
Der Gelehrte Carl Friedrich von Weizsäcker, aufgenommen am 17.6.2002 in München. Am 28. Juni wird der Physiker, Philosoph und Friedensforscher 90 Jahre alt. Seit seinen Anfängen hat er das geistig-politische Leben der Bundesrepublik beeinflusst. Zwei Mal war er als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch und verzichtete zu Gunsten seiner wissenschaftlichen Arbeit dann doch auf die Kandidatur.
Autor: Jens Simon
Dienstag, 2. September 2003, 9:55 Uhr, Rott am Inn, Oberbayern. Zwei Redakteure der maßstäbe sind unterwegs - mit nichts weniger im Gepäck als dem Auftrag, einen großen Gelehrten des 20. Jahrhunderts zu befragen: Carl Friedrich von Weizsäcker, geboren 1912. Wie und was denkt der in Physik, Philosophie und Theologie weit Gewanderte über den Zufall? Von Weizsäcker, der seine Fußspuren in soviel verschiedenen (und vielleicht doch zusammen gehörenden) Wissensgebieten hinterlassen hat, wird sich auch im Labyrinth des Zufalls zurechtfinden.
maßstäbe: Verstehen Sie, warum die Philosophie soviel Probleme mit dem Zufall hatte und hat?
CFvW: Es stimmt schon, dass sich einige Philosophen mit dem Zufall sehr schwer getan haben, ihn nicht akzeptieren konnten. Der Determinismus ist eine starke Denktradition in der Philosophie. Aber dies ist nicht einheitliche Meinung der Philosophie. Die Philosophie ist einfach nicht einheitlich. Position und Gegenposition wechseln sich in der Philosophie bis heute ab. Das ist in der Physik anders: Eine wirklich gute Idee braucht vielleicht zehn Jahre bis sie, wenn sie wirklich gut ist, sich allgemein in der Physik durchgesetzt hat. Eine solche Tendenz zur Vereinheitlichung kennt die Philosophie nicht. Aber das mag daran liegen, dass das Programm der Philosophen, im Gegensatz zu dem der Physiker, das anspruchsvollere Unternehmen ist.
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