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Physikalisch-Technische Bundesanstalt

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Kalibrierung

Das Problem

Angenommen, Sie stellen Schrauben her und beziehen die dazugehörigen Muttern aus Brasilien – wie stellen Sie sicher, dass die Muttern wirklich auf Ihre Schrauben passen?

Die Lösung

Die beste Absicherung gegen eventuelle Haftungsprobleme bekommen Sie, wenn beide Firmen – Ihre und die Partnerfirma – sich freiwillig verpflichten, dieselbe Norm einzuhalten. Diese Norm kann beispielsweise festsetzen, dass die Messgeräte, die Sie zur Qualitätskontrolle in der Produktion einsetzen, eine bestimmte Genauigkeit einzuhalten haben. Wie überprüfen Sie nun diese Genauigkeit? Indem Sie Ihr Messgerät kalibrieren lassen. Dies kann in Ihrem eigenen oder in einem externen akkreditierten Laboratorium geschehen, bei besonders hohen Ansprüchen auch direkt bei der PTB.

Was ist Kalibrieren?

Kalibrieren bedeutet, dass die Abweichung der Anzeige des Messgeräts vom richtigen Wert der Messgröße ermittelt wird. Dabei legt man dem Gerät ein Objekt mit bekannten Maßen vor – ein so genanntes Normal – und bestimmt die Abweichung der Anzeige vom bekannten Maß. Das Ergebnis und die zugehörige Messunsicherheit werden in in einem Kalibrierschein festgehalten.

Im engeren Sinne bedeutet Kalibrieren nur: Ihr Messgerät wird auf Herz und Nieren getestet – also seine Messabweichung ermittelt. Wenn das Kalibrier-Laboratorium vom DKD akkreditiert ist, ist damit aber gleichzeitig ein zweiter Schritt verbunden: Ihr Messgerät wird an das jeweilige "nationale Normal" für die entsprechende Messgröße angeschlossen. Man nennt das auch "Rückführung auf das nationale Normal".

Eine geschlossene Kette

Kalibrierschein

Diese Rückführung funktioniert, weil jedes Normal in der Kalibrier-Hierarchie in einer festen Verwandtschaft zum nationalen Normal steht: Jedes Gebrauchsnormal wird regelmäßig mit dem Bezugsnormal derselben Stufe und dieses wiederum mit einem Bezugsnormal der nächsthöheren Stufe verglichen. So entsteht eine geschlossene Kalibrierkette, die Ihnen einen entscheidenden Vorteil bringt: Sie brauchen Ihr Messgerät nicht zum Kalibrieren zur PTB zu schicken. Es reicht, wenn Sie ein Normal einer "tieferen" Stufe verwenden, und dennoch wissen Sie nach der Kalibrierung: Die Rückführung auf das nationale Normal ist sichergestellt.

Und weil die einzelnen nationalen Normale ebenfalls ständig miteinander verglichen werden, können Sie und Ihre Partnerfirma am Ende davon ausgehen: Ihre Schrauben passen wirklich auf die Muttern aus Brasilien.

(Übrigens: Das Prinzip funktioniert auch bei anderen Produkten).

Der Unterschied zwischen Kalibrierung und Eichung

Kalibrier-Hierarchie

Bei beiden Vorgängen wird die Genauigkeit eines Messgeräts überprüft. Doch die Eichung ist bei bestimmten Messgeräten gesetzlich vorgeschrieben, Kalibrierungen dagegen freiwillig – es sei denn, Sie haben ein Qualitätsmanagement-System eingeführt. Dann haben Sie sich freiwillig verpflichtet, sich nach bestimmten Normen zu richten – die zum Beispiel vorschreiben, dass Ihre Messgeräte kalibriert sein müssen.


© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2012-02-28, WEB-Redaktion Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF