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maßstäbe Heft 2: Größen des Sports

Impressum

Herausgeber
Physikalisch-Technische Bundesanstalt
Braunschweig und Berlin

Redaktion
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, PTB
Postfach 3345, 38023 Braunschweig
Telefon: (05 31) 592-30 06
E-Mail: presse(at)ptb.de

Redakteure: Jens Simon (verantwortlich), Erika Schow

freie Autoren: Almut Bruschke-Reimer, Birgit Ehlbeck, Frank Frick, Nicole Geffert, Andrea Hoferichter, Rudolf Ites, Ute Kehse, Jan Oliver Löfken, Doris Marszk, Dörte Saße

Layout: Jörn-Uwe Barz

Grafik: Björn Helge Wysfeld

Bilder ohne Quellenangabe: Bildstelle der PTB

Druck
Fischer Druck, Peine

Alle Rechte vorbehalten. Bei Nachdruck bitte Quellen- und Autorenangabe sowie Information an die Redaktion.

Braunschweig, Juni 2002

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

nein, die PTB hat nicht die Prime Time Baskets, eine Basketballmannschaft aus dribbelstarken 2-Meter-Physikern, aufgestellt. Sie hat auch keinen Beratervertrag mit den technischen  

Entwicklungsabteilungen der Formel 1 ausgehandelt. Und sie ist auch nicht in das Schiedsrichterkomitee der nächsten Olympischen Spiele berufen. Und dennoch widmet sie diese Ausgabe der maßstäbe den "Größen des Sports".

Was zunächst vielleicht abwegig und unvereinbar klingt, Sport auf der einen Seite und Metrologie, die Kunst des Messens, auf der anderen Seite, das ist auf den zweiten Blick eine ganz innige Beziehung. Denn der Sport, zumindest in seiner Form als Hochleistungs- und Profisport, lebt davon, dass vor ihm, in ihm und nach ihm gemessen wird, was nur irgend zu messen ist. Da ist der Wettkampf selbst, etwa in der Leichtathletik, in dem kleinste Zeit- und Weitenunterschiede über Medaillen und Platzierungen entscheiden. Da ist das Sportgerät, das nicht nur im Falle des Motorsports, sondern vielmehr vom Schwimmanzug über den Fußball bis hin zum Weitsprung-Ski ein Hightech-Produkt ist. Und da ist der Sportler selbst, dessen körperliche Fitness ständig kontrolliert, dessen Körper auf unerlaubte Dopingmittel getestet wird. Hat man diesen Gedanken des Messens im Sport erst einmal gefasst, fallen einem immer mehr Beispiele ein, aus denen klar wird: Die Leistungsspitze des Sports ist überhaupt nur vorhanden und auflösbar, weil eine entsprechende Messtechnik dahinter steht.

Die "Größen des Sports" sind mithin ein ideales maßstäbe-Thema. Denn ein Ziel der Redaktion ist es, nicht nur von feinsinnigsten Forschungsergebnissen der Metrologie zu berichten, sondern diese Forschung auch im Spiegel des Alltags und der Anwendungen zu betrachten. In dieser Ausgabe also: die Spiegel des Sports mit einer Auswahl der unterschiedlichsten Sportarten zu Wasser, zu Lande und in der Luft.

Ein Ergebnis dieser maßstäbe-Ausgabe könnte sein, dass Sie sich als Zuschauer beim nächsten Tennismatch zu erinnern versuchen, wie denn noch einmal die Geschwindigkeit des Balles gemessen wird - falls Sie sich dann nicht mehr erinnern können, schlagen Sie doch in diesem Heft nach oder fragen Sie uns. Bei diesem ersten Ergebnis wären Sie am Zuge - wenn Sie wollen, schreiben Sie es uns. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften! Ein anderes Ergebnis dieser maßstäbe-Ausgabe könnte sein, dass sich die Prime Time Baskets tatsächlich zusammen finden. In diesem Fall sind wir mit Schreiben dran: Über die aktuellen Korberfolge werden wir Sie auf dem Laufenden halten.

Bis dahin grüßt Sie herzlich im Namen der gesamten Redaktion und wünscht Ihnen einen "sportlichen Lesespaß"

Ihr Jens Simon

Hightech-Becken und Haifischhaut

Foto: zefa, Norbert Wu, digital verfremdet
Foto: zefa, Norbert Wu, digital verfremdet

Autor: Jan Oliver Löfken

 "Sydney hat das schnellste Wasser der Welt" - in vollkommener Einigkeit schwärmten Schwimmer und Sportreporter über die Wettkampfbedingungen im Aquatic Centre bei den letzten Olympischen Sommerspielen. Hinter den 14 Weltrekorden, die während der zwei Wochen in der australischen Wunderwanne aufgestellt wurden, steckt viel High-Tech und Messtechnik.

