zum Seiteninhalt

Physikalisch-Technische Bundesanstalt

PublikationenZeitschriftenmaßstäbemaßstäbe 2 - Größen des Sports > Bis das Blut gefriert
maßstäbe Heft 2
Größen des Sports

Bis das Blut gefriert

Autor: Rudolf Ites

Atemlose Tauchtour unter Eis

Von einem "Highlight" in Tirols Bergen mit artenreicher Flachwasserzone und einem großem Steinkrebsbestand schwärmt der Prospekt des Tauchercamps. Doch die Wissenschaftler, die im Februar an den österreichischen Plansee kamen, interessierten sich nicht für die Krebse und wollten auch nicht die Unterwasserwelt genießen. Sie wollten Blut. Blut von ganz besonderen Tauchern.

Einen umständlicheren Aderlass hat es wohl noch nie gegeben: Es ist Februar. Zwei Taucher, Kerstin und Benjamin, plantschen in einem rechteckigen, quadratmetergroßen Wasserloch in der Eisdecke. Über ihnen spannt sich eine pyramidenförmige Konstruktion: ein Tauchschlitten, der sie gleich in die Tiefe ziehen wird. Um das Eisloch herum drängen sich viele Helfer, Zuschauer, Kameraleute. Es herrscht Tauwetter, die nur 25 Zentimeter dicke spiegelglatte Fläche ächzt und knarrt unter der Menschenlast.

Plötzlich kommt Bewegung in die Menge. Alle treten beiseite, machen Platz für einen Arzt, der am Eisrand niederkniet und beiden Tauchern Blut abnimmt. Dann geht es los: Benjamin und Kerstin ergreifen die Griffe des Tauchschlittens, atmen konzentriert ein und aus. Benjamin entriegelt den Schlitten: Mit dem Kopf voran stoßen beide ins dunkle, nur 4 Grad Celsius "warme" Wasser hinab. Ein Gewicht an einer Führungsleine zieht sie in die Tiefe. Eine Weile geschieht nichts, das schäumende Wasser beruhigt sich wieder. Dann schießt ein luftgefüllter Kunststoffsack aus dem Wasser, gefolgt von Kerstin und Benjamin. Während beide noch nach Luft ringen, wird ihnen wiederum Blut abgezapft. Helfer bringen die Ampullen ans nahe Seeufer.

Eine merkwürdige Szene, die sich noch mehrfach wiederholte, an diesem Februartag auf dem Plansee. Das Spitzenereignis blieb allen Zuschauern jedoch verborgen: Nur ein Arzt, einige Begleittaucher und ein Unterwasserkameramann waren dabei, als Benjamin in 30 Metern Tiefe ebenfalls Blut abgenommen wurde. Benjamin und Kerstin sind Apnoetaucher. Sportler, die ohne Druckluft weite Strecken unter Wasser zurücklegen oder in enorme Tiefen herabtauchen können – mit einer einzigen Lungenfüllung. Die beiden "Blutspender" vom Plansee zählen sogar zu den besten ihrer Zunft.

Warum die beiden für die Wissenschaft die Luft anhalten, lesen Sie in den gedruckten maßstäben.

Download im pdf-Format


© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2011-11-17, WEB-Redaktion Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF