
Autorin: Brigitte Röthlein
Etwa bechergroß, handlich und harmlos sieht er aus, der silberglänzende, leicht abgeflachte Hohlzylinder. In Wirklichkeit ist er aber ein Objekt, das in der PTB mit allerhöchster Präzision in wochenlanger Feinarbeit mikrometergenau hergestellt wurde. Trotzdem kennen die Wissenschaftler im Fallturm in Bremen kein Pardon: In 120 Metern Höhe klinken sie eine Kapsel aus, die zwei dieser wertvollen Zylinder und viel Elektronik enthält, und lassen sie durch eine luftleer gepumpte Röhre in die Tiefe stürzen. Mit 180 Stundenkilometern schlägt das Objekt unten in einem Stoßfänger voller Kunststoffkügelchen auf. Anschließend untersuchen die Forscher, ob die Zylinder den Schlag mit bis zu 40-facher Erdbeschleunigung unbeschädigt überstanden haben. Wieso treibt man zuerst so großen Aufwand bei der Herstellung und behandelt dann diese empfindlichen Körper so rüde?
Die Experimente im Fallturm in Bremen sind als Tests notwendig, denn die Zylinder könnten in zwei Jahren die Welt verändern, zumindest die Welt der Physik. Dann sollen sie nämlich im Rahmen des Forschungsprojekts MICROSCOPE (MICRO-Satellite à traînée Compensée pour l'Observation du Principe d'Equivalence) zusammen mit zwei weiteren Hohlzylindern in einem Satelliten die Erde umkreisen und zeigen, ob sich träge und schwere Masse unterscheiden. Sollte sich bei diesem Experiment herausstellen, dass sich im Gravitationsfeld der Erde ein leichterer Zylinder anders verhält als ein ebenso großer, aber schwererer, dann müsste man die Gesetze der Physik umschreiben, dann hätten Galileo und Newton sich getäuscht. „Hier im Fallturm testen wir, ob das Instrument, das die Beschleunigungen misst, einwandfrei funktioniert“, sagt Hanns Selig, Projektleiter der Universität Bremen für die Fallversuche und deren Auswertung. „Das geht nur in der Schwerelosigkeit, die wir hier für wenige Sekunden erzeugen können.“
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