Wie kann - bei streng eingehaltenen internationalen Standards - ein Schwimmbad "schnell" und ein anderes "langsam" sein? - Indem man das Strömungsverhalten des Wassers beeinflusst. Je gleichförmiger das Nass am Schwimmer vorbeirauscht, desto weniger Widerstand setzt es dem Athleten entgegen und er gewinnt wertvolle Zehntelsekunden. Beim Bau des Aquatic Centre von Sydney haben die Konstrukteure peinlich genau darauf geachtet, dass abbremsende Turbulenzen im Wasser möglichst vermieden werden. Speziell geformte Trennschnüre zwischen den acht Wettkampfbahnen "verschlucken" die vom benachbarten Schwimmer erzeugten Wellen.

In Sydney hatten Badeanzüge aus "Haifischhaut" ihren ersten großen Auftritt. Galten bisher rasierte Beine und Glatzenschnitt als Garanten für einen turbulenzfreien Sieg, zeigte sich nun, dass mikrostrukturierte Gummistoffe das Wasser geordneter vorbeigleiten lassen als möglichst glatte Oberflächen...

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Bis das Blut gefriert

Der Chef der Tauch-CrewFoto: www.cr-photo.de
Der Chef der Tauch-Crew
Foto: www.cr-photo.de

Autor: Rudolf Ites

Atemlose Tauchtour unter Eis

Von einem "Highlight" in Tirols Bergen mit artenreicher Flachwasserzone und einem großem Steinkrebsbestand schwärmt der Prospekt des Tauchercamps. Doch die Wissenschaftler, die im Februar an den österreichischen Plansee kamen, interessierten sich nicht für die Krebse und wollten auch nicht die Unterwasserwelt genießen. Sie wollten Blut. Blut von ganz besonderen Tauchern.

Einen umständlicheren Aderlass hat es wohl noch nie gegeben: Es ist Februar. Zwei Taucher, Kerstin und Benjamin, plantschen in einem rechteckigen, quadratmetergroßen Wasserloch in der Eisdecke. Über ihnen spannt sich eine pyramidenförmige Konstruktion: ein Tauchschlitten, der sie gleich in die Tiefe ziehen wird. Um das Eisloch herum drängen sich viele Helfer, Zuschauer, Kameraleute. Es herrscht Tauwetter, die nur 25 Zentimeter dicke spiegelglatte Fläche ächzt und knarrt unter der Menschenlast.

Plötzlich kommt Bewegung in die Menge. Alle treten beiseite, machen Platz für einen Arzt, der am Eisrand niederkniet und beiden Tauchern Blut abnimmt. Dann geht es los: Benjamin und Kerstin ergreifen die Griffe des Tauchschlittens, atmen konzentriert ein und aus. Benjamin entriegelt den Schlitten: Mit dem Kopf voran stoßen beide ins dunkle, nur 4 Grad Celsius "warme" Wasser hinab. Ein Gewicht an einer Führungsleine zieht sie in die Tiefe. Eine Weile geschieht nichts, das schäumende Wasser beruhigt sich wieder. Dann schießt ein luftgefüllter Kunststoffsack aus dem Wasser, gefolgt von Kerstin und Benjamin. Während beide noch nach Luft ringen, wird ihnen wiederum Blut abgezapft. Helfer bringen die Ampullen ans nahe Seeufer.

Eine merkwürdige Szene, die sich noch mehrfach wiederholte, an diesem Februartag auf dem Plansee. Das Spitzenereignis blieb allen Zuschauern jedoch verborgen: Nur ein Arzt, einige Begleittaucher und ein Unterwasserkameramann waren dabei, als Benjamin in 30 Metern Tiefe ebenfalls Blut abgenommen wurde. Benjamin und Kerstin sind Apnoetaucher. Sportler, die ohne Druckluft weite Strecken unter Wasser zurücklegen oder in enorme Tiefen herabtauchen können – mit einer einzigen Lungenfüllung. Die beiden "Blutspender" vom Plansee zählen sogar zu den besten ihrer Zunft...

