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Internationale Technische Zusammenarbeit

PTB-Mitteilungen 4/2011

Grußwort des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zum 125. Jubiläum der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt

Dirk Niebel

Liebe Leserinnen und Leser,
wir feiern 2012 das 125-jährige Bestehen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt – PTB! Das bedeutet 125 Jahre Fortschritt und Zuverlässigkeit in der Messtechnik, die unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft dient. Die PTB verbindet wissenschaftliche Exzellenz und industrielle Praxisrelevanz und weitet dadurch kontinuierlich den Horizont der technologischen Möglichkeiten für Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung aus.
Vor gut 50 Jahren, als die Entwicklungspolitik ein noch junges Politikfeld war, hat Walter Scheel, Deutschlands erster Entwicklungsminister, die PTB in die technische Zusammenarbeit einbezogen. Für ihn war dabei Leitmotiv: „Gute Politik braucht den ständigen Austausch mit den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung.“ Ich bin sehr froh, dass wir die herausragende Kompetenz der PTB seit Beginn der deutschen Entwicklungspolitik nutzen können. Mir wird immer wieder gesagt und ich kann beobachten, wie sehr die PTB in unseren Partnerländern geschätzt wird.

125 Jahre PTR/PTB und 50 Jahre internationale Zusammenarbeit

Ernst O. Göbel

1887 wurde die Physikalisch-Technische Reichsanstalt (PTR) als weltweit erste Einrichtung ihrer Art auf wesentliche Initiative von Werner von Siemens und Werner von Helmholtz gegründet. 1950 übernahm die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) als Rechtsnachfolgerin der PTR die Aufgabe des nationalen Metrologie-Instituts für die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland. Als Fazit der Historie von PTR und PTB bleibt festzustellen, dass nur die eigene Grundlagenforschung unter Anwendung neuester Technologien uns im Laufe der Geschichte in die Lage versetzt hat, unsere weltweit anerkannte Kompetenz in der Metrologie zu sichern und auszubauen. Ein bedeutender Anteil der bisher erzielten Erfolge ist auf die Einbindung in nationale und internationale Netzwerke zurückzuführen. So sind wir national durch Kooperationen mit Universitäten, anderen Forschungseinrichtungen und der Industrie in die deutsche Forschungslandschaft integriert und nutzen diese zum gegenseitigen Vorteil. Mit der Gründung der Meterkonvention wurde bereits im Jahre 1875 auf höchster staatlicher Ebene manifestiert, dass Metrologie eine internationale Angelegenheit ist. Konsequenterweise ist die PTB prominent in die internationalen Netzwerke der Metrologie eingebunden und steht durch den internationalen Vergleich mit anderen nationalen Metrologie-Instituten daher unter ständiger kritischer Begutachtung auf höchstem metrologischen Niveau.

Editorial

Dieter Schwohnke

50 Jahre Technische Zusammenarbeit in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, die selbst auf fast 125 Jahre Geschichte zurückschaut: Das ist ein guter Zeitpunkt, um rückblickend aus den Erfahrungen zu lernen und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Die Entwicklungszusammenarbeit wird als Generationenaufgabe gesehen, denn die erforderlichen Veränderungsprozesse in den Entwicklungsund
Schwellenländern laufen langfristig ab und das Ziel „Überwindung der Armut und der katastrophalen Lebensbedingungen eines großen Teils
der Menschheit“ kann nur durch eine konstante und nachhaltig angelegte Entwicklungspolitik erreicht werden.

