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PTB-Forscherin Marlies Luszik-Bhadra und ihr Team erhalten den diesjährigen Technologietransferpreis der IHK Braunschweig
Im Strahlenschutz gilt die Devise: So wenig Strahlung wie irgend möglich!
Wer dies jedoch umsetzen will, muss zunächst wissen, wie groß die aktuelle
Strahlenbelastung tatsächlich ist. Ein neuartiges Messgerät, das gleich mehrere
Strahlungsarten auf einmal registrieren kann, kommt hier gerade recht. Die
Physikerin Marlies Luszik-Bhadra aus der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt
(PTB) hat gemeinsam mit einem Industriepartner ein Messgerät entwickelt, das
gleichzeitig Neutronen- und Photonenstrahlung messen kann. Dieses
Personendosimeter ist ein handliches Gerät, welches über eine Direktanzeige
und eine Alarmfunktion verfügt. Durch eine Erfindung, deren wesentliche
Prinzipien patentiert sind, konnte das Dosimeter besonders leicht und
kompakt aufgebaut werden. Für den Technologietransfer an die Firmengruppe
Synodys erhalten Marlies Luszik-Bhadra und ihre Mitarbeiter Wilfried Wendt
und Mathias Weierganz den diesjährigen Technologietransferpreis der
Industrie- und Handelskammer Braunschweig.
Natürliche Neutronenstrahlung umgibt uns ständig - ausgelöst durch den Zusammenstoß energiereicher kosmischer Teilchen mit den Molekülen unserer Erdatmosphäre. Die Intensität dieser Neutronenstrahlung nimmt dabei mit der Höhe zu und ist besonders bei Flugreisen relevant, so dass die Strahlendosis des fliegenden Personals ständig überwacht wird. Für die künstliche Neutronenstrahlung am Erdboden ist dagegen der Mensch selbst verantwortlich. Sie kommt bei medizinischen Anwendungen wie der Tumortherapie vor, wird bei der zerstörungsfreien Materialprüfung eingesetzt und ist stets an kerntechnischen Anlagen vorhanden.
Generell tritt jedoch Neutronenstrahlung selten alleine auf. Zumeist ist sie sogar die geringere Komponente - vor allem im Vergleich zur Photonenstrahlung (Gamma-Strahlung). Ein Messgerät, das beide Strahlungskomponenten simultan erfasst, ist daher ein ideales Werkzeug, um strahlenkritische Umgebungen zu kontrollieren.
Das von Luszik-Bhadra gemeinsam mit der Firmengruppe Synodys entwickelte
Personendosimeter ist in der Lage, beide Strahlenkomponenten in
einem handlichen und zudem sehr leichten Gerät zu messen. Es ist
das derzeit kleinste Dosimeter für gemischte Neutronen/Photonen-Strahlungsfelder.
Verglichen mit einer üblichen Laborelektronik ist der Aufbau um
einen Faktor 1000 kleiner. Die innovative Idee steckt dabei im
inneren Aufbau des Detektors. Während bisher stets mehrere
Halbleiterdetektoren für den Aufbau eines Neutronendosimeters verwendet
wurden, kommt das neue Dosimeter mit einem einzigen Detektor, umgeben
von mehreren dünnen Absorberschichten, aus.
Damit stehen dem Dosimeter die unterschiedlichsten Einsatzgebiete offen: von der Medizin über die Kerntechnik bis hin zu Weltraumeinsätzen. Für die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS, einen Ort mit besonders intensiver Strahlung, ist die Messung der aktuellen Strahlenbelastung von besonderer Bedeutung. Bisher wird hier mit passiven Dosimetern gearbeitet, die erst nachträglich auf der Erde ausgewertet werden können. Ein Probeeinsatz des neuen, direkt anzeigenden Dosimeters wird jetzt mit der Europäischen Weltraumagentur ESA diskutiert.
jes/PTB
Weitere Informationen:
Dr. Marlies Luszik-Bhadra
Fachbereich "Neutronenstrahlung"
Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Bundesallee 100, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531 / 592-6520
E-Mail: marlies.luszik-bhadra@ptb.de
oder über den Technologietransfer der PTB Braunschweig