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Heft 3: Der Deutsche Kalibrierdienst (DKD): Eine Erfolgsgeschichte geht weiter

PTB-Mitteilungen 3/2019

Der Deutsche Kalibrierdienst (DKD):
Eine Erfolgsgeschichte geht weiter
Inhaltsverzeichnis/Abstract

Der Deutsche Kalibrierdienst (DKD): Eine Erfolgsgeschichte geht weiter

Peter Ulbig

Die Welt verändert sich mit jedem Tag und so auch die Welt der Metrologie. Deshalb soll mit dieser Ausgabe der PTB-Mitteilungen den großen Veränderungen im Kalibrierwesen Rechnung getragen werden. Was 1977 mit der Gründung des Deutschen Kalibrierdienstes in der PTB begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einem unerlässlichen Instrument zur Weitergabe der Einheiten im Kalibrierwesen entwickelt.

Das Logo des DKD (gehalten in der gleichen Farbe wie das PTB-Logo) zeigt die Nähe zur PTB und steht weltweit als Symbol für Qualität im Kalibrierwesen. Erreicht wurde dies durch die über Jahre gewachsene enge Zusammenarbeit der PTB mit den überwiegend deutschen Kalibrierlaboratorien. Die PTB hat seit Beginn des DKD immer darauf geachtet, dass die beteiligten Kalibrierlaboratorien über eine große metrologische Kompetenz verfügen. Dieser Nachweis der Kompetenz wurde Anfang der 1990er-Jahre mit der Etablierung des Akkreditierungswesens in weltweit gültige Regeln geschrieben. So konnte der DKD als deutsche Akkreditierungsstelle für Kalibrierlaboratorien Akkreditierungen auf Basis der 1999 erschienenen DIN EN ISO/IEC 17025 aussprechen. Schon frühzeitig entstand der Bedarf für ein abgestimmtes Vorgehen bei der praktischen Arbeit im Laboratorium, um Kalibrierungen auf hohem Niveau durchführen zu können. Diese Aufgabe übernahmen die nach und nach gegründeten DKD-Fachausschüsse, in denen die Vertreter der akkreditierten Kalibrierlaboratorien gemeinsam mit PTB-Mitarbeitenden schriftliche Arbeitsgrundlagen entwickelten, die so genannten „DKD-Richtlinien“ und „DKD-Leitfäden“.

Die Fachausschüsse im Deutschen Kalibrierdienst

  1. Gleichstrom und Niederfrequenz (Vorsitzender: Karl-Peter Lallmann, 1A CAL GmbH, Kassel)
  2. Hochfrequenz und Optik (Vorsitzender: Dr. Gerhard Rösel, Rohde & Schwarz Messgerätebau GmbH, Memmingen)
  3. Kraft und Beschleunigung (Vorsitzender: Daniel Schwind, GTM Testing and Metrology GmbH, Bickenbach)
  4. Länge (Vorsitzender: Rogér Ernst, Robert Bosch GmbH, Gerlingen)
  5. Temperatur und Feuchte (Vorsitzender: Helmut Hager, MBW Calibration GmbH, Fellbach)
  6. Druck und Vakuum (Vorsitzender: Christian Elbert, WIKA Alexander Wiegand SE & Co. KG, Klingenberg (Main))
  7. Masse und Waagen (Vorsitzender: Norbert Schnell, Sartorius Lab Instruments GmbH & Co. KG, Göttingen)
  8. Chemische Messgrößen und Stoffeigenschaften (Vorsitzender: Dr. Olaf Schnelle-Werner, Zentrum für Messen und Kalibrieren & ANALYTIK GmbH, Bitterfeld-Wolfen)
  9. Werkstoffprüfmaschinen (Vorsitzender: Siegfried Gerber, Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart, Stuttgart)
  10. Drehmoment (Vorsitzender: Siegfried Herbold, STAHLWILLE Eduard Wille GmbH & Co. KG, Wuppertal)
  11. Strömungsmessgrößen (Vorsitzender: Dr. Peter Reinshaus, Rota Yokogawa GmbH & Co. KG, Wehr (Baden))
  12. Messgrößen in der Laboratoriumsmedizin (Vorsitzender: Dr. Denis Grote-Koska, Referenzinstitut für Bioanalytik a. d. MHH, Hannover)
  13. Messunsicherheit (Vorsitzender: Philip M. Fleischmann, esz AG calibration & metrology, Eichenau)

40 Jahre Deutscher Kalibrierdienst

Festakt und 300. PTB-Seminar

Martin Czaske

Der Deutsche Kalibrierdienst (DKD) wurde im Jahr 1977 gegründet, um den wachsenden Kalibrierbedarf der deutschen Industrie zu decken. Dieser nahm derart zu, dass die PTB die Kalibrierungen von Messgeräten und Maßverkörperungen für die Industrie nicht mehr allein bewältigen konnte. In der Industrie gab es bereits gut ausgestattete Kalibrierlaboratorien. Somit hatte die PTB die Möglichkeit, Kalibrierungen abzugeben. Die Kompetenz der Kalibrierlaboratorien und insbesondere die metrologische Rückführung durch diese musste sichergestellt werden. Um dies zu erreichen, hatte der DKD, als erste Akkreditierungsstelle in Deutschland, Kalibrierlaboratorien auf Antrag begutachtet und akkreditiert. Um das Qualitätsniveau der Kalibrierlaboratorien zu erhalten oder zu steigern, wurden Fachausschüsse gegründet. Dort tauschen Kalibrierlaboratorien mit Beteiligung der PTB-Fachbereiche messtechnische Erfahrungen aus und erarbeiten gemeinsam Richtlinien für die Arbeit in Kalibrierlaboratorien. Dieses Prinzip ist noch heute gültig.