Technologietransfer

Jürgen Wiemann

Ohne eine leistungsfähige Qualitätsinfrastruktur kann eine arbeitsteilige Wirtschaft nicht funktionieren, und ohne Vergleichbarkeit von Maßen und Gewichten wäre internationaler Handel kaum möglich. In den Industrieländern ist über hunderte von Jahren eine höchst differenzierte institutionelle Infrastruktur für die Normung und das Mess- und Prüfwesen entstanden, deren fundamentale Bedeutung für das Funktionieren einer modernen Wirtschaft und zivilisierten Gesellschaft kaum noch wahrgenommen wird. Erst das Fehlen bzw. die Unzulänglichkeit dieser Institutionen in Entwicklungsländern lässt die Bedeutung der Qualitätsinfrastruktur richtig erkennen. Entwicklungsländer, die ihre Rolle als Rohstofflieferanten für die Industrieländer überwinden, ihre eigene industrielle Entwicklung vorantreiben und ihre Exporte in Richtung weiterverarbeitete Produkte der Industrie und der Landwirtschaft diversifizieren wollen, müssen den Aufbau der Qualitätsinfrastruktur mit den dazugehörigen gesetzlichen und institutionellen Voraussetzungen im Zeitraffer nachholen. Dabei spielen die Technische Zusammenarbeit
und der Technologietransfer eine entscheidende Rolle. Die Stärkung der Institutionen auf dem Gebiet der Normung, des Mess- und des Prüfwesens sowie der Qualitätsinfrastruktur insgesamt ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Industrialisierung und Exportorientierung der Partnerländer, aber auch für ihre Einbindung in internationale Abkommen zum Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz. Insofern ist es bemerkenswert, wie wenig Aufmerksamkeit die internationale Entwicklungsdiskussion diesem Thema bisher gewidmet hat.

Metrologie als Ausgangspunkt der Entwicklungszusammenarbeit

Dieter Kind, Eberhard Seiler

Die Anfänge
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Metrologie eine internationale Zusammenarbeit erfordert. Nur durch internationale Vergleichsmessungen können einheitliche Maße und vertrauenswürdige Messergebnisse gesichert werden. Das ist nicht nur eine Voraussetzung für wissenschaftlichen Fortschritt, sondern auch erforderlich für den weltweiten Handel, den gefahrlosen Umgang mit Technik und für fast alle Bereiche des täglichen Lebens.

Als nationales Metrologie-Institut vertritt die PTB die Bundesrepublik in europäischen und internationalen Organisationen. Ihr Fachwissen sowie ihre Mess- und Prüfmöglichkeiten sind Grundlagen technischer Regeln und internationaler Vereinbarungen [1].

Viele Staaten haben die PTB in der Vergangenheit um Unterstützung beim Aufbau ihrer messtechnischen Strukturen gebeten.

Indien

Hans Bachmair

Die Zusammenarbeit der PTB mit dem National Physical Laboratory of India (NPLI) begann mit dem Projekt Ausbau und Modernisierung des Mess- und Eichwesens, das von 1974 bis 1986 durchgeführt wurde und über einen finanziellen Rahmen von 3,8 Mio. DM verfügte. Es umfasste Gerätelieferungen, Beratung und die Ausbildung von indischen Wissenschaftlern in der PTB. Förderschwerpunkte waren Elektrizität, Länge, Kraft, Akustik, Temperatur und Optik. Das Projekt fügte sich nahtlos in die wirtschaftspolitischen Ziele der damaligen indischen Regierung ein: Förderung der industriellen Entwicklung, Verbesserung der internationalen Wettbewerbsposition und Stärkung des MNPQ-Sektors unter besonderer Berücksichtigung des industriellen und gesetzlichen Messwesens.


1985 kam ein weiteres Projekt hinzu, das sich die Förderung des gesetzlichen Messwesens zum Ziel gesetzt hatte.

