

1912 wird dort, wo zunächst das Maschinen- und Kesselhaus der I. Abteilung stand, ein neues Elektrizitätslaboratorium errichtet, der heutige Emil-Warburg-Bau.

Die zweite Erweiterung

Ehemalige Pforte zur Reichsanstalt für Maß und Gewicht heute Wilhelm-Förster-Bau der PTB
Ehemalige Pforte zur Reichsanstalt für Maß und Gewicht heute Wilhelm-Förster-Bau der PTB

1923 wird die Reichsanstalt für Maß und Gewicht in die PTR integriert. Das Dienstgebäude dieser Anstalt, der heutige Wilhelm-Foerster-Bau, liegt gegenüber dem Hauptgebäude an der heutigen Abbestraße. Gestalterisch ist das um die Jahrhundertwende errichtete Haus mit seiner spiegelsymmetrisch angelegten Fassade just auf der Verlängerung der durch Observatorium und Hauptgebäude definierten Achse gelegen. Die Fassade dieses ebenfalls aufwändig gebauten Hauses ist ziegelsichtig rot ausgeführt und aufwändig dekoriert.

Der zweite Weltkrieg fügt der Bausubstanz schwerste Schäden zu. Verwaltungsgebäude und Präsidenten-Wohnhaus sind nicht mehr zu halten. Der schwer beschädigte Emil-Warburg-Bau und der Wilhelm-Foerster-Bau werden wiederhergestellt.

Die dritte Erweiterung

Das ehemalige Arbeitsschutz-Museum, heute Hermann-von-Helmholtz-Bau der PTB
Das ehemalige Arbeitsschutz-Museum, heute Hermann-von-Helmholtz-Bau der PTB

1978 übernimmt die PTB das ehemalige Arbeitsschutzmuseum auf dem südwestlichen Teil des Blocks zwischen Fraunhoferstraße und Kohlrauschstraße und gliedert es als Hermann-von-Helmholtz-Bau in ihren Campus ein. Es handelt sich um ein Ausstellungsgebäude, mit dessen Bau 1900 begonnen wurde. Es besteht aus dem Verwaltungstrakt, dem Hörsaaltrakt mit erdgeschossigem Foyer und einer sich anschließende Ausstellungshalle. Halle und Hörsaal sind reine Stahlkonstruktionen, die Ziegelaußenwände haben nur ausfachende Funktion. Die Dächer der mehrschiffigen Halle sind großflächig verglast.

Die vierte Erweiterung

Die Eingliederung des Amts für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung der DDR im Zuge der Vereinigung beider deutscher Staaten führt zu einer Vergrößerung des Charlottenburger Standorts der PTB, indem mit den Gebäuden des Landesamts für das Mess- und Eichwesen auch das nördliche Blockdrittel des Erweiterungsgeländes in den Campus des Instituts Berlin der PTB einbezogen wird. Hier entstanden Neu- bzw. Umbauten für die infrastrukturelle Nutzung – Rechenzentrum (Konrad-Zuse-Bau), Gerätebau (Rudolf-Fuess-Bau) und Technikum.

Moderne mit Tradition

Der Gebäudekomplex des Instituts Berlin ist in das Inventar der Bau- und Kunstdenkmäler Charlottenburgs aufgenommen und wird als gesamtes Ensemble geschützt. Der Hermann-von-Helmholtz-Bau sowie, als ältestes Laborgebäude der PTR/PTB, das Observatorium stehen unter individuellem Denkmalschutz. Das Institut Berlin ist durch seine historischen Gebäude fest in der Tradition der PTR verwurzelt, seine Gebäude beherbergen aber mit modernster Technik ausgestattete Laborräume.

Die Zufahrt zum Gelände des IB erfolgt zurzeit noch über die Pforte im Technikum. Die weitere Entwicklung des Campus Charlottenburg zielt auf eine innere Arrondierung des Areals mit dem Ergebnis eines harmonischen, in sich geschlossenen modernen Campus mit sichtbaren historischen Wurzeln. Zu diesem Zweck wurde ein städtebaulicher Masterplan entwickelt, der die Grundlage für den weiteren Ausbau des Strandorts in den kommenden Jahrzehnten bildet, der städtebaulich geordnet ist, und sowohl denkmalschützerischen als auch nutzungsspezifischen Anforderungen gerecht wird.

Der städtebauliche Masterplan für die Entwicklung des Campus Charlottenburg erschließt das Gelände von der Marchstraße her. Die Abbestraße trennt nicht mehr den Campus in zwei Hälften, vielmehr verklammern zwei parallele Erschließungsachsen parallel zur Guerickestraße und parallel zur Fraunhoferstraße das Stamm- und Erweiterungsgelände.

Gegenwärtig entsteht mit den Torhäusern Süd und Nord das neue Gesicht des Instituts Berlin. Die Zufahrt zum Gelände des IB wird nach deren Fertigstellung an die neue Pforte am Torhaus Nord verlegt. Dann führt das IB wieder die historische Adresse der PTR, Marchstraße 25.

Die Neubauten Technikum und Walther-Meißner-Bau sind bereits realisiert. Die Torhäuser sind gegenwärtig im Bau. Der Emil-Warburg-Bau wird durch ein Nachfolge-Gebäude mit kleinerem Grundriss ersetzt. Der Wilhelm-Förster-Bau erhält auf der Nord- und Südseite Anbauten, die ihn zu einem Pendant des Werner-von-Siemens-Baus werden lassen. Dafür wird das Einzeldenkmal Hermann-von-Helmholtz-Bau durch den Rückbau des nachträglich eingefügten Verbindungstrakts zum Wilhelm-Förster-Bau freigestellt.

Städtebaulicher Masterplan des Campus Charlottenburg. Quelle: Kleyer-Koblitz-Architekten
Städtebaulicher Masterplan des Campus Charlottenburg. Quelle: Kleyer-Koblitz-Architekten