Physikalische Zündvorgänge
Explosionsschutz an Flockmaschinen
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Einleitung
Beim elektrostatischen Beflockungsverfahren fällt eine Wolke aus
synthetischen oder natürlichen Kurzfasern von etwa 1 mm Länge (sog. Flock) auf
ein mit Klebstoff beschichtetes Substrat. Dabei werden die Fasern während des
Fallvorgangs durch ein starkes elektrisches Feld zwischen zwei Metallplatten, an
die eine Hochspannung von 20 kV bis 80 kV angelegt ist, senkrecht ausgerichtet.
Kürzlich in Amerika aufgetretene Brände an Flockmaschinen gaben Anlaß, die
Entzündbarkeit von Flockwolken als Folge von Funkenüberschlägen und Lichtbögen
zwischen den Elektroden bei Betriebsstörungen von Flockmaschinen zu untersuchen.
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Abb. 1: Mikroskopaufnahme von Flock
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Abb. 2: Zündung von aufgewirbeltem Flock in einem Glasrohr
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Mindestzündenergie von handelsüblichem Flock
Es wurde die Mindestzündenergie MZE von über 60 Flockproben mit einer für hohe Zündenergien
optimierten MZE-Apparatur bestimmt und deren Abhängigkeit von den physikalischen und chemischen
Eigenschaften der Flockproben bestimmt. Die meisten Flockproben hatten eine MZE zwischen 100
mJ und 200 mJ. Der niedrigste Wert von 50 mJ wurde für feinstaubangereicherten Baumwollmahlflock
erhalten.
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Abb. 3: MZE von Flock als Funktion von Fasermaterial
(zum Vergrößern auf das Bild klicken, 84 kB)
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Abb. 4: Zündoptimierter Gleichstromfunken von
Fasergröße 100 mJ durch eine Flockwolke (Zündung)
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Entzündbarkeit von Flock durch Funkenüberschläge an Gleichstromflockmaschinen
Bei einem Funkenüberschlag an einer Flockmaschinen wird die gespeicherte Energie im Funken
in vergleichsweise kurzer Zeit umgesetzt. Im Gegensatz hierzu sind die Funken einer MZE-Apparatur
zündoptimiert, d.h. von optimaler Funkenlänge und -dauer. Aus diesem Grund ließen sich die
zündwilligsten Flockproben erst bei Funkenüberschlägen von 1600 mJ entzünden, bei 1300 mJ
trat noch keine Entzündung auf. Befand sich im Entladekreis jedoch ein Widerstand zwischen
10 Kiloohm und 5 Megohm, so wurde der Funke zeitlich gedehnt und dadurch zündwilliger. Das
Zündoptimum (Zündung bei 450 mJ, Nichtzündung bei 350 mJ) lag bei 1 Megohm. Solche Widerstände
können unter Umständen in der Praxis auftreten, wenn das klebstoffbeschichtete Werkstück selbst
als Gegenelektrode wirkt.
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Abb. 5: Funke von 1500 mJ durch eine Flockwolke an einer Flockmaschine (Nichtzündung)
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Entzündbarkeit von Flock durch elektrische Lichtbögen an Gleichstromflockmaschinen
Typische elektrische Lichtbögen von Gleichstromflockmaschinen konnten selbst die
zündwilligsten aufgewirbelten oder abgelagerten Flockproben nicht entzünden. Hingegen
trat sofort eine Entzündung auf, wenn die Flockproben zusammengepresst oder mit
Klebstoff zusammengeklebt waren. Es wird vermutet, dass dieses Verhalten durch die
bei Gleichstromlichtbögen hoher Energie auftretenden kräftigen Stoßwellen verursacht
wird, welche unverklebte Flockfasern aus dem Lichtbogen herausdrücken und somit eine
Trennung von Brennstoff und Zündquelle bewirken.
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Abb. 6: Elektrischer Gleichstromlichtbogen von 25 kV durch eine Flockwolke (Nichtzündung)
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Entzündbarkeit von Flock durch elektrische Lichtbögen an Wechselstromflockmaschinen
Bei elektrischen Wechselstromlichtbögen ohne Strombegrenzungswiderstand findet eine
quasi kontinuierliche Energiezufuhr in die Flockwolke statt, die zur Entzündung auch
der schwer zündbaren Flockproben führte. Befand sich jedoch ein Strombegrenzungswiderstand
von ca. 1 Megohm im Entladekreis, so wurde nur dann eine Entzündung beobachtet, wenn die
Energie einer Wechselstromhalbwelle größer als die MZE der Flockprobe war.
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Abb. 7: Elektrischer Wechselstromlichtbogen von 4,2 kV durch eine Flockwolke (Zündung)
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Diskussion der Ergebnisse
Eine Untersuchung von Handbeflockungsgeräten und ortsfesten Flockmaschinen ergab, dass
bei den meisten Geräten eine Entzündung von Flock bei Betriebsstörungen nicht möglich
erscheint, da die experimentell gefundenen Grenzwerte nicht erreicht werden. Einige
Geräte wurden jedoch zwecks Verarbeitung einer überlagerten oder schlecht präparierten
Flockqualität mit überhöhter Spannung und vermindertem Plattenabstand betrieben. Bei
diesen Geräten besteht eine Zündgefahr. Die Ergebnisse werden in zukünftige Normen und
Leitlinien einfließen.
Veröffentlichungen
U. von Pidoll: Testing products and processes with regard to electrostatic
hazards. Proceedings IEJ/ESA Joint Symposium on Electrostatics, Tokyo 7.-10.Nov. 2004, 245-254.
(Download, PDF, 765 kB)
U. von Pidoll, E. Brzostek und H.-R. Fröchtenigt:
Determining the incendivity of electrostatic discharges without explosive gas mixtures.
IEEE Transactions on Industry Applications, 40 (2004), 1467-1475.
(Download, PDF, 1,7 MB)
U. von Pidoll: The ignition of clouds of sprays, powders and fibers by flames and electric sparks.
Journal of loss prevention in the process industries 14 (2001), 103-109.
(Download, PDF, 951 kB)
Kontakt
| Ansprechpartner |
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Dr. Ulrich von Pidoll
Tel.: 0531-592-3431
E-Mail:
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Anschrift |
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Physikalisch-Technische Bundesanstalt
Arbeitsgruppe 3.73
Bundesallee 100
38116 Braunschweig
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