Ankerländer und Qualitätsinfrastruktur

Andreas Stamm

Eine Studie des DIE1 löste Mitte des vergangenen Jahrzehnts eine rege wissenschaftliche und politische Diskussion über die Rolle und Bedeutung der so genannten Ankerländer aus. Auch wenn der Begriff sowie die zunächst ausschließlich an der wirtschaftlichen Größe orientierte Definition von verschiedener Seite kritisiert wurden, zeigte das große Echo auf die Studie, dass es zielführend war und ist, innerhalb des weiten Felds der Entwicklungsländer zu differenzieren, um systematischere Überlegungen anzustellen, wie die Kooperation mit unterschiedlichen Gruppen von Ländern sinnvoll gestaltet werden kann. Mit den Ankerländern wurden diejenigen Entwicklungsländer bezeichnet, die aufgrund ihrer schieren Größe eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung in ihrer Weltregion einnehmen. Mit Ausnahme von Rohstoffökonomien, wie Nigeria oder Saudi Arabien, verfügen sie über diversifizierte Volkswirtschaften und sind intensiv in den regionalen und den globalen Handel eingebunden. Zunehmende Handelsintegration steigert die Ansprüche an die nationale Qualitätsinfrastruktur, weil die lokalen Produzenten in der Lage sein müssen nachzuweisen, dass ihre Erzeugnisse den jeweils gültigen Standards entsprechen. Das allmähliche Aufwachsen von anspruchsvollen Mittelschichten verstärkt diesen Trend, indem auch auf den Binnenmärkten die Rolle von Qualitätsstandards wächst.

Was bitte machen Zebras in der PTB?

Martin Kaiser

Ende der 80er Jahre bescheinigte der Hauptauftraggeber Entwicklungszusammenarbeit der PTB, das BMZ, derselben in einer Querschnittsanalyse eine hervorragende fachliche Arbeit, gleichzeitig jedoch auch eine deutlich verbesserungsfähige entwicklungspolitische Ausrichtung. Dies führte zu einem Paradigmenwechsel: Langzeitexperten, in der Regel über mehrere Jahre entsandtes PTB-Fachpersonal, wurden durch Kurzzeitexperten substituiert, Fachfremde (also ausgewiesene Nicht-Metrologen) als Experten verpflichtet und Projektkoordinatoren mit unterschiedlichem wissenschaftlichen Hintergrund eingestellt. Dies alles ist heute selbstverständlich, der Weg dahin war es jedoch nicht.

Vor nunmehr 20 Jahren stellte ich mich in der PTB als „Entwicklungsökonom, der als Zebra fungieren soll“ vor. Dabei dachte so mancher PTBist spontan an eine alternative Nutzung der weiten Grünflächen des PTB-Geländes.

Bilaterale Projekte

Paul Date

In den bilateralen Vorhaben der PTB werden ganz gezielt QI-Institutionen in den Partnerländern gefördert. Der Kurzbericht von Paul Date, Leiter der wissenschaftlichen Metrologie des Ghana Standard Boards, aus dem Projekt „Quality assurance of agricultural products through metrological and testing services in Ghana“ beschreibt einige typische Maßnahmen im Rahmen von bilateralen Projekten.

TWINNING – Mehr als die Zusammenarbeit von Verwaltungen

Martin Kaiser

Die Anfänge der Entwicklungszusammenarbeit waren noch von dem Gedanken geprägt, dass man in den zu entwickelnden Ländern einfach alles spiegelbildlich aufbaut, was in den industrialisierten Ländern bereits vorhanden ist. Dieser institutionelle und wirtschaftliche Rahmen induziere dann automatisch Industrialisierung und Wohlstand für alle. „Blaupause“ (für jüngere Leser: Durchschlagpapier zur Herstellung von Kopien!) war die Bezeichnung für eine solche Vorgehensweise. Auch die internationale technische Zusammenarbeit der PTB musste lernen, dass Entwicklung von weitaus mehr Faktoren abhängig ist als die alleinige Bereitstellung von Laborkapazitäten, Messgeräten und ausgebildetem Personal. Der Erfolg, d. h. der messbare Nutzen und die nachhaltigen Wirkungen von Entwicklungsprojekten, basiert auf einem komplexen Netzwerk, welches einerseits vor- und nachgelagerte Bereiche und andererseits Nutzung, Nutzen und entwicklungspolitische Wirkungen von Innovationen umfasst. Die eineiigen Zwillinge (twins) der Vergangenheit mögen zwar eine hohe, intuitive und emotionale Übereinstimmung zwischen PTB und Partnerinstitutionen hervorgebracht haben, die entwicklungspolitischen Wirkungen blieben jedoch hinter den (heutigen) Erwartungen zurück.

