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Symbolbild "News"

Von Scheinkräften und Himmelsmächten

Die neueste Ausgabe des PTB-Magazins maßstäbe entführt die Leser in die vielfältigen und oft erstaun­lichen Dimensionen des Begriffes "Kraft"

10.05.2011

Was denken Sie bei Begriffen wie "Kraftprotz" oder "Kraftstoff"? Kommen Ihnen Assoziationen wie "stark", "voller Energie", "unverrückbar"? Dann wackelt Ihr Weltbild vielleicht, wenn Sie die frisch erschienene neueste Ausgabe der maßstäbe lesen. Die Zeitschrift aus der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) beschäftigt sich in diesem Heft (Nummer 11) mit dem Thema "Kräfte messen". Und das erweist sich als erstaunlich weites Feld. Angesichts von (Schein-)Kräften, die zwar für den einen spürbar, für den anderen aber gar nicht vorhanden sind, gerät man unwillkürlich ins Grübeln. Das Gewichtsstück, das wegen der unterschiedlich starken Erdanziehungskraft in Athen etwas anderes wiegt als in London, macht die Sache auch nicht leichter. Auf ihrer geistigen Reise lernen die maßstäbe-Leser die ungeheuren Kräfte der Erde genauso kennen wie jene winzig kleine Kraft, mit der zum Beispiel ein Virus an eine Zellwand andockt. Am Ende dieser Reise landet der Leser bei sich selbst, beim Hirn und dem eigenen Denken - und bei der Frage, wie man eigentlich geistige Kräfte messen kann. Die maßstäbe können kostenlos abonniert (massstaebe@ptb.de) und auch im Klassen- oder Seminarsatz bestellt werden.

Die Titelseite des neuen maßstäbe-Heftes aus der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB)

Alles, was hochsteigt, kommt wieder runter. Auch die maßstäbe-Redaktion (im freien Fall von links: Imke Frischmuth, Jens Simon, Erika Schow, Alberto Parra del Riego) kann der Schwerkraft nicht entfliehen. Leider. (Foto: original-okerland)

Sitzt der Zugpfahl auch fest? Stefan Kleinert von der Materialprüfanstalt für das Bauwesen (MPA) in Braunschweig überprüft das. (Foto: original-okerland)

Der PTB-Wissenschaftler Vladimir Nesterov blickt ins Innere des von ihm entwickelten Messgeräts für kleinste Kräfte. (Foto: original-okerland)

Sie ist ein Koloss und erstreckt sich über drei Stockwerke: die 2-Meganewton-Kraft-Normalmesseinrichtung der PTB. (Abb.: PTB)

Im Anfang war die Kraft. Darüber spekuliert schon Goethes Faust. Auch die maßstäbe beginnen mit einem biblisch klingenden und doch sehr physikalischen Thema: dem Beginn von allem, der Urkraft, kurz nach dem "Big Bang". Den "Kraftakten" im Universum, von den vier Grundkräften bis zum kosmischen Tanz zweier schwarzer Löcher, ist das erste Kapitel des Heftes gewidmet, gefolgt von der geheimnisvollen Welt der Scheinkräfte, in der ein ganz real vorhandener Mensch auch schon mal 0,0 kg wiegt. In scharfem Kontrast dazu stehen im folgenden Kapitel die Kräfte der Erde, die der Mensch oft als gewaltig und unbeherrschbar erlebt.

Wie man sehr große Kräfte - und auch ihr Gegenstück, die ausgesprochen winzigen Kräfte -sehr genau misst, präsentiert ein Kapitel, das schwerpunktmäßig in der PTB mit ihrem Maschinenpark an sogenannten Kraft-Normalmesseinrichtungen spielt. Ansonsten gehen die maßstäbe gerne mal wieder (institutionell und inhaltlich) fremd, bleiben nicht in der PTB und im dort gewohnten physikalischen Fahrwasser, sondern sinnieren über chemische Bindungskräfte, die Messung des freien Willens oder die wahre Schwere des Lebens. Was das alles miteinander zu tun hat? Es geht stets um die Bedeutung des Begriffes Kraft, die schon so großen Männern wie Aristoteles, Newton und Einstein manch nachdenkliche Minuten - und natürlich auch neue Erkenntnisse - beschert hat. Und vielleicht stellt sich bei einigen maßstäbe-Lesern schließlich die Erkenntnis ein, dass selbst das, an das sie nur schaudernd als langweilige "Newton-Mechanik" des Physikunterrichtes denken, viele schöne, spannende und alltagsnahe Aspekte birgt.