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Heft 1: Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt (PTR) in Thüringen

PTB-Mitteilungen 1/2013

Die Thüringer Spuren der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt

Peter Bussemer

Bereits lange vor der kriegsbedingten Verlagerung der PTR im Jahre 1943 nach Weida gab es Wissenschaftler an der Reichsanstalt, deren Lebensweg durch ihre Herkunft aus Thüringen geprägt und von denen einige dann im Kriege wieder dorthin zurückkehrten. Wir wollen exemplarisch auf einige dieser Persönlichkeiten eingehen, die für die PTR eine wichtige Rolle spielten.

Die PTR als Wehrmachtsbetrieb

Jürgen Müller

Mit Beginn des 2. Weltkrieges 1939 wurde die PTR wie alle wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Einrichtungen verstärkt für Kriegszwecke eingesetzt.

Ein großer Teil der Laboratorien übernahm kriegsrelevante Dienstleistungsfunktionen für die Rüstungs- und Wirtschaftsmaschinerie des Dritten Reiches. In einem PTR-Schreiben vom 16. November 1944 an das Arbeitsamt Berlin, in dem um die Zuweisung einer Metallographin gebeten wird, heißt es dazu: „Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt ist W-Betrieb Wehrmacht Nr. 251/325 und führt nur kriegswichtige bzw. kriegsentscheidende Aufgaben (Dringlichkeitsstufe DE und SS bzw. Jägerstabsprogramm) im Auftrage der Oberkommandos der drei Wehrmachtsteile durch.“ (Bundesarchiv Berlin, DF5-116, Blatt 17).

Es gab drei Dringlichkeitsstufen bei Wehrmachtsaufträgen: S, SS (Abkürzung für Sonderstufe) und DE (Abkürzung für Dringlichkeitsentwicklung). Die S-Stufe hatte eine geringe Priorität, damit erkannte man eine gewisse Kriegswichtigkeit an. Die „Standard-Stufe“ für als kriegswichtig eingestufte Projekte war SS, hier gab es drei Untergruppen (SS I. Gruppe, SS II. Gruppe sowie SS III. Gruppe). Die höchste Auftragsstufe war DE, solche Einstufungen bedurften der persönlichen Zustimmung des Ministers für Bewaffnung und Munition Albert Speer ([8], S. 397 f). Aufträge der Sonderstufe DE beinhalteten beispielsweise das Jägerstabsprogramm (Bau strahlgetriebener Abfangjäger, der sogenannte Düsenjäger), den Bau von U-Booten der Typen 21 und 23, den Bau von Sturmgeschützen sowie von mit Torpedos bewaffneten Schnellbooten (S-Booten), die Höchstgeschwindigkeiten bis 42 Knoten erreichten ([8], S. 397 f). Im Bundesarchiv Berlin ist eine Grafik archiviert, die für das Strahlungslaboratorium der Abteilung IV das Anwachsen kriegswichtiger Forschung dokumentiert (siehe Abbildung).

Die Verlagerung der Rüstungsindustrie in den Schutz- und Trutzgau Thüringen

Ronny Dörfer, Markus Gleichmann

Die Ausgangssituation

Die militärischen Erfolge in den Kriegsjahren 1939/40 bekräftigten die deutsche Militärführung in der Auffassung von einer Überlegenheit der Wehrmacht gegenüber ihren Gegnern. Im Jahr 1941 überfielen die deutschen Aggressoren die Sowjetunion. Nach einem zunächst erfolgreichen Vormarsch der Wehrmacht bis vor Moskau glaubten viele Militärs noch an einen schnellen Sieg. Doch im Dezember 1941 scheiterte die Wehrmacht in der Schlacht vor Moskau. Von August 1942 bis Februar 1943 laufend, endete die Schlacht an der Wolga mit der bedingungslosen Kapitulation der 6. Armee unter General Paulus in Stalingrad. Der Wendepunkt des Krieges im Osten war endgültig erreicht.

Mit der Niederlage in der Luftschlacht um England und durch den Kriegseintritt der USA veränderte sich die militärische Lage weiter. Zielgerichtet wurden die deutsche Flugabwehr ausgeschaltet und tagsüber die Rüstungsindustrie und Nachschubwege bombardiert. Nach der Operation „Pointblank“ im Juni 1943 verminderte sich der Ausstoß der deutschen Flugzeugproduktion um etwa 300 Flugzeuge im Monat. Im Februar 1944 folgte eine weitere große Angriffswelle, die „Big Week“, in der 26 Luftangriffe auf die Flugzeugindustrie und deren Zulieferer geflogen wurden. Die Fertigung sank von Januar 1944 zum Februar 1944 um 23 %, wodurch die planmäßige Produktion speziell an Jagdflugzeugen um drei Monate zurückgeworfen wurde. Auch die Treibstoffindustrie wurde mithilfe von Langstreckenbombern massiv beschädigt.

