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Verbesserte Rheumadiagnostik

Besonders interessant für:
  • Rheumatologen
  • Hersteller von Medizingeräten

Das Europäische Patentamt hat ein Patent für ein neuartiges Diagnoseverfahren erteilt, das in der PTB gemeinsam mit Partnern aus der Charité Berlin und der Industrie entwickelt wurde. Das Diagnoseverfahren könnte Hilfe bei der Behandlung von Rheuma bieten.

Fluoreszenzbild der Hände einer 51-jährigen Rheumapatientin, aufgenommen zwei Minuten nach Injektion des Farbstoffs mit dem zertifizierten Gerät der PTB. Darstellung in Falschfarben, wobei die Farben Rot bis Weiß die höchste Intensität kodieren. Rechts ist ein Rheumaherd zu erkennen, links nicht. (Abb.: Helios-Klinikum Berlin-Buch, Prof. Michael N. Berliner)

Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung leidet unter Rheuma. Je früher diese Krankheit diagnostiziert und behandelt wird, umso wahrscheinlicher ist der Erhalt einer guten Lebensqualität. Mit dem in der PTB entwickelten, sehr empfindlichen Diagnoseverfahren ist es möglich, schon frühe Stadien der Krankheit zu entdecken. Das Patent beschreibt die Verwendung von Indocarbocyanin- Farbstoffen, insbesondere von Indotricarbocyanin, als Kontrastmittel für die Fluoreszenzbildgebung zur Früherkennung entzündlicher Erkrankungen, speziell der rheumatoiden Arthritis.

Die Fluoreszenzbildgebung verwendet nahinfrarotes Licht des Spektralbereiches von 700 nm bis 900 nm. Es wird durch körpereigene Farbstoffe weniger absorbiert sowie im Gewebe weniger gestreut als kürzerwelliges sichtbares Licht und dringt ähnlich wie Wärmestrahlung einige Zentimeter ins Gewebe ein. Dies macht das Verfahren insbesondere für die optische Untersuchung von Fingergelenken interessant. Im Gewebe regt das nahinfrarote Licht den vorher intravenös verabreichten Farbstoff Indocyaningrün (ICG), der für die invasive Diagnostik zugelassen ist, zum Fluoreszieren an. Weil in entzündeten Gelenken zusätzlich neue Gefäße gebildet werden, fluoreszieren diese viel stärker als gesunde Gelenke. Die abgestrahlte Fluoreszenz wird mithilfe einer sehr empf indlichen EMCCD(Electron Multiplying Charge Coupled Device)-Kamera erfasst, sodass selbst geringe Konzentrationen des Farbstoffs sichtbar gemacht werden können. Für die Auswertung der Intensitätsverteilung über die Handflächen wurde in der PTB eine Software entwickelt, die neben der visuellen Bewertung, ähnlich der Auswertung eines Röntgenbildes, auch einen objektiven quantitativen Vergleich ermöglicht. Das Messverfahren wurde in einer exploratorischen Studie an 60 Patienten und 30 Probanden erfolgreich erprobt.

Im Rahmen eines Technologietransfers arbeitet die PTB bereits seit einiger Zeit eng mit der Firma mivenion als Partner zur Ver­wer­tung des Verfahrens zusammen. Die Firma hat frühzeitig die Lizenz zur Nutzung der jetzt patentierten Schutzrechte erworben und ein darauf basierendes Gerät (Xiralite®) auf den Markt gebracht, welches bereits in verschiedenen Kliniken und bei niedergelassenen Ärzten für die Früherkennung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt wird. Die jetzt erteilten Schutzrechte sind ein wichtiger Meilenstein für die weitere Verwertung und damit Etablierung des neuen Diagnoseverfahrens. Das am 21. Dezember 2011 erteilte Europäische Patent der PTB (Optical imaging of rheumatoid arthritis, EP Nr. 1 931 391 B1) ist jetzt in die nationale Phase der europäischen Länder überführt worden.

Ansprechpartner:

Bernd Ebert
Fachbereich 8.3 Biomedizinische Optik
Telefon: (030) 3481-7384
bernd.ebert(at)ptb.de

Wissenschaftliche Veröffentlichung:

Dziekan, T.; Weissbach, C.; Voigt, J; Ebert, B.; Macdonald, R.; Bahner, M.L.; Mahler, M.; Schirner, M.; Berliner, M.; Berliner, B.; Osel, J.; Osel, I.: Detection of rheumatoid arthritis by evaluation of normalized variances of fluorescence time correlation functions. J. Biomed. Opt. 16 (2011) 076015