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PTB-Untersuchungen zeigen, wie ein objektiver Hörtest noch sicherer wird
10.1.2013
[es] Das menschliche Ohr kann Töne nicht nur wahrnehmen, sondern auch erzeugen. Hört es die zwei oberen Töne eines Dur-Dreiklanges, produziert es den Grundton des Akkordes, den man dann messen kann. Dieses Phänomen, otoakustische Emission (OAE) genannt, nutzen Ohrenärzte für objektive Hörtests etwa bei Neugeborenen. Untersuchungen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zeigen, dass ein OAE-Hörtest noch verlässlicher wird, wenn man die beiden Töne nicht per Lautsprecher, sondern per Knochenleitung ans Ohr bringt.
Konventioneller OAE-Hörtest mit zwei Mini-Lautsprechern und einem Mini-Mikrofon, alle drei in einer Gehörgangssonde untergebracht.(Foto: Maico)
Bisher nimmt man für einen solchen Hörtest zwei winzige Lautsprecher, die jeweils einen Ton ins Ohr aussenden, sowie ein Miniaturmikrofon, das den dritten Ton aufzeichnet - wenn er denn kommt. Bleibt er aus, dann haben die Ärzte einen ersten Hinweis darauf, dass das Baby eine Therapie oder ein Hörgerät brauchen könnte.
Doch es kann vorkommen, dass das Ohr gesund ist und trotzdem nicht "brummt", weil nämlich einer der beiden Töne gewissermaßen auf dem Weg ins Innenohr verlorengegangen ist. Grund dafür können stehende Wellen im Gehörgang sein, ausgelöst von den beiden eingestrahlten Tönen. "Oder es liegt ein Schaden am Mittelohr vor, der verhindert, dass die Töne an die Sinneszellen im Innenohr gelangen - obwohl die an sich perfekt intakt sind. Dann vermuten die Ärzte den Schaden am falschen Ort" , erklärt PTB-Wissenschaftler Makram Zebian. Drittens kann es vorkommen, dass die Lautsprecher nicht gut genug kalibriert sind, dass sie also gar nicht zuverlässig zwei Töne mit der richtigen Frequenz erzeugen.
Alternative Tonerzeugung mithilfe eines Knochenhörers (hinterm Ohr) und eines Sondenlautsprechers (im Ohr).In der PTB lag der Fokus des Projektes eher auf der Kalibrierung von Lautsprechern und Messsonden. Aber natürlich ist das Verfahren auch interessant für Ärzte. Denn es macht den OAE-Hörtest sicherer. Die beiden Methoden könnten sich ergänzen: Hat man zunächst mit den Lautsprechern keinen Erfolg erzielt, kann das Problem am Mittel- oder am Innenohr liegen. Hat man danach aber sehr wohl über die Knochenleitungsmethode Erfolg, dann liegt ziemlich sicher ein Problem am Mittelohr vor - und nicht etwa am Innenohr. "Die Ärzte haben also die Möglichkeit einer besseren Differenzialdiagnose", so Zebian.
Jetzt müssen klinische Studien folgen. Erste Kontakte zu Kliniken sind bereits geknüpft.
Zebian, M.: Calibration of Distortion Product Otoacoustic Emission Probes. Dissertation, TU Braunschweig, Mensch & Buch Verlag, 2012 (ISBN: 978-3-86387-128-4)
Dr.-Ing. Makram Zebian, PTB-Arbeitsgruppe 1.61 Hörschall,
Telefon: (0531) 592-1435,
E-Mail: makram.zebian@ptb.de