Die Verlagerung der PTR nach Thüringen

Elisa Silbermann, Philip Bunk, Franz Eckstein, Jürgen Müller

Einleitung

„Vielen Ostthüringern, insbesondere Weidaern, ist es wahrscheinlich nicht bekannt, dass ihre Heimat für fast zehn Jahre ein wichtiges Zentrum der deutschen Physik gewesen ist.“ („Urmeter kommt zurück nach Weida“, Ostthüringer Zeitung (OTZ), 25. August 2011)

Wir haben uns bei der Themenwahl im Rahmen unserer Seminarfacharbeit für die Aufarbeitung der Geschichte der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt während der Verlagerung nach Weida in den Jahren 1943 bis 1953 entschieden. Professoren der Bundesakademie (BA) Gera waren auf der Suche nach einer Schülergruppe, die gemeinsam mit ihnen über die Weidaer Zeit der PTR recherchiert. Unter der lokalen Bevölkerung war die PTR weitgehend unbekannt, da das Thema bisher nur wenig bearbeitet wurde. Daher empfinden wir es als interessant und wichtig, über die Tätigkeit der PTR in Weida zu forschen und zu informieren und damit einen Teil der Geschichte Weidas und der PTR zu vervollständigen. Die Jahresausstellung 2012 auf der Osterburg widmete sich dem Aufenthalt und Wirken der PTR in Weida und bot für uns die Gelegenheit, unsere erarbeiteten Informationen auch außerhalb unserer Facharbeit für das Museum in der Osterburg zur Verfügung zu stellen. Unsere Hauptinformationsquellen waren Dokumente und Briefe aus bundesweiten Archiven. Aus diesen Archivalien gewannen wir durch Recherchieren, Auswerten, Vergleichen und Abstimmen mit Aussagen und Interviews von Fachleuten Informationen. Zudem wurde uns die Unterstützung von Mitarbeitern der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt gegeben.

Die PTR in Weida – Lebens- und Arbeitsbedingungen

Elisa Silbermann, Philip Bunk, Franz Eckstein

Wohnsituation der Neuankömmlinge

Die Verlagerung großer Teile der Physikalisch- Technischen Reichsanstalt nach Weida hatte zur Folge, dass zahlreiche Mitarbeiter aus Berlin, zum Teil auch mit ihren Familien, ihre Heimat verlassen mussten, um nach Weida umzuziehen.

1943 hatte Weida etwa 12 000 Einwohner. 351 sogenannte „Gefolgschaftsmitglieder“ der PTR und deren Angehörige sollten innerhalb kürzester Zeit untergebracht werden. Die Wohnraumsituation in Weida war in dieser Zeit, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, angespannt, da auch Flüchtlinge Unterkunft suchten.

Ab dem 23. August 1943 wurden zwei Polizeibeamte eingesetzt, um für die Berliner leere Zimmer, Wohnungen und Unterbringungsmöglichkeiten in Weida und Umgebung zu beschlagnahmen. Nicht jeder Wohnraumbesitzer war begeistert, Räume freizugeben. Auf Grundlage des Reichsleistungsgesetzes konnten jedoch Zimmer beschlagnahmt werden. Da die PTR „kriegswichtige Aufgaben höchster Dringlichkeit“ (Brief vom 21.01.1944, PTB-Archiv 1128) erfüllte, musste die Unterbringung der Mitarbeiter so schnell wie möglich gesichert werden. Der gefundene Wohnraum reichte jedoch lange nicht für die Weida überspülende Flut von PTR-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern aus. Es musste eine Lösung für das Problem gefunden werden.

August Wetthauer: Aus dem Leben eines PTR-Wissenschaftlers im Dritten Reich – eine Bildgeschichte

Ingrid und Edgar Göwert, Jürgen Müller

Das Leben von August Wetthauer, der über dreißig Jahre seines Lebens, von 1912 bis 1945, mit Unterbrechungen Wissenschaftler in der damaligen Physikalisch-Technischen Reichsanstalt war, dokumentiert exemplarisch die wechselvolle Geschichte der PTR im zwanzigsten Jahrhundert.

