
Autor: Roland Knauer
Manchmal zieht ein banaler Fehler ein aufsehenerregendes Ergebnis nach sich. Für den PTB-Physiker Mathias Richter führte ein solcher Fehler dazu, dass er Einsteins klassischen Photoeffekt um einen interessanten Aspekt ergänzen konnte. Über dessen Interpretation werden Grundlagenphysiker wohl noch einige Zeit in ihren Journalen diskutieren.
Als er von Mathias Richters Arbeit hörte, war der PTB-Präsident etwas irritiert: „Wollen Sie wirklich Einsteins Interpretation des Photoeffekts in Frage stellen?“ fragte er. Immerhin hatte Einstein für diese Erklärung im Jahr 1921 den Nobelpreis bekommen. „Nein, wir haben seine Arbeit nur auf die Spitze getrieben“, lautete Mathias Richters Antwort. Der PTB-Wissenschaftler hatte kurzwelliges UV-Licht von so hoher Intensität benutzt, wie sie zu Einsteins Zeit noch gar nicht zur Verfügung stand. Dazu kam der Kollege Zufall, ein banaler kleiner Fehler, von dem Mathias Richter amüsiert erzählt – machte er doch aus einem alltäglichen Routine-Experiment eine Entdeckung für die Grundlagenforschung. Wie ein Urlauber, der sich beim Währungsumrechnen vertut, hatte er einmal falsch dividiert: 80 Zentimeter Spiegel-Brennweite waren geplant, tatsächlich wurden es dann aber 20 Zentimeter. Nur deshalb konnte der Röntgenlaser FLASH in Hamburg so stark fokussiert werden, dass ein einziger Röntgenblitz aus einem einzelnen Xenon-Atom 21 Elektronen praktisch gleichzeitig herauskatapultierte. Bei Albert Einstein war es nur ein Elektron.
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