Twinning steht heute für eine Initiative der Europäischen Kommission zum Auf- und Ausbau öffentlicher Strukturen („Institution Building“) in Ländern, die Beitrittskandidaten sind, der Europäischen Union.

Internationale Zusammenarbeit analog – Ein Interview

Jeden Tag erreichen mehrere hundert E-Mails die Mitarbeiter der Technischen Zusammenarbeit. Heute ist es kaum vorstellbar, ohne E-Mail und
Internet zu arbeiten.

Rita Walter war viele Jahre Sekretärin im Fachbereich Technische Zusammenarbeit und berichtet im Gespräch mit Sabine Thomas aus ihrem Berufsalltag ohne Computer Mitte der achtziger Jahre.

Twinning with Malta

Joseph A. Bartolo

In the year 2000 Malta as an applicant country to the European Union faced the challenges of necessary institutional changes and restructuring. EU law includes requirements for a legal metrology system. Legal metrology had been institutionalized in Malta centuries ago during the British period, however, to fulfil the EU legislation we had to restart from a zero standpoint. Besides, new manufacturing industries were growing in various sectors. The improvement of the quality of products and services entailed control and measurement, but services were absent at a local level at that time.

Handel

Jürgen Wiemann

Diversifizierung der Exporte und Integration in die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung sind wirksame Motoren wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung. Mehr als jede Theorie beweist Chinas „Großer Sprung nach vorn“ seit den wirtschaftlichen Reformen und der Handelsliberalisierung ab 1978, wie schnell aus einem Entwicklungsland durch Öffnung zur Weltwirtschaft ein Schwellenland werden kann, das die alten Industrieländer in manchen Bereichen bald überholen dürfte. Viele Faktoren müssen für einen derartigen wirtschaftlichen Aufholprozess zusammenwirken. Einer davon ist eine differenzierte und funktionierende Qualitätsinfrastruktur. Die Technische Zusammenarbeit
der PTB mit Schwellenländern beim Aufbau ihrer Qualitätsinfrastruktur hat einen nicht zu unterschätzenden Anteil am wirtschaftlichen Erfolg dieser Länder. Die weniger entwickelten Länder hingegen, in denen diese Basisinfrastruktur fehlt oder unterentwickelt ist, sind für die Aufgaben einer modernen Wirtschaft innerhalb einer arbeitsteiligen Weltwirtschaft schlecht vorbereitet und drohen immer weiter marginalisiert zu werden.

Handelspolitik und Handelsförderung in der Entwicklungszusammenarbeit – ein kritischer Rück- und Ausblick

Regine Qualmann

1. Veränderte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen
2. Entwicklungspolitische Bedeutung des Handels
3. Unvollendete Doha-Runde und Aid for Trade Initiative der WTO
4. Handelsbezogene Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands
5. Schlussfolgerungen und Ausblick

Capacity Building and Entrepreneurship Made in Latin America

Leopoldo Colombo

Latin America is a geographical area experiencing significant changes in the last years. Various countries of the region are managing to keep medium and high stable economic growth, including control of the inflation and strong tendency to become integrated into the international trade. In this context Quara was founded in 2005 to provide consulting and conformity assessment services. We started with offices in Argentina and expanded towards the Central American region by setting up offices in the Republic of Honduras to address the needs of this region.

Calidena – Qualitätsverbesserung und Wertschöpfungsketten

Ulrich Harmes-Liedtke, Helmuth Bublatzky, Beatriz Paniagua Valverde

Ausgangssituation
Die Leistungsfähigkeit der Qualitätsinfrastruktur (QI) muss sich an ihrem Nutzen für die lokalen Unternehmen und Verbraucher messen lassen. Die Herausforderung der Förderung des Ausbaus eines QI-Systems in Entwicklungsländern besteht darin, gerade den Bedürfnissen des wenig formalisierten Sektors der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu entsprechen. Die Qualitätssysteme von großen, exportorientierten Untenehmen stellen oftmals Insellösungen dar, welche zwar den Marktzugang im Einzelfall eröffnen, jedoch die Beteiligung von weiten Teilen marginaler Volkswirtschaften von der Qualitätsentwicklung unberücksichtigt lassen. Der Auf- und Ausbau von Qualitätsdienstleistungen  erfordert deshalb kollektive Formen der Ansprache und Entsprechung gerade der Bedürfnisse der KMU.

Organic Certification Strengthens Armenia´s Compliance with Quality Criteria of Foreign Markets

Nune Darbinyan

Nowadays, the national policy is moving towards reformation of the quality infrastructure in Armenia and targets integration in the global markets. The WTO membership of Armenia obligates the country as well to invest in internationally harmonized systems. The national legislation, accreditation arrangements, certification and testing schemes were studied with the donor support within the framework of international cooperation: the German PTB, the EU advisory group and others. Development of professional skills and capacities for all components of quality infrastructure was considered one of the overall requirements for reform processes. In 2009, it was significant for ECOGLOBE to cooperate with PTB and World Bank in a study that focused on the identification of existing capacities and needs, strengths and weaknesses.

Gute Lebensmittel – weltweit

Jochen Neuendorff

Lebensmittelsicherheits- und Nachhaltigkeitsstandards gewinnen immer mehr an Bedeutung. Welchen Beitrag leistet eine funktionsfähige, effektive Qualitätsinfrastruktur für einen wirksamen Verbraucherschutz?

Blended Learning in der interinstitutionellen Kommunikation

Siglinde Kaiser

Gerade in Bezug auf den noch andauernden Prozess der Verhandlungen der Handelsabkommen zwischen der EU und den AKP-Staaten (EPAs) sehen sich die Entwicklungsländer vor die Herausforderung gestellt, auch im Bereich der technischen Handelshemmnisse symmetrische und verträgliche Regelungen durchzusetzen. Für eine aktive Gestaltung der Verhandlungen in diesem Sinne ist es unerlässlich, dass die Verhandlungsteilnehmer das vernetzte Wirken von Normung, Marktzugang, Konformitätsbewertung, Regulierung und Deregulierung verstehen.

Die drei vom DIN für QuISP erarbeiteten Module behandeln die grundlegenden Mechanismen und Voraussetzungen für eine funktionierende Normung als Teil der Qualitätsinfrastruktur. Entscheidend ist nicht nur das sinnvolle und richtige Anwenden von Normen, sondern auch der Prozess der Erarbeitung von Normen basierend auf den Grundsätzen von Transparenz und Öffentlichkeit. Denn Produzenten, Verbände und Verbraucher werden Normen und die darin enthaltenen Vorgaben vor allem dann akzeptieren und anwenden, wenn sie eine Mitsprachemöglichkeit haben und am Erstellungsprozess beteiligt waren.

Die Wirtschaftspartnerschafts-Abkommen zwischen AKP-Staaten und der EU – Entwicklung durch Abbau technischer Handelshemmnisse

Birgit Hoffmann, Alexis Valqui

Seit dem Ende des letzten Lomé Abkommens Ende der 1990er Jahre wurde darum gerungen, wie ein Handelsregime zwischen den AKP-Staaten (= afrikanisch, karibisch, pazifischen Staaten) und der Europäischen Union ausgestaltet sein müsste, um wirklich zu nachhaltiger Entwicklung in diesen Ländern beizutragen.