Die Politik mischte sich in das akademische Leben ein, der Krieg bestimmte Forschungsaufgaben; auch nach dem Krieg war eine Rückkehr zum normalen Forschungsalltag nur unter schwierigen Umständen möglich.

Die Erinnerungen von Ingrid Göwert, geb. Wetthauer, versetzen Leserinnen und Leser der Gegenwart, die frei vom Druck eines totalitären Regimes leben können, zurück in eine heute nur schwer nachvollziehbare Zeit.

Wetthauer beschäftigte sich als Optik-Spezialist auch praktisch mit Fotografie und Kinematografie. Seine heute im Bundesarchiv liegenden Farbfilme und sein Nachlass sind interessante Zeitdokumente. Einiges von diesem Material findet im Beitrag Verwendung.

Maria F. Romanova – Deutsch-sowjetische Wissenschaftsbeziehungen vor und nach dem Krieg

Elena Nikolaevna Grusdeva, Elena Borisovna Ginak, Peter Bussemer

Der Lebensweg und die wissenschaftliche Tätigkeit von Maria Romanova spiegelt die Umbrüche in Politik und Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider, von der Ausbildung einer naturwissenschaftlich begabten Frau gegen alle Widerstände im zaristischen Russland über die Wirren von Oktoberrevolution und Bürgerkrieg, den wirtschaftlichen Aufschwung in der Stalin- Zeit sowie die Vor- und Nachkriegszeit bis zur Periode des „Tauwetters“ in der ChruschtschowÄra. Wichtig sind für uns besonders die deutschsowjetischen Wissenschaftsbeziehungen im jeweiligen politischen Kontext, speziell zur PTR vor und nach dem 2. Weltkrieg.

Maria Fjodorovna Romanova [1] wurde am 8. Juni 1892 im sibirischen Tomsk in der Familie eines Medizin-Professors der dortigen Universität geboren. Nach dem Umzug der Familie nach Belgorod absolvierte sie das Mädchengymnasium, um anschließend Physik und Mathematik in St. Petersburg zu studieren, was sie im Februar 1916 mit einem ausgezeichneten Diplom beendete. In den 1920er Jahren unterrichtete sie Physik in Petrograder Hochschulen wie dem Technologischen Institut (1920–1921), dem Elektrotechnischen Institut (1921–1930) und der Universität (1923–1930).

Lebenswege von PTR-Mitarbeitern nach dem Krieg

Peter Bussemer, Kurt und Gudrun Häßner, Martin Roth

„Vergangenheit wacht auf, sie lebt, sobald man sich in sie vertieft. Nicht so, daß praktische Ratschläge aus ihr zu gewinnen wären. Aber so, daß wir in ihr den Menschen kennenlernen und dadurch auch uns selber; die Anlagen und Möglichkeiten unseres Volkes; sein Versagen wie seine Schöpfungen; die Herkunft der Gegenwart. Wie die Geschichte arbeitet und wie die einzelnen sich in ihr bewahrt haben oder nicht; wie sie das Gute wollten und irren mußten; eingefangen wurden in Konflikten, die sie nicht lösen konnten. Und was sie recht machten.“

Golo Mann, Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Einführung

Die folgenden biografischen Skizzen sind PTRForschern gewidmet, die in der Zeit des Dritten Reiches und kurz danach nicht so im Rampenlicht standen wie Esau, Gehrcke oder Scheibe. Wir haben während der Ausstellung über das Wirken der PTR in Thüringen im Jahr 2012 auf der Osterburg in Weida Kontakt zu Angehörigen von ehemaligen PTR-Mitarbeitern bekommen, die über ihre Verwandten berichteten und bisher noch nicht bekannte Fakten mitteilten. Darüber hinaus erhält man über die Biografien von wissenschaftlich tätigen Persönlichkeiten auch zusätzliche Einsichten in politische und soziale Dimensionen der Zeit, man sieht schärfer die Einflüsse, die bei der Entstehung und der Durchsetzung von Wissen Gewicht hatten. Eine Wissenschaftler-Biografie zeichnet somit – in gewisser Weise durch eine Hintertür – die Sozialgebundenheit

Die Abteilung Atomphysik der PTR in Ronneburg und das deutsche Uranprojekt

Rainer Karlsch

Einleitung

Im Frühjahr 1939, rund vier Monate nach der Entdeckung der Kernspaltung, wurde vom Reichserziehungsministerium der „erste“ Uranverein, ein Verbund von rund 100 Wissenschaftlern der wichtigsten Universitäten und Kaiser-Wilhelm-Institute (KWI), ins Leben gerufen. [1] Unabhängig davon richtete die Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes (HWA) ein Referat für Atomphysik unter der Leitung von Kurt Diebner ein. Da sich die Forschungseinrichtung des neuen Referats am westlichen Rand der Heeresversuchsanstalt Kummersdorf nahe dem Dorf Gottow befand, lautete die offizielle Bezeichnung „Versuchsstelle Gottow [2]“.

Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt (PTR) war von Anfang an in die Arbeiten des Uranvereins involviert. Ihr 1939 neu ins Amt berufener Präsident Abraham Esau [3], zugleich Rektor der Universität Jena und Leiter der Sparte „Physik“ im Reichsforschungsrat, hatte den ersten Uranverein initiiert. Nach Kriegsbeginn wurde er von dessen Spitze verdrängt. Das Militär übernahm die Aufsicht über die Uranforschungen und richtete dafür das KWI für Physik in Berlin als Leitinstitut ein. Geschäftsführer wurde Diebner und neuer Direktor Werner Heisenberg.

Das Kriegsende für die PTR in Thüringen

Elisa Silbermann, Philip Bunk, Franz Eckstein, Gudrun und Kurt Häßner

Die Front rückt näher

Schon im Frühjahr 1945 war der Vormarsch der alliierten Truppen nicht mehr aufzuhalten. Die akustischen Laboratorien unter Leitung von Martin Grützmacher verlegte man von Bad Warmbrunn in Schlesien nach Göttingen([2], S. 271).

Als letzte „Wunderwaffe“ wurde auch in Weida auf den Volkssturm zurückgegriffen, der im Volksmund auch als die V3 bezeichnet wurde. Jedoch ergaben sich zahlreiche thüringische Städte freiwillig, ohne dass Kampfhandlungen stattfanden.

In der PTR traf man ebenfalls Vorkehrungen für die bevorstehende Besetzung. In einzelnen Laboratorien wurden Forschungsergebnisse verbrannt, wobei man die Zusammenarbeit mit den militärischen Stellen, die möglicherweise geheime Projekte betrafen, zu verschleiern suchte oder aber die eigenen Forschungsergebnisse den Siegern vorenthalten wollte. Auch andere Spuren der nationalsozialistischen Vergangenheit sollten ausradiert werden. Der Vizepräsident der PTR, Kurt Moeller, ordnete die Vernichtung der personenbezogenen Daten an, die Auskunft über die Parteizugehörigkeit der PTR-Mitarbeiter enthielten.

Gauleiter Sauckel gab im März persönlich dem Leiter der Abt. V. für Atomphysik in Ronneburg, Carl-Friedrich Weiss, den Auftrag, die Radiumbestände von Ronneburg nach Bayern zu transportieren und sie dort der SS zu übergeben ([3], S. 49).

Weida – Weggabelung der ost- und westdeutschen Metrologie

Peter Bussemer, Jürgen Müller

Das ostthüringische Städtchen Weida, das sich als die „Wiege des Vogtlandes“ bezeichnet, wurde durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse auch zur Wiege von zwei Nachfolgeinstitutionen der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR), die sich nach der deutschen Teilung in Ost und West herausbildeten [1]:

  • in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) das Deutsche Amt für Maß und Gewicht (DAMG), das spätere Amt für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung (ASMW),
  • in den westlichen Besatzungszonen die (spätere) Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB).

Die Entwicklung der PTR nach dem Kriegsende Anfang Mai 1945 wurde durch die unterschiedlichen Interessen der vier Besatzungsmächte bestimmt [2]. Nach anfänglicher Kooperation begann ab 1946 der Kalte Krieg, der in der Berlin- Blockade 1948/49 einen Höhepunkt fand. Die drei westlichen Besatzungszonen schlossen sich bald zu einem gemeinsamen Wirtschaftsgebiet zusammen, welches auch Westberlin einschloss.

PTR-Jubiläen in Ost und West

Klaus Möbius

Persönliche Erinnerungen des Vizepräsidenten des ASMW

Vorbemerkung

Die Bundesrepublik Deutschland verstand sich immer als Nachfolger des Deutschen Reiches mit allen seinen guten und schlechten Seiten. Die DDR lehnte jede Nachfolge ab und wollte etwas Neues schaffen. Dadurch entstanden für die PTB keinerlei Probleme bei der Vorbereitung und Durchführung der PTR-Jubiläen, während sich vor dem DDR-Nachfolger der PTR, dem DAMG, später umbenannt in ASMW, fast unüberwindliche Schwierigkeiten anhäuften. Darüber soll an dieser Stelle berichtet werden.

