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Medizinische Forschung neu denken, um Innovationen schneller zum Menschen zu bringen

Die Notwendigkeit der Überbrückung von sogenannten Lücken („Gaps“) in der Translationskette in der medizinischen Forschung wurde wiederholt hervorgehoben. Es ist möglich, dass signifikante Synergien von wissenschaftlichen Disziplinen, die die Gesundheit der Menschen verbessern könnten, nicht gehoben werden und so wesentlich zu diesen Lücken beitragen, da Erkenntnisse anderer Disziplinen nicht zeitnah aufgegriffen werden können.

Auch die Vielzahl vorhandener Definitionen und Interpretationen dessen, was translationale Forschung ausmacht, trägt zu der mangelnden Übersetzung von Forschungsergebnissen bei. Die Risiken, das Potenzial der medizinischen Forschung nicht voll auszuschöpfen, wirken sich über die Unterschiede und Ungleichheiten in der regionalen Gesundheit und im Gesundheitswesen hinaus auch auf die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit aus. Länder, die eine klare und einheitliche Definition zur Formulierung translationaler Forschungsstrategien haben integrieren bereits jetzt strategisch die erforderlichen Fachkenntnisse und Ressourcen unterschiedlicher Disziplinen. In Deutschland engagieren sich verschiedenen Bundesländer in einzelnen Komponenten der Translationskette der medizinischen Forschung, die öffentlich gefördert werden. Hierzu gehören z.B. die Förderung der Universitäten im Rahmen der Exzellenzstrategie, die Beteiligung an den deutschen Zentren für Gesundheitsforschung oder die Ausrichtung von Max Planck Instituten. Was jedoch benötigt wird, ist ein Institutionsübergreifender konzeptioneller Rahmen und eine Konsensdefinition der translationalen Forschung, um das gesellschaftlich wichtige Forschungsfeld effizient fördern zu können. Die moderne medizinische Forschung sollte sich über die traditionelle Konzentration auf organ- oder krankheitsorientierte Forschungsthemen hinaus neu ausrichten und einen systemmedizinischen und interdisziplinären Ansatz verfolgen. Darüber hinaus muss die Vielfalt in der Gesellschaft berücksichtigt und die Bedürfnisse von Minderheiten mit unterschiedlichen Kulturen sowie von unterschiedlichen Altersgruppen stärker in Forschungsstrategien einbezogen werden. Translationale medizinische Forschung muss interdisziplinär, inklusiv und umfassend ausgerichtet werden. Solch ein erweitertes Übersetzungskonzept erfordert eine wesentliche Neuordnung der Forschung von derzeit einzelnen Wettbewerbsaktivitäten in monodisziplinären Silos zu einer kooperativen und zielorientierten Aktivität die disziplinarische Hindernisse beseitigt, um Innovationen anzuregen und neues Wissen zu generieren. Interdisziplinäre Forschung in einem sich schnell verändernden technologischen Umfeld erfordert die Schaffung wichtiger gemeinsamer Forschungsinfrastrukturen, die auf dem neuesten Stand der Entwicklung bleiben können und die für interaktive Forschungsteams leicht und effizient zugänglich sind. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der interdisziplinären Ausbildung und neue disziplinübergreifende Karrierewege sind ebenso notwendig. Ein Konsens über die Definition und die Bedeutung der translationalen medizinischen Forschung und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit wird die Kultur der Forschung aber auch der Forschungsförderung so verändern, dass Ergebnisse der Gesundheitsforschung rascher zum Patienten gelangen.