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Ein Kompaktprüfstand für die Bestimmung der Trittschallminderung von Bodenbelägen

24.06.2014

Die Trittschallminderung ist die für Bodenbeläge wesentliche akustische Kenngröße. Ihre Bestimmung erfolgt gemäß DIN EN ISO 10140 in einem Prüfstand bestehend aus zwei übereinander angeordneten Räumen mit einem jeweiligen Volumen von mindestens 50 m³. Dieser Prüfstand muss bestimmten Anforderungen genügen, wodurch der Aufbau und das Vorhalten eines solchen Prüfstandes besonders für kleine und mittlere Unternehmen (sog. KMUs) unrentabel ist. Das an der PTB entwickelte Kompaktverfahren verringert sowohl den Kostenaufwand für eine solche Messung, als auch den zeitlichen Aufwand.

In der PTB wurde im Rahmen zweier von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) geförderter Forschungsprojekte ein Kompaktprüfstand für die Bestimmung der Trittschallminderung entwickelt, das auf  Messungen an einem Deckenausschnitt der Größe 1,2 m × 0,8 m × 0,2 m basiert. Statt einer Messung des Luftschalldruckpegels im Empfangsraum des Prüfstands nach DIN EN ISO 10140 erfolgt die Bestimmung der Trittschallminderung durch eine Differenzmessung der Beschleunigungspegel auf der Unterseite des Deckenausschnitts.

Während der Projektlaufzeiten wurden an einer Vielzahl von weichen und plattenförmigen Bodenbelägen am Kompaktprüfstand und im Prüfstand nach DIN EN ISO 10140 Messungen durchgeführt. Die Ergebnisse in Bild 1 zeigen, mit Rücksicht auf die kritische Differenz als Maß für die Unsicherheit der Messung, eine sehr gute Übereinstimmung für weiche Bodenbeläge (PVC, Teppich, Linoleum).

Bild 1: Trittschallverbesserungsmaße ΔLw von 122 Bodenbelägen ermittelt am Kompaktprüfstand nach ISO 16251-1 (vertikale Achse) und im Prüfstand nach DIN EN ISO 10140 (horizontale Achse).

Die Abweichungen bei Laminaten ergeben sich nicht durch das Kompaktverfahren, sondern  aufgrund einer schlechten Ankopplung zwischen Boden und Belag, wodurch im Prüfstand nach DIN EN ISO 10140 tendenziell zu hohe Trittschallminderungen gemessen werden können. Für schwere Bodenbeläge wie z.B. Estriche ergeben sich Abweichungen aufgrund der Tatsache, dass die Auflage das Schwingungsverhalten des Deckenausschnitts ändert. Somit können keine validen Ergebnisse für schwere Auflagen erzielt werden. Um eine Fehlmessung identifizieren zu können, wurden an der PTB entsprechende Überprüfungsverfahren entwickelt.

Auf der Basis der Forschungsarbeiten in der PTB konnte das Verfahren international genormt werden (ISO 16251-1: Laboratory measurement of the reduction of transmitted impact noise by floor coverings on a small floor mock-up - Part 1: Heavyweight compact floor). Die Fa. SINUS Messtechnik GmbH vertreibt in Kooperation mit der PTB komplette Messaufbauten für das Kompaktverfahren. Damit wurde das wesentliche Projektziel einer Verringerung des Messaufwands in vollem Umfang erreicht.

Literatur:

[1] Schmidt, J.H.; Wittstock V.; Foret, R.; Fichtel, F., Scheck, J.: Measuring the impact sound reduction at a compact measurement setup – design, results and uncertainties. Building Acoustics, Volume 20, Number 2, Pages 107 – 140, 2013

Ansprechpartner:

Jan-Henning Schmidt, FB 1.7, AG 1.72, E-Mail: jan-henning.schmidt@ptb.de