Alle Macht den Konstanten

Mit dem Weltmetrologietag am 20. Mai 2019 ändert sich grundlegend, was ein Kilogramm, ein Ampere und alle anderen Einheiten sein sollen.

Jens Simon, Imke Frischmuth

Wenn Sie jemandem begegnen, der fehlerfrei und ohne Spickzettel sagen kann, was ein Kilogramm ist, dann seien Sie auf der Hut. Es muss sich um einen speziellen Wissenschaftler, einen Metrologen, handeln, der noch ganz begeistert ist von dem fundamentalen Wandel im Internationalen System der Einheiten (SI). Denn ab dem 20. Mai 2019, dem Weltmetrologietag des Jahres, sind so abstrakte Dinge wie Naturkonstanten dafür verantwortlich, was unter einem Kilogramm und einem Ampere, einem Kelvin und einem Mol zu verstehen ist. Nach jahrelanger Forschung von den großen Metrologieinstituten und im Besonderen von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) hatte sich die Weltgemeinschaft auf diese Revision des Einheitensystems verständigt – eine Revision, die mit dem Weltmetrologietag 2019 in Kraft tritt.

Der 20. Mai 2019 markiert eine Zäsur in der Entwicklung der physikalischen und technischen Maßeinheiten. Ab diesem Tag sind die gewohnten Definitionen der Einheiten Geschichte. Vorbei die Zeiten, in denen ein kleiner Metallzylinder in einem Safe des Internationalen Büros für Maße und Gewichte (BIPM) in Sèvres (Paris) das Kilogramm für die ganze Welt darstellte. Vorbei auch die Zeiten, in denen zwei unendlich dünne, unendlich lange Leiter streng parallel in einem Abstand von einem Meter gespannt werden mussten, um mithilfe dieser idealisierten Versuchsanordnung zu definieren, was unter der Einheit für die elektrische Stromstärke, dem Ampere, zu verstehen sein sollte.

Aufbruch in das Kalibrierwesen der Zukunft – von der Forschung in die Praxis

Dr. Peter Ulbig,
Vorsitzender des DKD-Vorstands

Seit 1977 gibt es den Deutschen Kalibrierdienst, den DKD. Gegründet aus der Not, um den wachsenden Kalibrierbedarf der deutschen Industrie decken zu können, hat sich historisch über mehrere Schritte ein Forum für den fachlichen Austausch für das deutsche Kalibrierwesen gebildet, dem heute nahezu 450 akkreditierte Kalibrierlaboratorien und Einzelpersonen angehören.

Die Erfolgsgeschichte des DKD ist undenkbar ohne den treibenden Gedanken der beiden Gründerväter der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB): Werner von Siemens und Hermann von Helmholtz. Beide verbanden zielgerichtet Forschung mit den Anliegen der Industrie, um mit einheitlichen Maßen für physikalische Größen nationale und internationale Vorteile für Wirtschaft und Gesellschaft generieren zu können.

Zusammenarbeit PTB und DAkkS – Erfolgsgarantie für das deutsche Kalibrierwesen

Dr.-Ing. Stephan Finke,
Geschäftsführer der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS)

Dr.-Ing. Stephan Finke, Geschäftsführer der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS)

Es freut mich sehr, hier heute mit Ihnen diese festliche Veranstaltung anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Deutschen Kalibrierdienstes begehen zu dürfen und danke Ihnen herzlich für die Einladung.

Wir haben heute ja bereits einiges über die Zukunft der Metrologie und des Kalibrierwesens gehört. Meine Aufgabe wird es sein, auch noch einmal einen Blick zurück zu werfen. Denn der DKD und das Akkreditierungswesen waren in der Vergangenheit – und sind es auch noch heute – untrennbar miteinander verbunden. Gleichzeitig möchte ich den Fokus auch auf die Gegenwart richten, insbesondere auf die sehr gute Zusammenarbeit der DAkkS mit der PTB und dem neuen DKD.

Der Beitrag der Kalibration zur digitalen Produktion

Dr. Ulrich Kaiser,
Director Technology, Endress+Hauser AG, Reinach, Schweiz

Die Digitalisierung der Produktion bietet einige Ansätze, den Aufwand für die Kalibrierung von Prozesssensoren deutlich zu reduzieren und damit einen Beitrag zur Produktionseffizienz zu leisten. Verschiedene Ansätze werden vorgestellt um – ermöglicht durch Digitalisierung – Kalibrierungsintervalle signifikant zu verlängern.

