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Arbeitsgruppe 1.73
Raumakustik

Raumakustik

Schall breitet sich im freien Raum, ähnlich wie das Licht, geradlinig aus, und es treten weder Beugungen noch andere Richtungsänderungen auf. Das gilt solange keine ortsabhängigen Zustandsänderungen wie Temperatur-, Feuchte- oder Dichteschwankungen des schallführenden Mediums (Luft) vorliegen. Anders verhält es sich bei der Schallausbreitung in teilweise oder ganz geschlossenen Räumen, wo die Raumbegrenzungen eine für den Schall mehr oder weniger starke Durchlässigkeit aufweisen. Die Schallwellen werden hier teilweise absorbiert und teilweise mit veränderter Phasenlage und Richtung in den Raum zurückgeworfen. Je nach Oberflächenbeschaffenheit der Raumbegrenzungsflächen können die reflektierten Schallanteile unterschiedlich diffus verteilt sein, so daß sich damit ein förmlicher Fächer an Schallrückwürfen ergibt.
Durch diese Eigenschaften empfängt das Ohr des Zuhörers an jeder Stelle im Raum ein unterschiedlich zusammengesetztes Schallsignal. Darüberhinaus wird der akustische Eindruck von diesem Zuhörer auf verschiedene Weise beschrieben, je nachdem, was er mit dem Hörvorgang verbindet und welchen Charakter des Schalles er erwartet. So fällt sein Urteil bei einem gesprochenen Vortrag in einem großen und halligen Saal viel schlechter aus als wenn er einem großen Sinfonieorchester in demselben Saal lauscht.

Andererseits drehen sich die Verhältnisse vollkommen um, wenn die gleichen Darbietungen in einem kleinen und akustisch stark bedämpften Raum erfolgen.
In der Raumakustik versucht man nun, die akustischen Eigenschaften, die zu einer subjektiven Beurteilung führen, physikalisch zu beschreiben und zu messen. Aus der Korrelation dieser beiden subjektiven bzw. objektiven Ergebnisse können dann Kriterien abgeleitet werden, die geeignet sind, Räume ihrem akustischen Verwendungszweck entsprechend zu gestalten.
Neben der Verteilung des Schallpegels im Raum ist vor allem die Nachhallzeit T60 von großer Bedeutung, die nach dem amerikanischen Akustiker Sabine als diejenige Zeit angegeben wird, die verstreicht, bis der Schalldruck eines abgeschalteten Schallereignisses auf ein Tausendstel seines Anfangswertes abgesunken ist. Für den Schallpegel bedeutet das eine Abfall von -60 dB, woher der Fußindex in der Angabe T60 herrührt.

Die optimale Nachhallzeit ist von der Raumgröße, seiner Formgebung und vor allem von seinem Verwendungszweck anhängig. Während z.B. ein Sprecherstudio im Rundfunk eine Nachhallzeit von weniger als 0,2 s aufweist, liegt die Nachhallzeit des Kölner Domes bei ca. 16s.
Die Nachhallzeit ist nun aber nicht für alle Frequenzkomponenten des Schalles gleich groß, je nach Raumtyp und seiner Zuordnung zu bestimmten Musikepochen und -stilen unterscheiden wir die Form der Nachhallzeitkurve über der Frequenz. So fällt die Nachhallzeitkurve bei Musikräumen des Barock zu tiefen Frequenzen hin leicht ab, was einen klaren und durchsichtigen Klangeindruck vermittelt. Bei großen Sälen z.B. der Romantik hingegen steigt die Nachhallzeit zu tiefen Frequenzen hin oftmals noch leicht an, so daß ein voller, warmer und mächtiger Klangcharakter entsteht. Die Gründe für diese unterschiedlichen raumakustischen Eigenschaften werden schnell deutlich, wenn man die filigrane und oftmals schnell gespielte Barockmusik (Vivaldi, Bach u.a.) mit der getragenen Musik der Romantik vergleicht, die durch ruhige und getragene Bläsersätze geprägt ist (Bruckner, Tschaikowski u.a.).
Neben der Nachhallzeit als der bekanntesten Größe gibt es noch eine ganze Reihe von raumakustischen Parametern, die die Akustik eines Raumes beschreiben helfen. Sie sind auf einer Sonderseite mit dem Namen "Computersimulation" aufgelistet, die die Berechnungsmöglichkeiten mit Hilfe von Computerprogrammen detailliert beschreibt.

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Erstellt am:09.08.2001, Letzte Änderung: 01.12.2003, Andreas Schmidt