Die Lösung lag in der Aushandlung von Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreements, EPA). Die EPAs sind ihrem Wesen nach Freihandelsabkommen nach Artikel XXIV, GATT1. In Abkehr von den bisherigen, einseitigen Präferenzen der EU gegenüber den AKP-Staaten sehen sie gegenseitige Marktöffnung vor. Dennoch handelt es sich bei den EPAs nicht um Freihandelsabkommen im klassischen Sinn, sondern um Instrumente mit denen zu nachhaltiger Entwicklung und zur Bekämpfung der Armut beigetragen werden soll.

Klima, Umwelt, Energie

Jürgen Wiemann

Nur die ärgsten Umweltschäden lassen sich mit bloßem Auge oder mit untrainierter Nase wahrnehmen. Alle anderen, mit menschlichen  Sinnesorganen weniger wahrnehmbaren Umweltbelastungen können nur durch mehr oder weniger aufwendige technische Messgeräte und chemische Analysen festgestellt werden. Radioaktivität etwa ist überhaupt nicht spürbar, sondern unter anderem mit dem Geigerzähler messbar. Prognosen zukünftiger Umweltrisiken wie des Klimawandels basieren auf naturwissenschaftlichen Modellen, die mit den Daten des globalen Netzes von Messstationen zu Sammlung von Wetterdaten und Daten über Meerestemperaturen und -strömungen gespeist werden. Aus den Klimamodellen werden dann Grenzwerte für die noch zulässigen Emissionen von Treibhausgasen abgeleitet, deren Einhaltung  wiederum hochentwickelte Messverfahren und -technik voraussetzt. Die Glaubwürdigkeit naturwissenschaftlicher Empfehlungen für das Handeln der Regierungen, Unternehmen und jedes einzelnen Bürgers zur Abwehr zukünftiger Gefahren und Katastrophen hängt nicht zuletzt von der Präzision der Messungen ab.

Nachhaltige Entwicklung und Umweltmanagement

Edith Kürzinger, Thomas Votsmeier

Der internationale Rahmen: Nachhaltige Entwicklung
Spätestens seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio 1992 ist weitgehend anerkannt, dass Umweltprobleme sich zunehmend global auswirken und sich ohne entschiedene Gegenmaßnahmen auch in den kommenden Jahrzehnten noch erheblich verschärfen werden. Deshalb wurden durch die Beschlüsse von UNCED und die in den letzten 20 Jahren vorangetriebenen Umweltkonventionen alle relevanten Akteure dazu aufgerufen, nach dem Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung einen Beitrag zu deren Bekämpfung zu leisten und Entwicklungsstrategien, Politiken und Maßnahmen auf das Ziel einer ökologisch, ökonomisch und sozial  nachhaltigen Entwicklung auszurichten.

Die Technische Zusammenarbeit der PTB im Trinkwassersektor in Peru

Jose Dajes

Die herausragende Bedeutung einer Trinkwasserversorgung für die Bevölkerung ist bekannt – mehr noch, wenn man bedenkt, dass es sich dabei um eine knappe Ressource handelt, die direkt mit einer Verbesserung der Lebensqualität und einer Verringerung der Armut zusammenhängt und deren Erschließung zur Anbindung jedes einzelnen Haushalts außerdem erhebliche Investitionen erfordert. Obwohl die Trinkwasserversorgung zu den vorrangigen Aufgaben vieler Regierungen gehört, weiß man oft nicht, wo man damit beginnen soll, sie auf effiziente Weise sicher zu stellen. Es handelt sich nicht nur darum, Trinkwasser anzubieten, sondern der Bevölkerung auch zu garantieren, dass das Wasser eine angemessene Qualität hat und dass diese über vertrauenswürdige Messungen gewährleistet ist – und zwar sowohl was die Menge (Volumen) als auch die Qualität (Erfüllung festgelegter Parameter) betrifft.

The APMP-PTB Guide to Creating or Improving a National Infrastructure for Chemical Measurement

Laurie Besley

The national metrology institutes of the world have been traditionally based around physical measurement activities. Only in relatively recent times have they been asked to address the issues associated with providing a similar national metrological infrastructure for chemical measurement. In recent years the Asia-Pacific Metrology Programme (APMP), one of the world’s regional metrology organisations, has been continually asked for advice on how to establish such an infrastructure for chemistry as its economies became increasingly aware that some of their key priority areas such as food safety, secondary industry and agriculture were highly dependent upon reliable and demonstrably accurate chemical measurements.