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Prinzip Pinguin

Testfahrt: Unterwassertretboot „Börti II“ wird im Heidbergbad Braunschweig zu Wasser gelassen.Foto: privat
Testfahrt: Unterwassertretboot „Börti II“ wird im Heidbergbad Braunschweig zu Wasser gelassen.
Foto: privat

Autorin: Erika Schow

Aus dem (fiktiven) Tagebuch des Strömungstechnik-Studenten Bertram Seydell, der eines Tages eine (keineswegs fiktive) Idee hatte:

19. Dezember: Ein Unterwassertretboot - das ist mein Thema. Mit was für Kisten die in Florida zur letzten WM angetreten sind. Da bau ich locker ein schnelleres Boot.
15. Februar: Ersten Vergleichskörper auf der selbstkonstruierten Widerstandswaage im Windkanal gemessen: cW = 0,030. Genau Pinguin-Wert.
18. März: Freunde kommen nicht mehr zu Besuch oder drehen schon im Hausflur um - ist wohl nicht die richtige Jahreszeit, in der eigenen Wohnung ein U-Boot zu bauen.
14. Juni: Endlich im Atlantik ein paar Runden gedreht: Ganz schön starke Strömung und auch keine gute Sicht, aber angenehm warm. Nur die "Tommies" aus Southhampton brauchen Neoprenanzüge und werden auch noch seekrank - keine wirklichen Gegner.
18 Juni: 400-m-Rundkursrennen gegen "Killer Instinct" - die sind erstmal auf Grund gelaufen - wir fahren locker das Rennen zu Ende. Da alle Rennen live im Fernsehen übertragen werden, haben wir abends keine Probleme, gute Plätze im Restaurant zu bekommen: Man kennt uns!..

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Der süße Punkt

Autor: Frank Frick

Moderne Messverfahren können helfen, die existenzielle Frage des Tennissports "Aus oder Nichtaus" zu beantworten. Außerdem liefern sie Erkenntnisse, dank derer Spieler gezielter trainieren und Sportfirmen bessere Schläger bauen.

In Wimbledon, dem Mekka des Tennissports, piept es. Mit einem durchdringenden Laut meldet das "magische Auge", dass ein Aufschlag zu lang geraten ist. Denn der Ball hat ein Bündel von Infrarot-Strahlen passiert, das einen Zentimeter über dem Boden direkt hinter der Aufschlaglinie den Platz quert. Das System "Cyclops" - so der offizielle Name - funktioniert somit nach dem Prinzip einer Lichtschranke. Während sein erster Einsatz 1980 noch erregte Debatten auslöste, bezweifelt heute niemand mehr ernsthaft, dass es korrekt arbeitet. Das magische Auge hat allerdings blinde Flecken: Geht der Ball sehr weit fehl, passiert er die Infrarot-Strahlen nicht und das Piepsen bleibt aus. Aus Sicht mancher Spieler hat das System vor allem den Nachteil fehlender Beeinflussbarkeit: "Ich würde Linienrichter bevorzugen, weil ich mit Cyclops nicht sprechen kann", sagte Boris Becker einmal...

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Innenleben: streng geheim!

Foto: Ferrari
Foto: Ferrari

Autor: Jan Oliver Löfken

Kaum ein Geheimnis wird im Sport strenger gehütet als die Technik in einem Formel-1-Wagen. Die inneren Werte der rund 800 PS (ca. 588 kW) starken Rennwagen bleiben den Fans und vor allem den konkurrierenden Rennteams verborgen. Denn die Neugier der Rivalen geht so weit, dass sie die PS-Zahl der anderen Wagen über die Umdrehungszahlen aus den Auspuffgeräuschen abzuschätzen versuchen.

Um dem eigenen Team exakte Auskünfte zu liefern, stecken in jedem Wagen mehr als 100 Sensoren. Die Sensor-Chips sind oft kaum so groß wie ein Fingernagel. Auf dieser Fläche sind mikroelektronische Schaltungen mit filigranen Messanordnungen kombiniert, die auf der Basis von Halbleitern oder empfindlich reagierenden Materialien zum Beispiel Durchflussmengen und Viskositäten von Flüssigkeiten ermitteln...

