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Eine Ausweitung des Frequenzbereichs erhöht die Unsicherheit bauakustischer Einzahlwerte nicht

05.10.2011

Durch Auswertung einer Vielzahl von Ringversuchen wurde ermittelt, dass die Unsicherheit bauakustischer Einzahlwerte durch die Einbeziehung der Terzen von 50 bis 80 Hz sowie 4 und 5 kHz nicht nennenswert verändert wird, obwohl diese Terzen als die unsichersten gelten.

Die Luft-Schalldämmung von Bauteilen ist eine stark frequenzabhängige Größe. Für die Kommunikation von Produkteigenschaften, für approximative Prognoserechnungen und für die Kennzeichung von Produkten werden jedoch Kennwerte benötigt, die die Luft-Schalldämmung als eine einzige Zahl ausdrücken. Die erforderliche Bewertung der Schalldämm-Spektren wird in der internationalen Norm ISO 717 geregelt, die derzeit unter der Federführung der PTB überarbeitet wird. Ursprünglich wurden bei der Einzahlwertbildung nur die Terzen zwischen 100 Hz und 3,15 kHz berücksichtigt. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch deutlich, dass eine Ausweitung des Frequenzbereichs die Korrelation des Einzahlwerts mit der subjektiv empfundenen Wahrnehmung erheblich verbessert. Bevor der Frequenzbereich normativ ausgeweitet werden kann, war jedoch zu klären, wie sich dadurch die Unsicherheiten der Einzahlwerte verändern.

Die PTB verfügt über eine umfangreiche Datenbank mit Ringversuchsergebnissen, die zur Untersuchung der Unsicherheiten der Einzahlwerte herangezogen werden konnte. Es zeigt sich, dass die Unsicherheiten bei einer Ausweitung des Frequenzbereichs weitgehend unverändert bleiben (Bild 1). Es gibt etliche Beispiele, in denen die Unsicherheit sinkt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es sich beim Einzahlwert in Kern um einen gewichteten Mittelwert handelt. Wird dieser nun aus 21 an Stelle von bisher 16 Werten berechnet, so ist die Unsicherheit des Mittelwerts geringer. In einigen Fällen wird die Unsicherheit allerdings geringfügig größer. Hier handelt es sich um Bauteile, die bei einzelnen Frequenzen genau im neu hinzugekommenen Frequenzbereich ausgesprochene Schwachstellen aufweisen, die den Einzahlwert dann mit ihrer größeren Unsicherheit bestimmen. Für den Anwender bedeutet dies, dass in diesen "vorhersehbaren" Fällen ein größerer Sicherheitszuschlag anzusetzen ist. Einer Ausweitung des Frequenzbereichs stehen die Unsicherheiten damit nicht entgegen [1].

Bild 1: Aus Ringversuchen ermittelte Unsicherheiten des Einzahlwerts Rliving für die Frequenzbereiche 100 Hz - 3,15 kHz und 50 Hz - 5 kHz

Literatur:

[1] W. Scholl, J. Lang, V. Wittstock: Rating of Sound insulation at Present and in Future. The Revision of ISO 717. Acta Acustica united with Acustica. Vol. 97 (2011) 686 - 698

Ansprechpartner:

Volker Wittstock, FB 1.7, AG 1.72, E-Mail: volker.wittstock@ptb.de