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Physikalisch-Technische Bundesanstalt

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maßstäbe Heft 6
Zeitgeschichten
 

Wenn Tage im Zeitloch verschwinden

Autor: Bernd Eusemann

Die Null ist alles. Und ohne Null alles nichts. Schließlich braucht, wer zählen will, einen Anfang. Doch wie den Anfang finden? Die Zivilisationsgeschichte kennt hier viele Antworten. Im römischen Reich diente ursprünglich das mythologische Gründungsdatum Roms ("ab urbe condita") ebenso als Nullpunkt wie die persönlichen Daten bestimmter Konsuln und Kaiser. Doch Rom war nicht nur heidnisch, sondern wurde auch zum Kristallisationskeim des aufstrebenden Christentums – und dies nicht ohne Auswirkungen auf den Kalender. Die Urchristen hatten nämlich begonnen, die wachsende Zahl von Märtyrern und Heiligen auf die einzelnen Tage zu verteilen. So gewann - im Verein mit den hohen Festtagen - der römische Kalender doch allmählich christliches Gepräge. Bis im 2. Jahrhundert nach Christus offenbar auch der alte, heidnische Nullpunkt langsam als Fremdkörper empfunden wurde. Damals tauchen jedenfalls Geburt und Passion des Herrn als weiteres Zeitmaß daneben auf. Offiziell wird es aber erst im Jahre 525, als Abt Dionysius Exiguus den gebräuchlichen Kalender des Kaisers Diokletian brandmarkt: Das christliche Jahr dürfe sich nicht nach einem schlimmen Christenverfolger richten! So definierte man den Nullpunkt neu und setzte die Geburt Christi an den Beginn der Zeitrechnung. Eine Definition, die für unseren Kalender bis heute gilt.

Ob Tage einfach verschwinden können, lesen Sie in den gedruckten maßstäben.

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© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2011-11-17, WEB-Redaktion Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF