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Vorwort

„Die PTB ist und bleibt das Maß aller Dinge“. Mit diesem so kurzen wie prägnanten Eintrag ins Gästebuch fasst Bundesminister Gabriel die Eindrücke seines Besuches an der PTB am 27. Februar 2014 zusammen. Nach Gesprächen mit dem Präsidium, einem Laborbesuch beim Avogadro-Projekt und einer Aussprache mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der PTB im Hörsaal bedankt er sich bei allen PTBisten für ihr großes Engagement und hebt die internationale Spitzenstellung der PTB hervor. Ganz ähnlich äußert sich Gabriele Heinen-Kljajić, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, die die PTB am 23. September 2014 besuchte. Sie attestiert der PTB, einer der wichtigsten Player in der Forschungslandschaft Niedersachsens zu sein, und wünscht sich auch in der Zukunft viele Kooperationen mit den Hochschulen des Landes.

Die vielleicht beste Nachricht des Jahres ist, dass es zumindest teilweise gelang, zur Umwandlung sachgrundlos befristeter Arbeitsverhältnisse unbefristete Stellen zugewiesen zu bekommen. Dies geschah nicht zuletzt infolge des Besuches des Bundesministers, der sich, von PTB-Mitarbeitern darauf aufmerksam gemacht, dafür eingesetzt hat. Nach dem Ende des Stellenabbaus können wir nun wieder nachhaltige Personalpolitik betreiben. Insgesamt konnten etwa sechzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen werden, darunter sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über den neugeschaffenen Stellenpool. Letztere lernen nun in einem umfangreichen zweijährigen Trainee- Programm verschiedene Bereiche aus Dienstleistung und Forschung der PTB kennen, bevor sie dann an ihre Zielstelle gelangen. Im Auswahlverfahren wurde neben der fachlichen Eignung auch die Führungsund Sozialkompetenz der Bewerber/innen in einem sogenannten „Assessment Center“ unter die Lupe genommen, mit sehr positiven Erfahrungen.

Die Mitarbeiterzufriedenheitsumfrage 2014 wurde von der Belegschaft mit vielen individuellen Kommentaren sehr gut angenommen. Neben durchaus erfreulichen Ergebnissen – so sind außergewöhnlich viele PTBisten stolz darauf, an der PTB zu arbeiten, sie fühlen sich wohl im Kreise ihrer Kolleginnen und Kollegen, loben die gute apparative Ausstattung und die familienfreundlichen Arbeitsbedingungen – gab es durchaus Felder, in denen Verbesserungen erzielt werden können. Zukünftige Anstrengungen richten sich insbesondere darauf, sowohl die Kommunikation mit dem Präsidium als auch insgesamt zu verbessern, Führungskompetenzen weiter zu entwickeln, bürokratische Hemmnisse möglichst abzubauen und die Infrastruktur und die Arbeitssicherheit an der PTB gezielt weiter zu verbessern. Entsprechende Maßnahmen sind eingeleitet.

Ein großer Meilenstein im Bereich der Dienstleistungen und der Politikberatung ist sicherlich die endgültige Verabschiedung des Mess- und Eichgesetzes, das nunmehr ab 1. Januar 2015 in Kraft tritt, verbunden mit der Einrichtung des Regelermittlungsausschusses unter der Leitung der PTB sowie der Konformitätsbewertungsstelle an der PTB. Unter Leitung des Vizepräsidenten umfasst deren Leistungsangebot ca. 160 Arten von Messgeräten, Teilgeräten und Zusatzeinrichtungen, deren Verwendung in Deutschland unter den Schutz des neuen Mess- und Eichgesetzes gestellt wurde. Insgesamt unterstreicht damit die PTB ihre Schlüsselrolle im gesetzlichen Messwesen und beim Inverkehrbringen von nicht europäisch geregelten Messgeräten. Dies wurde nicht zuletzt durch das große Interesse an einer von der PTB ausgerichteten Informationsveranstaltung mit mehr als 300 Teilnehmern aus Industrie und Verbänden eindrucksvoll bestätigt.

Neue Herausforderungen bei den Dienstleistungen ergeben sich u. a. aufgrund strengerer Grenzwerte für den Ausstoß von Dieselruß aus Kraftfahrzeugen in der Euro-Norm 5, durch die Neufassung der Spielverordnung sowie aufgrund der ungebrochenen Klagebereitschaft bei Bußgeldverfahren im Zusammenhang mit der Übertretung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Mit dem Aufbau eines neuartigen, hochstabilen Rußgenerators, durch die Einstellung neuer Mitarbeiter für die Zulassung von Spielgeräten sowie durch gezielte Informationsveranstaltungen für Staatsanwaltschaften, unterstützt durch einen Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt am Main, konnten in allen Bereichen wichtige Erfolge erzielt werden. So bestätigt das OLG, dass Gerichte grundsätzlich von der Richtigkeit der Messung mit von der PTB zugelassenen und von den Länderbehörden geeichten Geräten ausgehen können.

