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Entwicklung von Mindestanforderungen an die Nutzungsfreundlichkeit von Interaktionsschnittstellen an Messeinrichtungen für Elektrizität

20.11.2013

Erfolgreiche Interaktion zwischen Menschen und Elektrizitätsmesseinrichtungen in Smart Grids setzt voraus, dass die Kommunikation der Messinformationen über die Mensch-Maschine-Schnittstellen optimiert wird. Mit dieser Zielsetzung hat die PTB die entsprechenden, aus dem Eichrecht ableitbaren Mindestanforderungen in die 2013 veröffentlichten DIN SPEC 33440 „Ergonomische Gestaltung von Interaktionsschnittstellen und Produkten für Smart Grid und Elektromobilität“ eingebracht.

Im Arbeitsgebiet der elektrischen Energiemesstechnik wird in der PTB ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Dieser sieht vor, metrologischen Verbraucherschutz im geschäftlichen Verkehr mit der Ware Elektrizität auch durch breit aufgestellte Mitarbeit in den Gremien von Politik und Wirtschaft durchzusetzen, die das Vorantreiben der Energiewende auf der Agenda  führen. Eines der wichtigsten dieser Gremien ist der DKE-Lenkungskreis E-Energy/Smart Grid, in dem die PTB vertreten ist. Die PTB hat sich hierüber einer Initiative des DIN-Verbraucherrates angeschlossen, DIN-Spezifikationen zu erarbeiten, die für Smart Grid, Smart Metering und Elektromobilität Mindestanforderungen an Produkte vorschlagen, mit denen der Letztverbraucher konfrontiert wird, um durch Interaktion mit der Versorgungsinfrastruktur einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten (siehe PTB-Jahresbericht 2012)

Im Ergebnis entstanden die DIN SPEC 33440 „Ergonomische Gestaltung von Interaktionsschnittstellen und Produkten für Smart Grid und Elektromobilität“. Es handelt sich dabei um eine auf die speziellen Anwendungsfälle Smart Grid, Smart Metering und Elektromobilität zugeschnitte Zusammenstellung ergonomischer Grundgesetze und Basistechniken sogenannter User Experience. Die Disziplin „User Experience“ ist dabei von besonders großer Bedeutung. Eine einfache Übersetzung als „Nutzer Erleben“ würde zu stark einschränken, was die moderne Informatik unter „User Experience“ oder UX versteht. Vielmehr geht es darum, wahrnehmungspsychologische Forschungsergebnisse so für ein Produkt-Design einzusetzen, dass der Nutzer die Produkte möglichst einfach, intuitiv, fehlerfrei und zufrieden bedienen kann. Nachdem beim sogenannten „Smart Metering“ die Idee besteht, den Letztverbraucher durch Information über seine Energieverbräuche zum proaktiv auf die Energieversorgung Einfluss Nehmenden zu machen, kommt bei den „intelligenten“ Messeinrichtungen einer anwendungsfreundlichen Nutzungsmöglichkeit eine ebenso wichtige Rolle zu, wie bei Konsumartikeln wie Haushaltsgeräten,Telefonen oder Internet-Shop-Seiten. Die Mitarbeit an dem Projekt DIN SPEC 33440 „Ergonomische Gestaltung von Interaktionsschnittstellen und Produkten für Smart Grid und Elektromobilität“ hat in besonders deutlicher Form gezeigt, in welche Richtung sich der metrologische Verbraucherschutz und staatlicher Mitwirkungsbedarf in diesem Bereich entwickeln wird. Während der Verbraucher in der Vergangenheit ein bloßer Konsument von Messwerten war und es nur darum ging, dass ein angezeigter Wert richtig ist, ist der künftige Verbraucher ein proaktiv im Energiemarkt Handelnder und Einfluss Nehmender, der seine Rolle im Sinne der politischen  Erwartungen nur richtig spielen kann, wenn die Messgeräte ihm zumindest ein gewisses Minimum an gelungener „User Experience“ bieten. Smart Metering gehört damit zu den besonders spannenden Gebieten der Messtechnik für die Gesellschaft, wo es eine unmittelbare Nahtstelle zwischen ingenieur-, natur- und sozialwissenschaftlichen Forschungsdisziplinen gibt.

 

 

 

Ansprechpartner: M. Kahmann
Fachbereich 2.3:  Elektrische Energiemesstechnik