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298. PTB-Seminar - Datenübertragung für Brennwert-Rekonstruktionssysteme

Das 298. PTB-Seminar „Datenübertragung für Brennwert-Rekonstruktionssysteme“ fand am 05. Juli 2016 in Braunschweig statt. Veranstalter des Seminars war die Arbeitsgruppe 3.31 „Kalorische Größen“ der PTB mit Unterstützung der Fachbereiche Q.3 „Gesetzliches Messwesen und Technologietransfer“ sowie 8.5 „Metrologische Informationstechnik“.

Seit der Verabschiedung der PTB-Anforderung 7.64 an „Messsysteme zur Ermittlung von Abrechnungsbrennwerten und weiteren Gasbeschaffenheitsdaten mittels Zustandsrekonstruktion“ waren 17 Jahre vergangen. Dieses Seminar bot 103 Vertretern der Hersteller, Anwender, Gasnetzbetreiber sowie der Konformitätsbewertungsstellen und Marktüberwachungsbehörden eine Plattform zur Diskussion insbesondere der Anforderungen an eine sichere Datenübertragung bei Brennwert- und Gasbeschaffenheits-Rekonstruktionssystemen sowie Brennwertzuordnungsverfahren nach DVGW Arbeitsblatt G685 unter Berücksichtigung des aktuellen Stands der Technik und der Entwicklung des Mess- und Eichgesetzes.

In 10 Fachvorträgen, gehalten von ausgewählten Experten der jeweils betroffenen Kreise, wurde ein weiter Bogen von den ersten Anstrengungen zur Definition von Software-Anforderungen im gesetzlichen Meßwesen bis hin zu aktuellen Entwicklungen des sicheren „Cloud-Computings“ geschlagen. Grundlage bildet dabei das Mess- und Eichgesetz in seiner revidierten Fassung vom 01.01.2015. Rekonstruktionssysteme, die im geschäftlichen Verkehr eingesetzt werden, müssen die wesentlichen Anforderungen des Mess- und Eichgesetzes hinsichtlich Meßrichtigkeit, Meßbeständigkeit, Manipulationssicherheit, Darstellung der Meßwerte sowie Prüfbarkeit einhalten. Die PTB-Anforderungen 7.64 von 1999 setzten die damals gleichermaßen geltenden wesentlichen Anforderungen in eine Prüfgrundlage für die Zulassung dieser Systeme um, basierend auf dem WELMEC-Guide 7.2 (WELMEC: European Cooperation in Legal Metrology). Insofern bedürfen die PTB-Anforderungen keiner Überarbeitung, jedoch erscheint eine Anpassung an die geltenden gesetzlichen Regelungen und technischen Spezifikationen sowie den aktuellen Sprachgebrauch sinnvoll.

Wesentlicher Bestandteil für ein korrektes Funktionieren derartiger Systeme ist die Authentizität und Integrität der verwendeten Meßdaten, die von den im Feld befindlichen Meßstationen in eine Zentrale übertragen werden. Hier ergibt sich durch den zukünftigen verstärkten Einsatz von intelligenten Meßsystemen mit ihrer Möglichkeit, Verbrauchsinformationen für den Netzbetreiber zur Verfügung zu stellen, ein Ansatz, um bisher ungemessene und per Standardlastprofil zugeordnete Verbrauchsmengen auch meßtechnisch zu erfassen. Alternative Verfahren, die nicht den hohen Ansprüchen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an den Schutz personenbezogener Daten genügen, wohl aber den eichrechtlichen, haben sich in der Vergangenheit nicht durchsetzen können, werden aber im Rahmen der DSfG-Normung (DSfG: Digitale Schnittstelle für Gasmeßgeräte) aktuell weiterentwickelt.

Sicheres Cloud Computing ist Gegenstand aktueller Forschungsvorhaben, jedoch zurzeit noch nicht umsetzbar für die üblichen umfangreichen und anspruchsvollen Rekonstruktionsalgorithmen, wie sie in verschiedenen auf dem Markt befindlichen Systemen umgesetzt werden, die entweder als Rekonstruktionssysteme nach PTB-Anforderung 7.64 oder als Brennwert-Verfolgungssysteme nach DVGW-Arbeitsblatt G685 die Anforderungen des gesetzlichen Meßwesens erfüllen. Ein Beispiel aus der Praxis eines großen Netzbetreibers zeigte die dem Stand der Technik entsprechenden Möglich-keiten der Datenübertragung und ihre Abbildung auf die eichrechtlichen Anforderungen auf.

Das Seminar wurde von allen Seiten als eine lehrreiche und sinnvolle Veranstaltung erlebt, die ein Forum bot, mit Fachleuten für Brennwert- und Gasbeschaffenheits-Rekonstruktionssysteme im allgemeinen und der dazugehörigen Datenübertragung im besonderen in ungezwungener Atmosphäre in Kontakt zu treten und Informationen auszutauschen.

Die Vorträge des Seminars stehen den Teilnehmern auf dieser Web-Seite zur Verfügung. Bei Interesse kann bei den jeweiligen Autoren eine Kopie erfragt werden.

Das Seminar wurde durch den Helmholtz-Fonds e. V. finanziell unterstützt.

Braunschweig, den 25.07.2016

gez.: Sarge

 

Programm:
Dr. Roman Schwartz (Vizepräsident der PTB)
Begrüßung

Dr.-Ing. Sascha Mäuselein (PTB Q.31, Braunschweig)
Anforderungen und Regelermittlung im neuen Mess- und Eichrecht

Dr. Ulrich Grottker (PTB 8.51, Berlin)
Entwicklung der PTB-Anforderungen 7.64

Heiko Slawig (caplog-x GmbH, Leipzig)
Entwicklung der sicheren Datenübertragung in der Gaswirtschaft

Bernd Lang (Landis + Gyr GmbH, Nürnberg)
Gaszähler an Gateways anbinden .... Status 2016

Dr. Ulrich George (Elster GmbH, Dortmund)
Gasbeschaffenheit im Umfeld der DSfG

Alexander Oppermann (PTB 8.52, Berlin)
Sicheres Cloud Computing im gesetzlichen Messwesen

Dr.-Ing. Marko Esche (PTB 8.51, Berlin)
Softwaresicherungsmaßnahmen für neuartige Messgeräte

Dr. Willi Terlau (PSI AG, Berlin)
Implementierung von Rekonstruktionssystemen durch die PSI AG

Dr. Peter Schley (E.ON Metering GmbH, Essen)
Validierung von Brennwertverfolgungssystemen am Beispiel SmartSim

Björn Schmäing (Open Grid Europe GmbH, Essen)
2-Wege-Datenversorgung für das GRS der Open Grid Europe

Dr. Stefan M. Sarge (PTB 1.44, Braunschweig)
Resümee

 

Der folgende Downloadbereich enthält die Vorträge zusätzlich zusammengefaßt zu einer gemeinsamen Datei, einige photographische Impressionen des Seminars sowie die Teilnehmerliste zum Herunterladen. Anmeldung und Paßwort sind erforderlich.

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