Dienstleistungen auf höchstem Niveau, in der Photovoltaik, bei der Charakterisierung neuer Lichtquellen oder von Wärmemengenzählern, im Bereich der Klimaforschung, bei der rückführbaren Messung der Bestandteile von Blutserum in der medizinischen Diagnostik, bei der Bauartzulassung modernster und höchstgenauer Waagen, bei der Messung von Neutronenflüssen am neuen Fusionsreaktor in Greifswald, um nur einige zu nennen, können nur dann zuverlässig und zeitnah erbracht werden, wenn die PTB in all diesen Bereichen intensive eigene Forschung und Entwicklung an vorderster Front betreibt.

Ein Meilenstein für die koordinierte metrologische Forschung in Europa ist die Ratifizierung des „European Metrology Programme for Innovation and Research“, EMPIR, durch das Europäische Parlament und den Ministerrat in diesem Jahr. In Förderaufrufen zwischen 2014 und 2020 stehen hier über eine Gesamtlaufzeit von zehn Jahren insgesamt ca. 600 Mio. € unter Beteiligung von 28 europäischen Staaten zur Verfügung. Mit einem Anteil von etwa 30 % wird die PTB entscheidend dazu beitragen, dass die europäische Metrologie auch in Zukunft eine weltweilte Spitzenstellung einnimmt.

Forschung in Gebieten, wo zwar ein hohes metrologisches Potenzial erkennbar ist, aber noch viele grundsätzliche Fragen geklärt werden müssen, wie z. B. in Teilbereichen der Nano- und Quanten-Metrologie oder der Metrologie für die Gesundheit, kann von der PTB nicht umfassend betrieben werden. Hier ist die Zusammenarbeit mit Universitäten von großer Bedeutung und erweitert unseren Aktionsradius erheblich. So wurde die kürzlich ins Leben gerufene „Metrologie-Initiative Braunschweig“ weiter ausgebaut. Ein gemeinsam mit der TU Braunschweig beantragtes Graduiertenkolleg zur Nanometrologie, NanoMet, wurde von der DFG bewilligt, die Bautätigkeiten des gemeinsam betriebenen Forschungsbaus LENA wurden aufgenommen, der Studiengang „Messtechnik und Analytik“ wurde neu eingerichtet, eine gemeinsame Berufung in der theoretischen Physik sowie die Installation einer Nachwuchsgruppe in der Nanometrologie sind weit fortgeschritten. Ähnliches gilt für die Kooperation mit der Leibniz Universität Hannover. Hier ist der gemeinsame Forschungsbau HITec, in dem auch das QUEST-Institut der PTB Labors vor Ort betreibt, praktisch fertiggestellt. Ein zusammen mit anderen Partnern initiierter Sonderforschungsbereich zur relativistischen Geodäsie, in dem optische Uhren der nächsten Generation und höchstpräzise Zeitübertragung eine Schlüsselrolle spielen, geo-Q, erzielte eine hervorragende Begutachtung und ist genehmigt. Die Anbindung des neuberufenen Leiters der Abteilung „Medizinphysik und metrologische Informationstechnik“ an die Charité in Berlin ist in Vorbereitung.

Bei den Anstrengungen zur Neudefinition des Internationalen Einheitensystems, SI, nimmt die PTB zunehmend eine Schlüsselrolle ein. Die Unsicherheit in der Bestimmung der Planck-Konstanten konnte im Rahmen des Avogadro-Projektes weiter verbessert werden, sodass nun, zusammen mit einem neuen Wert von der kanadischen Wattwaage, zwei der formalen Voraussetzungen zur Neudefinition des Kilogramms weitgehend erfüllt sind. Eine Roadmap, gemeinsam erstellt von den Konsultativkomitees für Masse und für Einheiten, sieht einen genauen Zeitplan bis 2018 vor, der nach jetziger Einschätzung zwar sehr ehrgeizig ist, jedoch durchaus eingehalten werden kann. Messungen höchster Präzision mit integrierter Fehlerkorrektur zur Realisierung des „neuen Ampere“ mittels Einzelelektronenpumpen wurden mit dem Hermann-von-Helmholtz-Preis 2014 ausgezeichnet. Er gilt als eine der international bedeutendsten Auszeichnungen in der Welt der Metrologie. Da das SI in Zukunft auf festgelegten Zahlenwerten von Naturkonstanten beruhen soll, ist es wichtig zu wissen, ob diese denn auch tatsächlich konstant sind. Die optische Ytterbium-Uhr der PTB, die die zurzeit weltweit geringste Unsicherheit aufweist, lieferte auch mit die stringentesten Grenzwerte für mögliche Änderungen der Feinstrukturkonstanten sowie des Verhältnisses von Elektronen- zu Protonenmasse.

Ein Höhepunkt in der internationalen Zusammenarbeit bildete nicht zuletzt die feierliche Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Fortsetzung der nunmehr 35-jährigen Kooperation zwischen dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem chinesischen Zentralamt für Qualitätsüberwachung, Inspektion und Quarantäne (AQSIQ).

Ich bedanke mich herzlich bei allen, die durch ihr Engagement und ihren Einsatz dazu beigetragen haben, dass die PTB bei metrologischer Dienstleistung und Forschung national und international als eine der führenden Institutionen gilt und so dem höchsten Anspruch, welcher mit dem Eintrag des Bundesministers ins Gästebuch verbunden ist, gerecht wird.