Die Entwicklung einer Atomuhr in der DDR Probleme und Hintergründe

Klaus Möbius

1 Die Besonderheiten der Zeiteinheit

Die Einheit der Zeit war schon immer am genauesten darstellbar. Außerdem beeinflusst sie wohl unser tägliches Leben am meisten. Das beginnt mit unserer Geburt – der genaue Zeitpunkt wird bestimmt – und endet mit unserem Tod – wiederum ist als Abschluss unseres Lebens der genaue Zeitpunkt von großer Bedeutung. Dazwischen bestimmt die Zeit unseren Lebenslauf mit täglich mehreren Messungen. Im Laufe unseres Lebens kommt da schon fast eine sechsstellige Zahl von Messungen zusammen.

Die Atomuhr der DDR kehrt zurück

Peter Bussemer

Im Beitrag von Klaus Möbius „Die Entwicklung einer Atomuhr in der DDR – Probleme und Hintergründe“ (Seite 98–103 in diesem Heft) wird die Entstehungsgeschichte dieser Atomuhr geschildert bis zu ihrer Verlagerung in das Slowakische Institut für Metrologie (SMU) in Bratislava.

Die Vorgeschichte der Atomuhr ist in einem internen Bericht von 1982 aus dem Amt für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung (ASMW) erhalten, dort ist als politische Zielstellung u. a. „die Vergrößerung des Beitrags der DDR zum Weltzeitsystem“ genannt ([1], S. 4). Für den Zeitraum danach bis zur Wende 1989/90 ist ein entsprechender Bericht nicht bekannt.

Nach der Auflösung des ASMW in Berlin- Friedrichshagen interessierte sich die Tschechoslowakei für die Atomuhr: Am 3.1.1991 wandte sich der Präsident des Metrologischen Institutes, Igor Brezina, an die PTB mit der Bitte, seinem Institut dieses „einzigartige Gerät des ASMW“ zu überlassen. So wurde 1992 einer ihrer Erbauer, Hansgeorg Ruppert (inzwischen verstorben), samt der in Kisten verpackten Uhr mit einem LKW auf die Reise in das 700 km entfernte Bratislava entsandt, um sie dort gemeinsam mit Pavol Doršic, dem Leiter des Tschechoslowakischen Zeitlabors, im metrologischen Institut wieder aufzubauen. Beiden gelang es, dass die Atomuhr zuverlässig funktionierte und als Zeitnormal dienen konnte – im ASMW war das noch nicht der Fall [2].

Der Diebstahl des „Urmeters“ aus der Osterburg

Jürgen Müller

In der Nacht vom 11. zum 12. Mai 2012 hat sich auf der Osterburg in Weida ein spektakulärer Diebstahl abgespielt. Das Urmeter mit der Nr. 18, also das preußische Urmeter, ist von unbekannten Tätern gestohlen worden. So stand es zumindest in der Zeitung.

Der Schaden war aber glücklicherweise nicht so hoch, wie von den Medien berichtet, denn gestohlen wurde nicht das Urmeter, sondern die originalgetreue Kopie des Urmeters aus Stahl, die aber kurioserweise ebenfalls die Nr. 18 trug! Ganz unschuldig sind die Kuratoren der Ausstellung an diesem Missverständnis allerdings nicht. Im Sommer 2011 besuchten wir das Institut Berlin der PTB und stöberten im PTB-Archiv nach Exponaten für die Ausstellung. Wir wurden fündig: Neben Geräten, die sich erkennbar in Weida befanden entdeckten wir auch das „Urmeter“ (siehe Bild in der rechten Spalte). Die beiden deutschen Urmeter-Prototypen mit den Nummern 18 und 7 befanden sich während der Verlagerung der PTR nach Thüringen in Weida, die Prototypen des Ur-Kilogramms wurden in Ilmenau verwahrt. Und so signalisierten wir in den Medien, dass im Rahmen der Jahresausstellung 2012 auf der Osterburg in Weida wieder das Urmeter zu sehen sein würde.

Vorträge und Symposien im Rahmen der Weidaer Ausstellung

Heike Karg, Peter Bussemer, Jürgen Müller

Vom Ur-Meter zur Atomuhr – Weida setzte Maßstäbe

Ausstellung im Museum auf der Osterburg in Weida, Thüringen Vernissage: 23. März 2012 Finissage: 2. November 2012

Die Ausstellung wurde von einer Vortragsreihe begleitet. Das Vortragsprogramm und weiterführende Informationen stehen auch auf der Website www.ptr-thueringen.de zur Verfügung.