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"Digital Certificate of Conformity" im Rahmen der Initiative QI-Digital

Automatische Datenübernahme aus alten Unterlagen, Plausibilitätsprüfung der Eingaben und einfach ein bisschen weniger Papierkram: die Digitalisierung macht die Arbeit mit Konformitätsbewertungszertifikaten effizienter. Denn digitale Zertifikate werden, über den ganzen Lebenszyklus eines Produkts dauerhafter und leichter für die notwendigen Beteiligten verfügbar sein, als bisherige Papierdokumente. Damit können digitale Zertifikate den Datenaustausch aller beteiligten Stellen beschleunigen und vereinfachen. Im Rahmen der vom BMWK finanzierten "Initiative QI-Digital" werden Wege zur digitalen Transformation verschiedener Elemente der Qualitätsinfrastruktur (QI) in Deutschland untersucht und entwickelt. Im QI-Digital-Pilotprojekt Verlässliche Wasserstofftankstelle entwickeln und erproben wir unter anderem Prototypen für digitale Konformitätsbewertungszertifikate.

Nur für den Treibstoff bezahlen, den man getankt hat, und das gewohnt sicher - auch wenn aus der Zapfsäule bald vielleicht Wasserstoff statt Benzin kommt. Diese Selbstverständlichkeit basiert auf mehreren Regelungen, die Konformitätsbewertungen erfordern: unter anderem dem Mess- und Eichgesetz und der europäischen Richtlinie zum Explosionsschutz. In Zukunft könnte dafür ein gemeinsames "Digital Certificate of Conformity" erstellt und versendet werden, das beide Regelungen berücksichtigt und möglichst offen für die Anpassung an andere gesetzliche Regelungen ist. Dazu entwickeln wir an der PTB eine Datenstruktur der Zertifizierungsinformationen gemäß DIN EN ISO/IEC 17065, sowie Hilfsmittel zur Erstellung, Bearbeitung und Ansicht der Zertifikatsinformationen. Dabei sollen vorhandene digitale "Werkzeuge" so weit wie möglich genutzt werden. Die digitale Datenstruktur soll schließlich Grundlage für eine Normenentwicklung werden.

Für digitale Konformitätsbewertungszertifikate müssen die einfließenden Daten maschinenlesbar, im besten Falle sogar maschineninterpretierbar sein. Sie müssen also in einheitlichen Vorlagen strukturiert erfasst werden. Später können die so vorliegenden Daten automatisch übernommen und Plausibilitätsprüfungen schneller und einfacher durchgeführt werden. Zusätzlich sollen die Dokumente in menschenlesbarer Form den Nutzenden, wie etwa Herstellern oder Eichbehörden, bereitgestellt werden.

Verwendbarkeit im Europäischen Binnenmarkt

Auf europäischer Ebene sind viele Regelungen zu Messgeräten wie Elektrizitätszählern, Waagen oder Zapfsäulen und Abgasmessgeräten in zwei Richtlinien zusammengefasst, der MID und der NAWID. Konformitätsbewertungsstellen, die nach diesen Richtlinien benannt wurden (sogenannte notified bodies), stellen verschiedene Zertifikate für das Inverkehrbringen von Messgeräten aus. Selbstverständlich ist deshalb das Ziel dieser Projektarbeit, Strukturen zu entwickeln, die in ganz Europa genutzt und anerkannt werden. Das Koordinierungsgremium für Konformitätsbewertungsstellen im gesetzlichen Messwesen nach diesen Richtlinien ist NoBoMet (Notified Bodies in Legal Metrology). Eine der Aufgaben von NoBoMet ist die Absprache von Zertifikatsinhalten und -formaten mit dem Ziel einheitlicher Vorgaben für alle europäischen Stellen. Daher haben wir 2021 eine Projektgruppe zur Erstellung von digitalen Zertifikaten initiiert. Die Gruppe beschäftigt sich bisher überwiegend mit den EU-Baumusterprüfbescheinigungen, aber auch die Mitteilungen zur Qualitätssicherung und Zertifikate für die Produktprüfung sind auf der Agenda. 

Modularer Aufbau digitaler Zertifikate hat Vorteile

Modularer Aufbau als Puzzledarstellung

Eine Haupterkenntnis der Projektgruppenarbeit waren die mehr oder weniger einheitlichen administrativen Daten, die in allen Zertifikaten vorhanden sind. Dies führte zu einem modularen Ansatz in der Datenstruktur mit einheitliche Zertifizierungsdaten (administrative Informationen) und variablen Anhängen für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Messgerätearten und Konformitätsbewertungsmodulen (siehe Abbildung).

Die Struktur des allgemeinen Teils wurde in einem NoBoMet-Dokument beschrieben und im Mai 2023  im Online-Repositorium der Europäischen Union veröffentlicht.

 

Diese Struktur ist die Basis für die weiteren Arbeiten. Ihre Anpassungsfähigkeit für die Nutzung für Zertifikate nach anderen Richtlinien, wie z.B. der ATEX-Richtlinie im Explosionsschutz, sowie anderen Zertifizierungssystemen wie IECEx und OIML-CS wird in weiteren Arbeiten des Projektes überprüft und gegebenenfalls weiterentwickelt.

Vernetzung mit Interessierten

Zum Austausch mit weiteren Beteiligten, wie Herstellerverbänden, Eichbehörden und allgemein Interessierten nutzen wir unterschiedliche Formate. Zum einen präsentierten wir unsere Ziele und bisherigen Ergebnisse bereits im Ausschuss der Konformitätsbewertungsstellen und der Vollversammlung im Mess- und Eichwesen. Zum anderen informieren wir alle Interessierten auf der Website der Opens external link in new windowInitiative QI-Digital, bei unserem anstehenden Anwendertreffen und präsentieren Industrie- und Politikvertretungen unsere Ergebnisse auf Veranstaltungen wie dem Opens external link in new windowQI-Digital Forum.

Unser Template: der Digitale Kalibrierschein

Unsere Arbeit basiert auf den Erfahrungen mit dem digitalen Kalibrierscheins (DCC), der seit 2017 an der PTB entwickelt wurde. Kalibrierscheine werden vor allem gemäß der DIN EN ISO/IEC 17025 verwendet, um die Messergebnisse von Kalibrierlaboren zu dokumentieren. Im digitalen Kalibrierschein werden die Messdaten und weitere Angaben standardisiert erfasst und über das Datenaustauschformat XML maschinenlesbar bereitgestellt. So können die Informationen in digitalen Systemen direkt ausgelesen und automatisiert weiterverwendet werden, um etwa Produktionsprozesse zu optimieren. Das DCC liegt inzwischen in einer stabilen Version vor.