
Autorin: Nicole Geffert
In der Werbung sieht das immer proper aus: Erst Reiniger aufsprühen, dann mit Wasser abbrausen und - schwuppdiwupp - macht die trübe Kachel jedem Spiegel Konkurrenz. Seifenreste, Kalk und Flecken – wie von Zauberhand entfernt. Mein Bad widersetzt sich derartiger Magie. Erst die handfeste Zuwendung von Schwamm und Tuch sorgt hier für Glanzeffekte, die leider nur von kurzer Dauer sind.
Die Natur ist uns zivilisierten Sauberkeitsfanatikern dagegen weit voraus: Sie hat Oberflächen, die sich selbst reinigen, hervorgebracht und im Laufe der Evolution perfektioniert. Das Phänomen heißt Lotus-Effekt und wurde Mitte der 1970er Jahre am Botanischen Institut der Universität Bonn von Wilhelm Barthlott und seinem Team entdeckt und zwanzig Jahre später ausführlich beschrieben. Die Bezeichnung Lotus-Effekt geht auf eine Pflanze zurück, die in der hinduistischen Religion von jeher als Symbol der Reinheit gilt: die heilige Lotusblume. Ihre Blätter entfalten sich trocken und makellos sauber aus dem Schlamm der Gewässer. Im Gegensatz zu meinen Fliesen und Kacheln perlen Wassertropfen von den Blättern der Lotusblume einfach ab und entfernen dabei alle Schmutzpartikel. Wie schafft sie das so mühelos?
Nie wieder Auto waschen? Die gedruckten maßstäbe kennen die Antwort.
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