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Boxenstopp

Foto: dpa
Foto: dpa

Autor: Birgit Ehlbeck

Tu mir ma noch ein Bierchen - das passt schon noch ... sag ich immer. Für eins find' sich immer ein Plätzchen. Heut ist erstmal wieder Formel Eins im Fernsehn. Da kommen die Jungs, die trinken was mit. Sacht meine Freundin - Name tut ja nix zur Sache - du könntest auch mal wieder an Boxenstopp. Wieso?, frag ich - erstma keine Ahnung gehabt, was se meint. Aber hätt ich auch echt selbst drauf kommen können. ... Guck mal an dir runter, sacht se, siehst du dein Fahrwerk überhaupt noch? Klar, und außerdem weiß ich doch wohl, wo meine Treter sind und wie die aussehen. Reicht doch. Auswechseln nich nötig!..

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Im Banne der Sekunden

Foto: Swiss Timing
Foto: Swiss Timing

Autor: Ute Kehse

Der Hundert-Meter-Lauf ist eine der spannendsten Disziplinen der Leichtathletik: Nach nur zehn Sekunden fällt die Entscheidung über Sieg oder Niederlage, Triumph oder Enttäuschung. Keine Frage, dass die Laufzeiten besonders präzise gemessen werden müssen - zumal es vor Einführung der elektronischen Zeitmessung Kampfrichter gab, die ihren eigenen Messungen nicht trauten.

Armin Hary war Ende der fünfziger Jahre der schnellste Mann der Welt - so schnell, dass es nicht einmal die Kampfrichter glauben konnten. Dreimal musste er den Weltrekord laufen, bis er endlich offiziell anerkannt wurde. Am 6. September 1958 schaffte es Hary zum ersten Mal: Bei einem kleinen Sportfest in Friedrichshafen legte er die hundert Meter in 10,0 Sekunden zurück: 9,9 - 9,9 und 10,0 verkündeten die Stoppuhren der Kampfrichter. Bei dieser Konstellation hätten sie eigentlich 9,9 Sekunden als Laufzeit bekannt geben müssen, doch das wagten sie nicht. Genauso wenig trauten sich die Veranstalter, den Weltrekord an den Internationalen Leichtathletik-Verband zu melden - offiziell mit der Begründung, die Bahn habe statt der erlaubten zehn eine Neigung von elf Zentimetern über die hundert Meter. Bei einem späteren Lauf passierte etwas Ähnliches. Doch diesmal tobte und zeterte Hary und setzte schließlich durch, dass der Lauf wiederholt wurde. Wieder lief er schnell wie der Wind und diesmal konnte keiner etwas dagegen sagen: Mit einem Stand von 10,0 - 10,0 - 10,1 und 10,0 gab das Kampfgericht nach längerer Beratung endlich den neuen Weltrekord bekannt: Armin Hary war nun offiziell der erste Mensch, der die hundert Meter in zehn Sekunden gelaufen war.

Heute wäre so ein Theater nicht mehr möglich: Zeitnehmer und Zielrichter sind durch automatische Zielkameras ersetzt, die Zeit wird vollautomatisch vom Schuss bis zum Zieleinlauf gemessen...

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Sieg über 20 Stadien

Quelle: Wolfgang Decker, Sport in der griechischen Antike, Beck Verlag 1995
Quelle: Wolfgang Decker, Sport in der griechischen Antike, Beck Verlag 1995

Autorin: Doris Marszk

Nackt, muskulös und geschmeidig: So überlieferte die griechische Antike die Körpergestalten ihrer Athleten, die zu den Olympischen Spielen antraten. Man könnte einem von ihnen einen Namen geben, etwa Alkidamos. Vielleicht war er jung im Sommer 256 v. Chr., das ein olympisches Jahr war. Vielleicht auch im Jahr 396 v. Chr. oder 408 v. Chr. In jedem Fall kann er auf eine jahrhundertelange Tradition von Olympia und den anderen panhellenischen Sportfesten in Delphi, Isthmos und Nemea zurückblicken. Alkidamos’ Olympiateilnahme ist schon fast perfekt durchorganisiert. Er reist in die Landschaft der westlichen Peloponnes, wo er sich in der Stadt Elis für die Olympien, die olympischen Spiele, anmeldet. Die Hellanodiken,die die Spiele vorbereiten, begutachten ihn. Vielleicht ist Alkidamos erst 16 oder 17, geht aber, wegen seiner Muskelmasse, schon als Mann durch, was ihn mit Stolz erfüllt. Und dann trainiert er 30 Tage lang im Gymnasion von Elis für Olympia, bevor er nach dem zweiten Vollmond nach der Sommersonnenwende mit den anderen Wettkämpfern ins nahe gelegene Olympia kommt. Olympia ist eine alte Kultstätte, unbewohnt zwar, doch mit ständigem Personal belegt, das für die Olympien im Einsatz ist...

