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Dosimetrie bei Miniaturröntgenanlagen

07.10.2011

Jede zehnte Frau erkrankt bis zu ihrem 70. Lebensjahr an Brustkrebs. An einigen Kliniken in Deutschland etabliert sich zurzeit ein neues Behandlungsverfahren dieser Mammakarzinome: die intraoperative Bestrahlung durch Miniatur-Röntgenanlagen. Nach einer chirurgischen Entfernung des Tumors werden diese Röhren in den entstandenen Hohlraum platziert und das umgebende Gewebe etwa 25 Minuten lang mit Röntgenstrahlung bestrahlt. Anschließend wird die Operation wie gewohnt beendet.

Während sich bei der herkömmlichen operativen Behandlung eines Brustkarzinoms eine sechs- bis siebenwöchige Behandlungszeit, in der die gesamte Brust regelmäßig bestrahlt wird, anschließt, wird diese Behandlungszeit erheblich verkürzt. Bei kleinen Tumoren reicht möglicherweise diese einmalige Bestrahlung während der Operation aus.

Um einen möglichst großen Therapieerfolg zu erzielen und gleichzeitig das Risiko für den Patienten gering zu halten, gibt es Richtlinien und Normen für die Dosierung von Strahlung. Bei konventionellen Bestrahlungsformen hat sich eine sogenannte "Kalibrierkette" etabliert, bestehend aus einem Primärnormal zur Darstellung oder Realisierung der Einheit, Transfernormale zur Übertragung dieser Einheit zu einem Kalibrierdienst und schließlich kalibrierte Kammern, die in der Klinik zur Überprüfung der Strahlendosis verwendet werden.

Die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) möchte als weltweit erstes Metrologieinstitut eine solche Kalibrierkette für Miniaturröntgenröhren in der Einheit Wasserenergiedosis etablieren. Dazu soll in den nächsten Jahren ein Primärnormal in der Einheit Wasserenergiedosis aufgebaut werden. Zudem sollen die Miniaturröntgenröhren verschiedener Anbieter derart detailliert charakterisiert werden, dass genügend Informationen bereitstehen, um Arbeiten von Normungsgremien zur Empfehlung solcher Kalibrierketten zu unterstützen.

Bild : Ansichten der beiden für die Behandlung an Patienten zugelassenen Miniaturröntgenröhren. Links ist das System der Firma Xoft abgebildet (im Uhrzeigersinn: Röhre, Steuereinheit, Ballonkatheder, Röhre im Katheder mit Kühlsystem) und rechts das System der Firma Carl-Zeiss: Positioniersystem mit Miniaturröhre und Kugelapplikator. (Bild: Collage aus Fotos von den Herstellern)