
Das nationale Normal der Bundesrepublik Deutschland für die Durchflussmessung von Erdgas steht im Ruhrgebiet, in Dorsten, auf einem Werksgelände der Ruhrgas AG, Essen, und trägt den Namen pigsar. (Foto: Ruhrgas AG)
In Deutschland war ein Kubikmeter Erdgas nicht dasselbe wie in den Niederlanden – jedenfalls vor dem September 1999. Denn die beiden Staaten ermittelten die Menge Erdgas, die durch eine Rohrleitung fließt, mit völlig unterschiedlichen Methoden. Da konnte es (vor dem entscheidenden Datum) passieren, dass dieselbe Menge Gas ganz unterschiedlich viel kostete – je nachdem, ob es von Deutschland in die Niederlande floss oder umgekehrt. Und das auf einem Markt, auf dem gigantische Mengen gehandelt werden. Allein in Deutschland fließen pro Jahr rund 95 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch die Rohrleitungssysteme zu den Endkunden; das entspricht einem Geldwert von etwa 40 Milliarden DM.
Im September 1999 einigten sich die beiden für das Messwesen zuständigen Staatsinstitute in Deutschland und in den Niederlanden, die PTB und das
Nederlands Meetinstituut (NMi), darauf, von nun an dasselbe darunter zu verstehen, wenn von einem Kubikmeter Erdgas die Rede ist. Mit diesem Kooperationsvertrag legten sich erstmals zwei nationale Staatsinstitute darauf fest, eine gemeinsame metrologische Einheit – in diesem Fall die Einheit "ein Hochdruck-Kubikmeter Erdgas" – zu realisieren.
Damit ist der Nachteil der verschiedenen Messmethoden elegant in einen Vorteil umgemünzt worden: Beide Länder behalten ihre unterschiedlichen Messverfahren bei und ermitteln aus ihren Ergebnissen einen gewichteten Mittelwert. Die Messungen sind nun sicherer und mögliche Differenzen von vornherein ausgeschlossen.
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