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Das Eckige muss ins Runde

Autor: Jens Simon

Was einem Fußballprofi so vor die Füße kommt, ist nicht einfach ein Ball. Mit einem schnöden Ball, gar noch aus Leder, mussten die Altvorderen wie Fritz Walter oder Uwe Seeler spielen. Was dagegen die Beckhams, Figos und Zidanes da am Gegner vorbei dribbeln, um Mauern herum zirkeln und mit dem Kopf ins Tor hinein wuchten, ist ein Hightech-Produkt aus Kunststoff. Der Ball von heute stammt aus dem Labor.

Und tatsächlich! Ein Türschild "Ball-Labor" auf dem Firmengelände von adidas im fränkischen Scheinfeld weist darauf hin, dass Fußbälle nicht nur zum Treten, sondern auch zum Forschen gut sind. Eine Mannschaft von Labortechnikern und Ingenieuren geht hier, nach der verbalen Steilvorlage von Uwe Seeler, wonach das Geheimnis des Fußballs ja der Ball sei, den Bedingungen des Balls nach. Bedingungen übrigens, die vorwiegend in den verwendeten Materialien und ihrer Verarbeitung liegen. Diese Materialien sind im Wesentlichen Kunststoffe, so genannte Polymere. Eine Werkstoffgruppe mit schönen, aber zugleich komplizierten Eigenschaften. Oder wie es Marcus Kürner, Laborleiter des Ball-Labors sagt: "Wer mit polymeren Werkstoffen arbeitet, betreibt immer auch Alchemie." So wundert es nicht, dass am fertigen Objekt geprüft sein will, was die Materialforscher ausgetüftelt haben, und im Zentrum des Ball-Labors eine Art Zirkel-Training für Bälle steht: eine Teststrecke, die jeder Ball, der seriöses Spielgerät sein will, zu überstehen hat. Erst wenn der Prototyp eines neuen Balls alle Tests erfolgreich bestanden hat, läuft die Massenproduktion an, die sich,- wie im Falle des neuen Balls für die Fußballweltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea, auf rund 800 Stück pro Tag beläuft...

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"Big Brother" im Baumwipfel

Autorin: Almut Bruschke-Reimer

Wer geglaubt hat, Skispringen sei ein reiner Wintersport, der täuscht sich. Einige der Wissenschaftler, die mit vielen Raffinessen die Sprungkünste der Sportler überwachen, können Schnee überhaupt nicht brauchen.

Wenn Martin Schmitt, Sven "Hanni" Hannawald und Co. von der Skischanze springen, dann haben die Biomechaniker vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig Stress. Jedes Detail eines Sprungs akribisch genau messen und unter die Lupe nehmen - das ist eine der Aufgaben des Forscherteams der Fachgruppe Kraft und Technik. Für den Deutschen Skiverband (DSV) führen die Wissenschaftler Technikanalysen durch, im Windkanal und direkt vor Ort während der Sprungwettbewerbe. Denn nicht nur das richtige Material entscheidet über den Sieg. Auch die Geschwindigkeit beim Anlauf, beim Absprung und die Flugkurve eines Springers müssen stimmen, sonst gerät der Sprung zu kurz. Auf den Videoaufnahmen des IAT lässt sich hinterher unschwer erkennen, warum die Konkurrenz ausnahmsweise weiter flog und wo es bei den deutschen "Adlern" hin und wieder hapert.

Bis es allerdings soweit ist, müssen die Skisprung-Experten aus Leipzig richtig schuften. Sieben bis acht Videokameras gilt es bei den Wettbewerben in Flughöhe der Skispringer zu installieren. Da krakseln die Biomechaniker fünf bis sechs Meter hoch auf Bäume oder Lichtmasten links und rechts der Schanze, um die beste Kameraposition zu finden...

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Kreisen im Thermikschlauch

Foto: Götz Baumgarten
Foto: Götz Baumgarten

Autor: Nicole Geffert

Fliegen wie ein Vogel. Gleitschirmflieger haben sich diesen Menschheitstraum erfüllt - ganz ohne Motor und Mantel aus Stahl. Sie spüren die Kraft des Windes unmittelbar und nutzen ihn wie ein Adler, der sich mit ausgebreiteten Schwingen in die Höhe schraubt.

