Magnetische Wechselwirkungen zwischen Waage und Massenormal
Die Wägung eines Gegenstands mit einer
gewöhnlichen Waage basiert auf der Gravitationskraft, die der Gegenstand
im Gravitationsfeld der Erde erfährt. Wenn bei der Wägung andere
Kräfte, wie zum Beispiel magnetische Kräfte wirken, wird die
Waage eine unerwünschte Abweichung von der erwarteten Anzeige haben.
Solche Kräfte hängen von den magnetischen Eigenschaften des
Gegenstandes und der Waage ab. Gewichtstücke oder Massenormale enthalten
meistens ferromagnetische Materialien wie Eisen, Cobalt oder Nickel und
können daher eine hohe magnetische Suszeptibilität oder gar
eine eigene Magnetisierung haben. Die meisten modernen Waagen besitzen
elektrische Schaltkreise, Permanentmagnete oder magnetische Materialien,
die ein Magnetfeld erzeugen. Daher ist es weniger die Frage, ob magnetische
Kräfte vorhanden sind, sondern nur noch wie groß diese sind.
Zur Ermittlung der magnetischen Kräfte werden
die magnetische Suszeptibilität und die Magnetisierung der Massenormale
mit Hilfe eines Suszeptometers gemessen (R.D. Davis, J. Res. Natl. Inst.
Stand. Technol. 100 (1995), S.209-225). Um das Magnetfeld einer Waage
zu beschreiben, wurden oberhalb der Waagschale die drei kartesischen
Magnetfeldkomponenten an 15 Orten gemessen und um die entsprechenden
Umgebungsfeldkomponenten korrigiert. Diese Daten konnten für die
meisten Waagen an das Feld eines - fiktiven - magnetischen Dipols angepaßt
werden. Mit diesen Daten wurden die magnetischen Kräfte auf Massenormale
verschiedener Größe numerisch berechnet (M. Gläser,
Magnetic interactions between weights and weighing instruments, Meas. Sci. Technol. 12(2001), 709-715).
Das Bild zeigt eine typische Verteilung der vertikalen
z-Komponente der magnetischen Induktion einer Waage in Höhe
der Waagschale (
z = 0) auf einer Fläche von 10 cm x 10 cm.
Ein zylindrisches 1-kg-Gewichtstück mit einer magnetischen Suszeptibilität
von 800 (z.B. Gußeisen) und einer Magnetisierung von
µ0M = 50 µT
erfährt auf dieser Waage eine magnetische Kraft von
2,2 mg (vertikale
Komponente des Umgebungsfeldes:
40 µT).