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Physikalisch-Technische Bundesanstalt

PTBPresse/AktuellesVorträge
Vortrag

Ein Primärnormal für Thoron-Aktivitätskonzentration (Dr. Röttger)
Radon in Gebäuden: Kenntnisstand zum Risiko, derzeitige Empfehlungen und Ansätze zur Risikokommunikation (Dr. Grosche)

Gemeinsames Kolloquium BfS / PTB

Dienstag, 11. Mai 2010 14:00
Vortragende/r: Dr. Annette Röttger; Dr. Grosche
Institut: PTB Braunschweig, AG 6.13 (Fr. Dr. Röttger); BfS, SG, Oberschleißheim (Dr. Grosche)
Ort: PTB Braunschweig, Vieweg-Bau, Raum 133

Inhalt: Vortrag Dr. A. Röttger:

Mit dem Aufbau des Thoron-Emanationsmessplatzes (TEM) steht für das kurzlebige Radon-Isotop Rn-220 (T1/2 = 55 s) erstmals ein Primärnormal  zur Verfügung.

Mittels Aktivitätsnormalen, der online Messung des Emanations-Vermögens der elektrolytisch abgeschiedenen Flächenpräparate von Th-228 sowie dem gemessenen Volumen des Aktivitätskreislaufes kann die Einheit mit einer relativen Standardmessunsicherheit von 3 % dargestellt werden. Die Bestimmung des Emanationsvermögens gelingt mit einer relativen Messunsicherheit von ≤ 0,4 % mit dem neu entwickelten Verfahren TEM basierend auf den Zählratenverhältnissen unterschiedlicher Präparate.

Das neue an der PTB entwickelte Verfahren wird vorgestellt und diskutiert.

Inhalt: Vortrag Dr. Grosche:

Radon macht etwa 50 % der mittleren natürlichen Strahlen­belastung in Deutschland aus. Radon gilt nach Rauchen als zweithäufigster Verursacher von Lungenkrebs und ist damit der wichtigste umweltbedingte Risikofaktor für Lungenkrebs. 37.700 Personen in Deutschland erkranken jährlich an Lungenkrebs. Etwa 1.900, das sind ca. 5 %, werden Radon zugeschrieben. Je höher die Radonkonzentration in Wohnungen ist, desto höher ist das Risiko. Das Lungenkrebsrisiko steigt pro 100 Bq/m³ um etwa 10 % an. D.h. etwa 1.000 Bq/m³ führen zu einer Verdopplung des Risikos. Ein Schwellenwert, unterhalb dessen es kein radonbedingtes Lungenkrebsrisiko gibt, existiert nach aktueller Kenntnis nicht.

Das durch Radon verursachte Lungenkrebsrisiko wird wesentlich beeinflusst durch das Rauchverhalten. Das Risiko einer Lungen­krebserkrankung durch Radon ist bei einem Raucher höher als bei einem Nichtraucher. Die Wirkung von Rauchen und Radon verstärken sich gegenseitig.

Seitens des BfS wird seit langem ein Zielwert von 100 Bq/m3 vorge­schla­gen, der von der WHO in ihren Empfehlungen 2009 übernommen wurde. EPA (USA) empfiehlt einen Wert in gleicher Größenordnung. Von der IAEA und der EU werden etwas höhere Werte diskutiert. Dieser Zielwert soll zukünftig bei der Planung von Neubauten berück­sichtigt werden und sollte bei Sanierungsmaßnahmen angestrebt werden. Verbindliche Maßnahmen, wie z.B. rechtliche Regelungen, existieren bislang in Deutschland noch nicht.

Die Wahrnehmung des Radonrisikos in der Bevölkerung ist gering. Hier gilt es, durch geeignete Maßnahmen eine Änderung herbei zu führen. 



© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Letzte nderung: 2010-02-16Seite drucken Druckansicht