Bassano del Grappa, 80 Kilometer westlich von Venedig. Hier münden die bewaldeten Ausläufer der Dolomiten in die weite Po-Ebene. In diese Region zieht es zu jeder Jahreszeit Gleitschirm- und Drachenflieger. "Die Thermik stimmt hier", sagen Götz Baumgarten und Horst Altmann, die für ein Flugwochenende aus München angereist sind. Auf dem Rücksitz des Autos drängen sich zwei überdimensionale Rucksäcke. Darin verpackt sind die zwei mal zwölf Meter großen Gleitschirme aus Nylon, Gurtzeug samt Protektor (eine gepolsterte Sitzschale) Rettungsfallschirm, Helm sowie Messgeräte.

Das wichtigste Instrument ist das Variometer. Handlich wie ein Taschenrechner, liefert das Gerät dem Piloten alle für den Flug relevanten Daten. Zum Beispiel die Temperatur der Umgebungsluft (in °C), die ein Sensor misst. "Dieser Wert zeigt uns bei der Auffahrt zum Startplatz, ob die Temperatur mit zunehmender Höhe steigt oder sinkt", erklärt Baumgarten. "Sinkt sie, verspricht es gute Thermik." Thermik, das ist das Schlüsselwort für Gleitschirmflieger. Es bedeutet, dass vertikale Luft schlauchartig aufsteigt, weil sie wärmer als die Umgebungsluft ist. Diesen Aufwind nutzt der Gleitschirmflieger, um Höhe zu gewinnen...

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Der Ballon-TÜV

Fotos: Illuscope, Peter Widmann (digital bearbeitet)
Fotos: Illuscope, Peter Widmann (digital bearbeitet)

Autor: Jan Oliver Löfken

In der Halle kommt Wind auf und zack! Eben noch lag das Häufchen Stoff schlaff am Boden und schon kurze Zeit später füllt die aufgeblähte Hülle des Heißluftballons die Halle fast aus. "Anblasen" nennt das Team von Stratos Ballooning diesen Vorgang. Dabei liegt der Ballon am Boden wie ein Wal, der nach Luft schnappt. Ein Gebläse sorgt für den Luftstrom, in dem sich die Hülle aufrichtet und plötzlich begehbar ist. Vorsichtig tappe ich über den welligen und rutschigen Stoff und denke: "dass man das darf ...", doch bald wird mir klar, dass die Begehung durch den Prüfer zu den geringsten Belastungen der Ballonhülle zählt. UV-Strahlen, Feuchtigkeit, Pilzbefall und die mechanische Belastung machen der Ballonhülle erheblich mehr zu schaffen...

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Das Letzte

Autor: Jens Simon

Da die Wahrheit ein scheues Reh ist, nähern wir uns ihr vorsichtig in drei Schritten. Erstens: „Der Ball ist rund“. Zweitens: „Wäre der Ball eckig, wäre er ein Würfel“. Drittens: „Das Runde muss ins Eckige“. Auf dem so erreichten aphoristischen Hochsitz haben wir nun freie Sicht auf das Wesentliche des Dings, das im Spiel ebenso zuhause ist wie im wirklichen Leben und in der Wissenschaft, wobei, aber dies nur am Rande vermerkt, den Beteiligten nicht immer ganz klar ist, welche der Kategorien gerade zutrifft, auf welchem Spielfeld der Ball rollt. Ungeachtet dieser Wirrnis nehmen wir uns die Freiheit zu fragen, ob der Ball, oder lässig gesagt: die Kugel, denn tatsächlich rund und also vollkommen ist. Der Ball in seiner Ausformung als Fußball ist es gewisslich nicht, auch wenn der ferne Blick von Tribüne oder Fankurve hier etwas anderes vorgaukelt. Denn siehe: Aus der Nähe betrachtet wandelt sich der Fußball – gelegentlich auch als Pocke, Ei oder Leder bezeichnet – zum vielflächigen Gebilde aus zusammengenähten Fünf- und Sechsecken, welche jeder Oberstudiendirektor (Lieblingsfach: Mathematik) rasch als archimedischen Polyeder erkennt. Wo ist also das Runde, wenn nicht auf dem Platz? Erheben wir den Blick vom zertretenen Grün gen Himmel, wo uns – dichterische Freiheit muss sein – der Vollmond die Szenerie beleuchtet. Im bleichen Licht erinnern wir uns dunkel zahlloser Gedichte und Lieder von „Der Mond ist aufgegangen“ über „The Dark Side of the Moon“ bis zu „Oh, Säuferlampe, ew'ge Laterne“...

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