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Heft 1: 200 Jahre Explosionsschutz

PTB-Mitteilungen 1/2016

Vorwort

Martin Thedens, Ulrich von Pidoll

Es ist die Pflicht eines guten Beamten, sich im Aktenstudium zu üben. So ist es auch geschehen, als im Jahr 2014 in einem Archivraum ältere Unterlagen zum Vorschein gekommen sind: alte Briefe, Schriftstücke und Fotos aus den 30er- bis 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Es ging um die Vergangenheit der Sicherheitstechnik, des Explosionsschutzes, zu Zeiten der Chemisch- Technischen Reichsanstalt (CTR), der Wirren des 2. Weltkrieges und der sich bildenden Schwesterinstitutionen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Da ist beim Kollegen Dr. Ulrich von Pidoll die Idee entstanden, eine Chronik der damaligen Ereignisse und Vorgänge zu verfassen. Herausgekommen ist der PTB-Bericht Ex-7 „Explosionsschutz in der CTR und Weiterführung der Aufgaben in ihren Nachfolgeorganisationen“.

Die Verhinderung von Explosionen im Bergbau einst und jetzt

Michael Wittler

Anlass des PTB-Festkolloquiums „200 Jahre Explosionsschutz“ am 9. November 2015 war die Vorstellung einer durch den englischen Chemiker Sir Humphry Davy entwickelten Sicherheitslampe. Sicherheitslampen sollen Schlagwetter, das sind Grubengas(Methan)-Luft-Gemische, nicht entzünden. Damit kann die Einführung dieser sogenannten Davy-Lampe im Jahre 1815 sicherlich als eine Geburtsstunde des Explosionsschutzes angesehen werden. Allerdings sind jedoch auch schon frühere Versuche mit Sicherheitslampen anderer Bauweise bekannt und in den nachfolgenden Jahrzehnten wurden noch wesentliche Verbesserungen an Sicherheitslampen eingeführt. Die Davy-Lampe war aber in der Tat die erste in Ansätzen funktionierende Sicherheitslampe.

Die ersten Explosionen in der Industrie und ihre Verhinderung durch die Berufsgenossenschaften damals und heute

Oswald Losert

Das Jubiläum „200 Jahre Explosionsschutz“ macht sich fest an der Erfindung der Davyschen Sicherheitslampe im Jahr 1815. Betrachtet von diesem Bezugspunkt war am 70. Geburtstag der Davyschen Sicherheitslampe das Deutsche Reich gerade einmal 14 Jahre alt. Kaiser und Reichsregierung waren damals innenpolitisch unter Druck, weil die harten Rahmenbedingungen, unter denen die Industriearbeit stattfand, den „Sozialisten“ Rückhalt gaben und ihnen aus der Arbeiterschaft Zulauf bescherten.

Explosionsschutz im Militärversuchsamt und der Chemisch-Technischen Reichsanstalt 1907–1945

Ulrich von Pidoll

1892 entdeckte Dr. M. M. Richter, Direktor der größten Wäscherei in Hamburg, dass die in den letzten Jahren in Benzinwäschereien aufgetretenen Brände durch elektrostatische Entladungen verursacht wurden. 1906 entdeckte Richter, dass die in den letzten Jahren in der chemischen und der Sprengstoffindustrie aufgetretenen Explosionen durch elektrostatische Entladungen von ungeerdeten Metallteilen ausgelöst wurden. Für diese Entdeckungen erhielt Dr. Richter eine Professur an der Universität in Karlsruhe.

Geschichte und Aufgaben der BAM im Explosionsschutz seit 1945 bis heute

Rainer Grätz, Thomas Schendler, Volkmar Schröder

1921 bis 1945 – Explosionsschutz in der Chemisch-Technischen Reichsanstalt Die Entwicklung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), einer Bundesbehörde unter dem Dach des Bundeswirtschaftsministeriums, ist eng mit dem Explosionsschutz verbunden. Die Wurzeln des Explosionsschutzes in Deutschland liegen, wie in auch in vielen anderen europäischen Ländern, im Bergbau. Gruben- Explosionen, verursacht durch Methangas und Kohlenstaub, führten dazu, dass man sich der systematischen Erforschung von Explosionsgefahren zuwandte. Mit dem Einsatz neuer Sprengstoffe zum Ende des 19. Jahrhunderts häuften sich die Schlagwetter-Explosionen und in Preußen wurde eine staatliche „Schlagwetterkommission“ [1] berufen. Erste Bergbauversuchsstrecken zur Tauglichkeitsprüfung von Sprengstoffen entstanden. So wurde bereits 1894 für den Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet in Dortmund-Derne eine größere Bergbauversuchsstrecke unter Leitung des Bergassessors Carl Beyling eingerichtet. Eine weitere sächsische Bergbauversuchsstrecke mit dem Schwerpunkt Braunkohle wurde 1928 an der Bergakademie Freiberg in Betrieb genommen. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung des Braunkohlenbergbaus und den Explosionsgefahren, die z. B. bei der Kohleverarbeitung in den Brikettfabriken bestanden, entstand hier die Notwendigkeit, sich mit Maschinen und Einrichtungen für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen speziell zu beschäftigen [2].

Geschichte der PTB – von ihrer Neugründung 1947 in Braunschweig mit Übernahme von Arbeiten der CTR bis zur Gegenwart

Ulrich von Pidoll, Michael Beyer

Der Artikel beruht auf einem Vortrag zum PTBFestkolloquium „200 Jahre Explosionsschutz“ am 9. November 2015 in der PTB. Er behandelt im Schwerpunkt die Weiterführung der Arbeiten der Chemisch-Technischen Reichsanstalt (CTR) auf dem Gebiet des Explosionsschutzes nach dem zweiten Weltkrieg bis Mitte der 1960er-Jahre und schließt mit einer kurzen Übersicht zur heutigen Bearbeitung der damaligen Aufgabengebiete [1]. Die CTR wurde nach 1945 nicht fortgeführt, sodass deren Aufgaben im Explosionsschutz brach lagen. Die dringend erforderlichen Prüftätigkeiten wurden in den Nachfolgeorganisationen der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR), der Physikalisch-Technischen Anstalt (PTA), wieder aufgegriffen und später in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) weitergeführt.

Dr. Ulrich Johannsmeyer geht in den Ruhestand

Thomas Horn

Der langjährige Leiter des Fachbereiches für Explosionsgeschützte Sensorik und Messtechnik und des Sektors Explosionsschutz und Schussgeräte der Konformitätsbewertungsstelle in der PTB wurde zum 29. Februar 2016 verabschiedet.