Grußwort der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ)

Beate Kulessa, PTB und DGQ, gratuliert im Namen der DGQ dem DKD zum 40-jährigen Jubiläum

die Deutsche Gesellschaft für Qualität e. V. gratuliert Ihnen herzlich zum 40-jährigen Jubiläum und wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Weiterentwicklung des deutschen Kalibrierwesens!

DGQ und DKD haben über die Jahrzehnte zusammengearbeitet und an der Erstellung von Richtlinien für Laboratorien mitgewirkt. Gremienarbeit, Erfahrungsaustausch, Entwicklung normativer Dokumente und die Kooperation auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements und des Kalibrierwesens prägen unsere Aktivitäten. Auch bei der Weiterentwicklung und Begleitung der deutschen Akkreditierungs- und Zertifizierungslandschaft tragen wir mit Expertise und Engagement zur Fortentwicklung bei.

Die Entwicklung von der Bestätigung als erstes DKD-Kalibrierlabor zur heutigen DAkkS-Akkreditierung

Lioba Stenner,
Hottinger Baldwin Messtechnik GmbH

Herzlichen Glückwunsch an den DKD zu 40 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit mit den akkreditierten Kalibrierlaboren. Mit einer abwechslungsreichen Geschichte von der Gründung im Jahr 1977, der Überleitung in die DAkkS und Neugründung im Jahr 2011 hat der DKD Standvermögen bewiesen.

Zu Beginn soll kurz das Unternehmen Hottinger Baldwin Messtechnik GmbH (HBM) vorgestellt werden, damit der Bedarf des Akkreditierungsumfanges ersichtlich wird. HBM steht bereits seit 1950 (Gründung durch Karl Hottinger) für Spitzentechnologie in der Messtechnik. Die Produkte decken die gesamte Messkette ab und bieten Lösungen für das Messen elektrischer und mechanischer Größen. Die Produktpalette von HBM umfasst Aufnehmer, Verstärker und Messdatenerfassungssysteme sowie Software für Test und Analyse. Das dichte HBM-Vertriebsnetzwerk steht Kunden weltweit zur Verfügung. Die Produktionsstandorte von HBM befinden sich in Darmstadt, Marlborough (USA) und Suzhou (China). Als erstes Unternehmen in Deutschland wurde HBM bereits 1986 nach ISO 9001 zertifiziert. Seit 1996 ist das Umweltmanagementsystem von HBM nach ISO 14001 zertifiziert.

24 Jahre Zusammenarbeit und Wünsche für die Zukunft

Lars Ahrendt,
Perschmann Calibration GmbH

 

 

Internationale Spitzenleistungen sind kein Zufall – SPEKTRA sagt Danke

Dr. Holger Nicklich,
SPEKTRA Schwingungstechnik und Akustik GmbH

Die seit Gründung der SPEKTRA GmbH Dresden im Jahr 1994 kontinuierliche und erfolgreiche Entwicklung ist eng mit dem Deutschen Kalibrierdienst DKD, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt PTB und der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS verbunden. Dies sollen ausgewählte Meilensteine verdeutlichen (siehe Tabelle1).

Kalibrieren von Strommessgeräten für DC-Ströme bis 2000 A

Marcus Escher,
Isabellenhütte Heusler GmbH & Co. KG

Die Isabellenhütte ist ein Unternehmen mit sehr langer Tradition. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1482. Der Kaufmann C. Heusler übernahm die Geschäfte im Jahr 1827. Seitdem ist die Isabellenhütte Heusler GmbH & Co. KG in Familienbesitz und wird heute in achter Generation geführt.

Das mittelständische Unternehmen mit heute etwa 900 Mitarbeitern ist in drei Sparten aufgegliedert. In dem traditionellen Bereich werden jährlich etwa 1500 t Sonderlegierungen für z. B. Präzisionswiderstände oder Thermoelemente erschmolzen. Der zweite Bereich der Bauelemente stellt aus diesen Widerstandslegierungen seit 1987 niederohmige Shunt-Widerstände auf Folientechnologie her.

Referenzsysteme für Messgrößen in der Laboratoriumsmedizin

Prof. Dr. Gerhard Schumann,
Vorsitzender des DKD-Fachausschusses Messgrößen in der Laboratoriumsmedizin

Das Referenzinstitut für Bioanalytik (RfB) gratuliert dem DKD zum 40-jährigen Jubiliäum. Das Kalibrierlaboratorium in Hannover hat das exzellente Zusammenwirken von DKD und PTB über viele Jahre hinweg zu schätzen gelernt.

Zu Zeiten der Gründung des DKD gab es noch keine Kalibrierlaboratorien für die Analysen von Bestandteilen des Blutes oder anderer Körperflüssigkeiten. Allerdings trat die Standardisierung für Analysen in der Laboratoriumsmedizin immer stärker in den Vordergrund. Warum das so war, soll mit wenigen Daten beschrieben werden.

Etwa 25 Jahre vor Gründung des DKD wurde der Prototyp des ersten Analysenautomaten für Untersuchungen im Blutserum vorgestellt. Die erste Messgröße, die mit diesem System analysiert wurde, war die Glucosekonzentration im Blutserum.