
Autorin: Andrea Hoferichter
Zunächst dachte Pieter Grootes, Professor am Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung der Universität Kiel, er hätte sich geirrt. Auf höchstens 5000 Jahre brachte es seinen Messungen zufolge der Menschenschädel, der aus der Vogelherdhöhle auf der Schwäbischen Alb stammte. Doch Kontrollmessungen bestätigten den Befund. Ein Schock für viele Archäologen. Jahrzehntelang waren sie davon ausgegangen, der zum Schädel gehörende Mensch hätte zig Jahrtausende früher gelebt. Schließlich lagen seine Gebeine neben filigranen Skulpturen aus Mammut-Elfenbein, die aus der jüngeren Altsteinzeit stammen und demnach rund 35 000 Jahre alt sind. Als das Skelett auftauchte, hatte man vermutet, jetzt den dazugehörigen Künstler gefunden zu haben – und damit einen Beweis dafür, dass anatomisch moderne Menschen die ersten Kunstschaffenden Europas waren. Nun, da klar ist, dass dieser Mensch in einer viel späteren Zeit dort begraben wurde, ist die Frage wieder offen: Waren die ersten Künstler etwa doch Neandertaler? Zwar gelten sie gemeinhin als etwas tumb, waren aber doch zweifelsfrei zur richtigen Zeit im Schwabenländle.
Die gedruckte Ausgabe der maßstäbe ermöglicht Ihnen Einblicke in Uhren aus Sand und Asche
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