Metrology in Chemistry – Essential for Developing Countries

Robert Kaarls

Having the opportunity to oversee what is going on globally with respect to the need and development of metrology in chemistry, and being able to visit several countries and to study the situation in many countries, it is clear that reliable, internationally recognized chemical  measurement results are essential. And this not only in industrialized countries, but certainly also in developing economies. In most of the developing countries the economy is highly depending on the export of food, marine and agricultural products, as well as raw materials (metals, etc.) and energy (natural gas, oil, coal).

Dreieck auf Portugiesisch – Trilaterales Projekt Mosambik • Brasilien • Deutschland

Günter Wipplinger

In einem trilateralen Projekt wird auf den dringenden Bedarf für eine nationale Qualitätsinfrastruktur (QI) in Mosambik reagiert. In der Projektumsetzung berät das metrologische Staatsinstitut Brasiliens, Inmetro – ein langjähriger Partner der PTB – das INNOQ Mosambiks und bildet mosambikanische Metrologen aus. Projektziel ist die Verbesserung der Dienstleistungskapazitäten von INNOQ zur Unterstützung der sozio-ökonomischen Entwicklung Mosambiks. GIZ und PTB unterstützen in der Projektplanung und Durchführung und stellen sicher, dass die erreichten Wirkungen nachhaltig sind. Dieses Instrument der internationalen technischen Zusammenarbeit – eine Kooperation zwischen traditionellem Geber, Schwellenland und Entwicklungsland – wird Dreieckskooperation genannt. Die Unterstützung von Mosambik durch Brasilien wird dabei vor allem durch die gemeinsame Sprache Portugiesisch begünstigt.

Triangular Cooperation for Metrology in Natural Gas – An OAS Perspective

Oscar Harasic

The Organization of American States (OAS) is committed to boost triangular cooperation, but it also recognizes that the Latin American and the Caribbean (LAC) region is still in its initial stages, since only a few countries have leveraged cooperation by partnering in concrete international programs1. In this respect, the triangular Cooperation for Metrology in Natural Gas, within the OAS-PTB cooperation framework, stands out as a triangular project model for the region due to several reasons. First, the project was crafted to fit the different partners’ interests, a key factor for the development of a successful cooperation project.

Desertec – eine tunesische Sicht

Fekria Romdhani, Lea Zeppenfeld

Fekria Romdhani ist Industrieingenieurin mit Spezialisierung auf Metrologie. Momentan ist sie stellvertretende Abteilungsleiterin für Qualität und Normung im tunesischen Industrieministerium. Sie arbeitet auch als Kurzzeitexpertin für die PTB. Hier beantwortet sie die Fragen von Lea Zeppenfeld, Projektkoordinatorin, zu der Initiative Desertec:

Good Governance

Jürgen Wiemann

Eine moderne Qualitätsinfrastruktur ist ohne gute Regierungsführung (Good Governance) nicht denkbar, aber sie kann selbst wiederum zur Stärkung der Qualität der Regierungsführung beitragen. In einem Land mit intransparenter und autokratischer politischer Willensbildung, in dem auf allen Ebenen der staatlichen Verwaltung Willkür und Korruption herrschen, können keine unbestechlichen Eichämter und Prüfinstitute gedeihen. Dann können weder die Bürger und Unternehmen des Landes, noch deren internationale Geschäftspartner den Handlungen und  Entscheidungen der nationalen Institutionen vertrauen.

