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Überwachung der Strahlendosis für die Augen nötig?

PTB-Wissenschaftler untersuchen Eignung von Dosimeterarten

04.11.2011

Das menschliche Auge reagiert empfindlich auf ionisierende Strahlung. Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) haben umfangreiche Berechnungen durchgeführt, um die Dosis der Augenlinse in unterschiedlichen Strahlungsfeldern bestimmen zu können. Die Berechnungen sollen dazu beitragen, konkrete Anforderungen an Augendosimeter zu definieren, die dann in entsprechende Normen einfließen müssen. Damit wäre erstmalig die qualitätsgesicherte Überwachung der Dosis der Augenlinse, z.B. bei medizinischem Personal, möglich.

Abbildung 1: Diese Dame trägt ein Ganzkörperdosimeter am Revers und ein Hautdosimeter in Form eines Fingerrings

Abbildung 2: Beispiel eines Augendosimeters (mit freundlicher Genehmigung durch radcard; Quelle: www.radcard.pl)

Zum Hintergrund: Die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) hatte jüngst ihre Empfehlung für den Grenzwert der jährlichen Strahlendosis für Augenlinsen drastisch gesenkt: von 150 Millisievert (mSv) auf 20 mSv pro Jahr. Dieser Schritt war nötig, weil sich Hinweise verstärkt haben, dass der bisherige Grenzwert nicht ausreicht, um einer Linsentrübung (Katarakt, d.h. grauer Star) aufgrund ionisierender Strahlung vorzubeugen. Bei dem alten Grenzwert von 150 mSv pro Jahr konnte davon ausgegangen werden, dass er nicht überschritten wird, wenn die Grenzwerte für die Gesamtperson und die Haut nicht überschritten sind - diese werden bei Personal, welches beruflich bedingt Strahlung ausgesetzt ist, seit Jahrzehnten routinemäßig mittels Messungen (mit sogenannten Ganzkörper- und Hautdosimetern) überwacht. Mit dem neuen Grenzwert von 20 mSv pro Jahr für die Augenlinse gilt dies nicht mehr. Daher ist die deutsche Strahlenschutzkommission nun gefragt, Empfehlungen dazu auszusprechen, ob der bisher betriebene Strahlenschutz bei z.B. medizinischem Personal ausreicht, oder ob genauere Dosisermittlungen und zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig sind. Eignungsuntersuchungen für unterschiedliche Dosimeterarten der PTB sollen bei diesen Entscheidungen helfen.

Sollte die deutsche Gesetzgebung der Empfehlung der ICRP folgen und den Grenzwert für die Augenlinse entsprechend verringern, könnte dies bedeuten, dass zusätzlich zu den bisher getragenen Ganzkörper- und Hautdosimetern geeignete Dosimeter in unmittelbarer Nähe des Auges hinter einem entsprechenden Augenschutz getragen werden müssen. Um die Augen zu schützten, dürften dann Mitarbeiter, die ihre maximale Jahresdosis erreicht haben, für den Rest des Jahres nicht mehr in diesem Arbeitsbereich eingesetzt werden.

Die Ergebnisse der PTB im Einzelnen: Dosimeter sind je nach Messzweck, für den sie konstruiert wurden, in drei Kategorien unterteilbar. Die unterschiedlichen Dosimeterarten eignen sich unterschiedlich gut zur Bestimmung der Strahlungsdosis im Auge:

  1. 1. Hautdosimeter liefern verlässliche Werte für die Augenlinsendosis nur dann, wenn sie bei reiner Röntgenstrahlung (z.B. in der Radiologie) und direkt in Augennähe eingesetzt werden und darüber hinaus ihre Rückseite durchlässig für Röntgen¬strahlung ist. In der Nuklearmedizin kommt zum Teil Beta-Strahlung zum Einsatz. Hier könnten Hautdosimeter die tatsächliche Dosis um das Hundertfache und mehr überschätzen und sind dort folglich ungeeignet.
  2. 2. Augendosimeter schätzen die Dosis in dem besonders strahlungs¬empfindlichen Teil der Augenlinse ab. Von dieser Dosimeterart existieren bisher jedoch nur sehr wenige Typen, da die Messgröße bisher nicht verwendet wurde. Im Falle der bereits existierenden Typen muss ihre Eignung bei Betastrahlung noch geprüft werden.
  3. 3. Ganzkörperdosimeter schätzen gemäß ihrer Konstruktion die Gesamtkörperdosis der inneren Organe ab. Sie sind ungeeignet zur Bestimmung der Augenlinsendosis, da sie die Strahlungsdosis der Augenlinsen insbesondere bei niederenergetischer Röntgen-strahlung und bei Betastrahlung unterschätzen. Die weitere Arbeit der PTB zur Einbringung der Ergebnisse in die nationale und inter¬nationale Normung wird von dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie durch das Projekt "Innovation mit Normen und Standards - INS" "Verbesserung der Überwachung der Dosis der Augenlinse" gefördert.

Kontakt
Dr. Rolf Behrens, PTB-Arbeitsgruppe 6.34 Betadosimetrie, Tel.: (0531) 592- 6340,
E-Mail: rolf.behrens(at)ptb.de

Weitere Informationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie:
www.ins.din.de/cmd