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PTB-Forschung ist exzellent

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ist gleich an zwei neuen Exzellenzclustern beteiligt

23.10.2007

Gemeinsam sind wir noch besser! So könnte man die Beweggründe auf einen Nenner bringen, wenn sich Institute, die weltweit anerkannte Spitzenforschung betreiben, zusammenschließen, um mit ihrem geballten Wissen Neuland zu betreten. Genau dies wird die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Braunschweig und Berlin, in den nächsten Jahren zusammen mit ihren Partnern von anderen Universitäten und weiteren Forschungseinrichtungen tun. Am Freitag, dem 19. Oktober, hat der gemeinsame Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrates die Entscheidung bekanntgegeben, welche der insgesamt 144 Anträge auf Exzellenzcluster Realität werden. Unter den 20 Siegern sind gleich zwei Cluster mit PTB-Beteiligung: das an der Leibniz-Universität Hannover angesiedelte Projekt QUEST sowie das Berliner Exzellenzcluster NeuroCure.

Spitzenforschung zu fördern ist ein Ziel der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ein zweites: Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung möglichst eng miteinander zu verknüpfen. Und genau das zeichnet auch die beiden Exzellenzcluster aus. In QUEST (Abkürzung für Quantum Engineering and Space-Time-Research) haben sich die führenden Institute auf den Gebieten der Forschung mit einzelnen Atomen, Atominterferometern, atomaren Quantensensoren, Lasern und Atomuhren sowie der Astronomie mit Gravitationswellen oder der Erdbeobachtung und Geodäsie zusammengetan. Die Forschergruppen der Leibniz-Universität, des Laserzentrums, des Albert-Einstein Instituts, des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation und der PTB werden durch ein gemeinsames Ziel vereint: die Quantenphysik und die Raum-Zeit-Forschung (Stichwort: Relativitätstheorie) stärker miteinander zu verbinden - zwei bisher teilweise gegensätzliche Denkmodelle der Physik. Die Zeit ist reif dafür: Dank der enormen Fortschritte in theoretischer und experimenteller Forschung an kalten quantenentarteten Gasen, an Quantenpunkten sowie zur Quantennatur und Manipulation von Licht und Materiefeldern ist Quanten-Engineering zu einer Schlüsselanwendung moderner Quantenphysik geworden. Nach der Überwindung technischer Limitierungen konnte Quanten-Engineering bereits vielfach zu quantenphysikalischen Grenzen vorstoßen. Dieser schnelle Fortschritt eröffnet neue Horizonte in der Quantenmetrologie für Tests fundamentaler physikalischer Gesetze, für beispiellose Präzisionsmessungen von Raum und Zeit, für bahnbrechende quantentechnologiebasierte Anwendungen in globaler Geodäsie, in der Navigation oder laserbasierten weitreichenden Abstandsmessungen. Um all dies weiterzubringen, wird QUEST nun für die kommenden fünf Jahre mit insgesamt 35 Millionen Euro gefördert.

Das Berliner Exzellenzcluster NeuroCure bekommt bis zum Jahr 2012 insgesamt 40 Millionen Euro. Hauptziel der Initiative "NeuroCure - neue Perspektiven in der Therapie neurologischer Erkrankungen" ist die Übertragung von Erkenntnissen der Grundlagenforschung in klinisches Handeln. Zunächst wollen sich die Wissenschaftler insbesondere den Erkrankungen Schlaganfall, Multiple Sklerose sowie Entwicklungsstörungen des Gehirn, die zum Beispiel zu epileptischen Anfällen führen können, widmen. Diese Leiden sind bisher allenfalls in ihren Auswirkungen linderbar, in der Regel jedoch nicht heilbar. Die Wissenschaftler von Charité - Universitätsmedizin Berlin Humboldt-Universität - und Freier Universität wollen die Lebenssituationen von Patienten mit neurologischen Erkrankungen entscheidend verbessern und werden darum grundlagenwissenschaftliche und klinische Forschung am Campus Charité Mitte eng verzahnen. Der Part der PTB ist es dabei, ihre weltweit einzigartigen Messmöglichkeiten, beispielsweise auf dem Gebiet des Neuroimaging, einzubringen und hochpräzise Messverfahren wie zum Beispiel die Magnet-Enzephalographie, die Ultrahochfeld-Magnetresonanz und die Nahinfrarotspektroskopie weiter zu entwickeln.

Laut PTB-Präsident Prof. Dr. Ernst O. Göbel soll es genau in dieser Richtung weiter vorangehen: "Mit der erfolgreichen Teilnahme an diesen beiden Exzellenclustern bestätigt sich nicht zuletzt die Forschungspolitik der PTB, die entschieden für eine sinnvolle Verknüpfung von Hightech-, Grundlagen- und angewandter Forschung eintritt - jeweils aus der besonderen Perspektive des deutschen Metrologie-Institutes, der obersten Instanz in Sachen Messen".