Qualitätsinfrastruktur – ein Beitrag zu Good Governance

Ulrike Grote

Qualitätsinfrastruktur und gute Regierungsführung
Zu einer guten Regierungsführung gehört es, dass der Staat seine Bürger schützt und gehandelte Waren und Dienstleistungen diesen Schutzbedingungen und Werten entsprechen. Gesetze und technische Vorschriften (wie z. B. das Eichgesetz oder Vorschriften des Arbeits- und Umweltschutzes) dienen Verbrauchern und Produzenten, also allen Bürgern eines Staates gleichermaßen. Gesetzliche  Rahmenbedingungen und die damit verbundenen Unterstützungs- und Überwachungseinrichtungen machen staatliches Handeln transparent und berechenbar.
Zusätzlich müssen Konformitätsbewertung und Marktüberwachung so ausgestaltet sein, dass Korruption verhindert wird.
Die internationale technische Zusammenarbeit der PTB berät in vielen ihrer Projekte und Programme die Partnerregierung bei der Ausgestaltung dieser Systeme. Selbst den Akteuren ist häufig nicht bewusst, dass ihre fachliche Beratung nicht nur im Lichte der Milleniumserklärung als ein Beitrag zu einer guten Regierungsführung gewertet wird.

AFRIMETS

Katrin Wunderlich

AFRIMETS (Intra-Africa Metrology System) wurde 2007 als jüngste regionale Metrologieorganisation (RMO) für gesetzliches und industrielles/wissenschaftliches Messwesen gegründet. 2008 wurde AFRIMETS als afrikanische RMO vom BIPM anerkannt und bei OIML registriert. Damit hat Afrika Anschluss an die internationale Welt der Metrologie gefunden.

Impact Studies – QI Impact of the Quality Infrastructure in Latin America: Institutions, Practices and Challenges for Public Policies

Karl-Christian Göthner, Jan Peuckert, Sebastián Rovira

In the last years, the term of “Quality Infrastructure (QI)” has evolved which comprehends the institutions and services designed to assure the conformity and the security of products and production processes in a more and more globalized and interdependent world.

APMP Developing Economies’ Committee

Angela Samuel

The Asia-Pacific Metrology Programme (APMP) began in 1977 as a Commonwealth Science Council (CSC) initiative with the primary objective of assisting national measurement laboratories in Commonwealth Asia Pacific nations to develop their capabilities and international recognition of these capabilities. The early years of APMP involved a significant focus on expert consultancy visits and workshops aimed at providing guidance to developing economies in setting up their national measurement infrastructures and training their staff. Support in the early years came largely from the CSC, the United Nations ESCAP program as well as the predecessors of the Australian Agency for International Development (AusAID) and through the resources of member institutes and governments where possible.

Etalons, Standards, Control and Inspection – Specifics of QI Development in Central Asia

Jonathon Hornbrook

Since 2008, the regional PTB project “Support to the development of Quality Infrastructures in Central Asia with special reference to metrology and accreditation” is active in the independent republics of Kazakhstan, Kyrgyzstan, Uzbekistan and Tajikistan. The political and economic background of the former Soviet Union is still perceptible in these countries today, even after 20 years of independence. In development cooperation, these republics are referred to as transformation countries. But for how long can a transition phase last and what should be the objective?

NMI – Metrology User Relations

Salvador Echeverría-Villagómez, Taynah Lopes de Souza, Clemens Sanetra

National Metrology Institutes (NMIs) are keystones of the quality infrastructure of their countries and economies. They establish and maintain national measurement standards, develop metrological knowledge, provide traceability and other types of services. Their main role is to deliver the full benefits of metrology to industry, government and society. The channels and ways in which relations develop among NMIs and metrology users are the key for the effectiveness of their interaction. In reality, especially smaller NMIs are still in the process to  establish relations to their user community through identification and development of adequate user-oriented services.

Technologieangebot

Sensor zur Messung der richtungsabhängigen Wärmeleitfähigkeit

Verringerung der Zündgefahr explosionsgeschützter Leuchten

Rotationsstitching für große Flächen

Rundholzvermessung in Harvestern

Mobiles Koordinatenmessgerät für größte Bauteile

mm-Geometrienormal