
Autoren: Erika Schow/Jens Simon
Erika Schow und Jens Simon sprachen mit Gijs van Tuyl, Kunsthistoriker und Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, einem international bedeutenden Museum für moderne Kunst.
Redaktion: Herr van Tuyl, welche Farbe hat Kunst für Sie? Und welche Farbe hat Physik?
van Tuyl: So generell - rein assoziativ? Vielleicht ist Physik weißes Licht. Klarheit. Und Künstler wählen natürlich aus - bestimmtes Licht. Kunst ist vielleicht blau. Das geht bei mir auf eine Jugendliebe zurück: Mein erster großer Eindruck von Kunst waren diese "Collages Découpés", diese Scherenschnitte von Matisse, die ich im Stedelijk Museum in Amsterdam gesehen habe. Nicht nur blau, aber die blauen haben mich am meisten beeindruckt. Blau hat etwas mit Purheit zu tun, mit Ferne und auch mit Nähe.
Matisse hat einmal gesagt, ein Quadratmeter Blau sei blauer als ein Quadratzentimeter desselben Blaus.
Da hat er absolut Recht. Im 20. Jahrhundert hat man festgestellt, dass Farbe und Form eng zusammenhängen. Das kann man auch mit Rot machen, wie bei Barnett Newman: Wenn man eine Riesenfläche Rot hat, dann ist es mehr Rot als nur ein Tropfen. Die Farbe ändert sich durch die Größe. Wenn man einen Stuhl anstreichen möchte und hat nur ein kleines Farbmuster, dann bekommt man einen ganzen anderen Stuhl, als man sich vorher vorgestellt hat.
Warum ein Interview über Kunst in eine naturwissenschaftliche Zeitschrift geraten ist? Lesen Sie das vollständige Interview in den gedruckten maßstäben.
Druckansicht,