Was an diesem Maitag im Jahr 2000 in der Welt des Messens, der Metrologie, passierte, wäre im Ansatz vergleichbar mit der folgenden, fiktiven Meldung aus der Welt des Sports: "In der Champions League haben die Großklubs Manchester United und FC Barcelona eine enge Zusammenarbeit vereinbart – gemeinsame Trainerseminare, Spieleraustausch und Abstimmungen bei der Spieltaktik werden in Zukunft gang und gäbe sein." Was an diesem Tag tatsächlich passierte: Die metrologischen Staatsinstitute der USA und Deutschlands, das National Institute for Standards and Technology (NIST) und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), rückten gemeinsam mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) auf allerhöchstem messtechnischem Niveau enger zusammen und schlossen ein "Memorandum of Understanding" ab.

Während beim Sport durch eine solche Vereinbarung der Reiz des Spiels verloren ginge, wurde die Metrologie hingegen schlagkräftiger und konnten die wirtschaftlichen Beziehungen beider Staaten reibungsloser geknüpft werden. Diese Vereinbarung setzte auf wissenschaftlicher und technologischer Seite konsequent um, was globale politische Absicht ist: das Messwesen rund um den Globus so weit zu vereinheitlichen, dass die Wirtschaft davon deutlich profitiert. Denn der globale Warenverkehr fließt ungehinderter, wenn ihn keine technischen Handelshemmnisse bremsen. Unterschiedliche "metrologische Philosophien" können jedoch solche Hemmnisse darstellen (und tun dies in der Praxis bis heute), etwa wenn die Prüfung eines messtechnischen Geräts beim Passieren einer Landesgrenze wiederholt werden muss, da einzig der nationale Messstandard akzeptiert wird. Ausdrücklich erwähnte das Memorandum daher den Abbau solch technischer Handelshemmnisse; strittige messtechnische Fragen sollten durch beidseitig akzeptierte Vergleichsmessungen aus der Welt geschafft werden.
Das Memorandum stellte vor allem auch eins dar: eine vertrauensbildende Maßnahme der messtechnischen Kompetenz dies- und jenseits des Atlantiks. Der Austausch von Wissenschaftlern, gemeinsame Seminare und Workshops sowie wissenschaftliche und technische Kooperation in allen metrologischen Belangen sind daher zentraler Bestandteil eines Memorandums, das einen Beitrag zur Globalisierung und Harmonisierung der Metrologie bedeutet.
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