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28.9.2007
[ptb] Mit der neuen und weltweit einzigartigen Elektronenbeschleunigeranlage der PTB in Braunschweig konnten am 25. September 2007 erstmals Elektronen auf eine Endenergie von 15 Millionen Elektronenvolt (MeV) beschleunigt werden - und dies bereits 14 Tage nach Anlieferung des ersten Therapiebeschleunigers. Die Dosisleistung der erzeugten Photonenstrahlung erreichte den Sollwert 5 Gray pro Minute (Gy/min). Damit ist gezeigt, dass alle maßgeblichen Komponeneten sowohl des Beschleunigers als auch der Infrastruktur des Neubaus - wie Lüftung, Kühlung, Sicherheitssystem - im Wesentlichen funktionieren. Nach fast 2 Jahren Bauzeit ist der Glocker-Bau, der die neue Elektronenbeschleuniger-Anlage beherbergt, nun bezugsfertig.
Die nach vollständiger Fertigstellung weltweit einzigartige Anlage erhält drei Beschleuniger: zwei medizinische Elektronenbeschleuniger der Bauart Elekta Precise und einen 11 m langen Linearbeschleuniger der Firma ACCEL aus Bergisch-Gladbach für die dosimetrische Grundlagenforschung. Insgesamt kann die Anlage Photonen- und Elektronenstrahlung im Energiebereich von 0,5 MeV bis 50 MeV erzeugen. Damit werden für unterschiedlichste Strahlenqualitäten und Bestrahlungsbedingungen Normale der Einheit Gray für die Messgröße Wasser-Energiedosis bereitgestellt.
Hauptanwendungsgebiet ist die Dosimetrie für die Strahlentherapie. Die Bedeutung wird nicht zuletzt aus der Tatsache ersichtlich, dass es allein in Deutschland jährlich 10 Millionen Bestrahlungsvorgänge gibt und die korrekte Dosierung mit ausschlaggebend für den Therapieerfolg ist.
Die drei Beschleuniger werden parallel aufgebaut und erprobt. Der Probebetrieb endet voraussichtlich in der ersten Hälfte 2008 mit der formellen Übergabe aller drei Beschleuniger an die PTB. Seit dem Baubeginn wurden Zeit- und Kostenrahmen (14 Mio Euro) eingehalten.
Technik des Therapiebeschleunigers: Links die Trommel, auf der der Beschleuniger um 360 Grad gedreht werden kann, rechts ein Versorgungsschrank.
Der ersten Elektronenstrahl in der neuen Anlage: Eine glühende Elektronenquelle schießt den Strahl mit 52 000 V (= 52 kV) in die Beschleunigungsstrecke. Hier werden die Elektronen auf die Endenergie von 15 Millionen Elektronenvolt (= 15 MeV) beschleunigt.
Ansprechpartner:
Dr. Klaus Derikum
6.2 Neubau Elektronenbeschleuniger
Telefon: (0531) 592 - 62 09
E-Mail: klaus.derikum@ptb.de