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Physikalisch-Technische Bundesanstalt

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Physik ist...
Antworten zum Fragebogen von Uwe Keyser
Zum Zeitpunkt des Interviews Leiter des PTB-Fachbereichs "Experimentelle Forschungsschwerpunkte"

Uwe Keyser

1. Warum haben Sie sich für ein Physikstudium entschieden? Aus wissenschaftlicher Neugier, um den Dingen auf den Grund gehen zu können

2. Wo haben Sie Physik studiert?
Hauptsächlich in Braunschweig

3. Haben Sie in der Schule ein physikalisches Experiment erlebt, das Sie besonders beeindruckt hat?
Tesla-Transformator; Gravitationswellen-Detektion

4. Ihr physikalisches Aha-Erlebnis?
Unterschied zwischen 2- und 3-Körperzerfall

5. Haben Sie einen Lieblingsversuch?
Drehwaage von Cavendish

6. Gibt es ein völlig anderes Fach, das Sie ebenfalls interessiert?
Neurologie

7. Berufswunsch als Kind?
Physiker

8. Hatten Sie je einen Chemiebaukasten Ja

9. Woran erkennt man eine/n PhysikerIn?
An der Neugier; Experimentalphysiker nehmen bestenfalls erst ein neues Gerät in Betrieb, ehe sie die Gebrauchsanleitung lesen.

10. Ihre Tipps für angehende Physikstudenten?
Offen sein für die vielen ungelösten Fragen trotz gegenteiliger Behauptungen in vielen Kursvorlesungen.

11. Gehört zum richtigen Messen eine gehörige Portion Ehrgeiz?
Nein.

12. Wer viel misst, misst viel Mist... ist in dieser Redensart ein Körnchen Wahrheit verborgen?
Ja - ohne Einschränkung!

13. Verstehen Sie die Quantenmechanik?
Ich kann damit umgehen; aber ich kenne niemanden, der die QM versteht.

14. Was sind Lichtquanten?
Bosonen, Austauschteilchen der elektromagnetischen Wechselwirkung.

15. Ein Trip zum Mond – wäre das etwas für Sie?
Ja sofort! - für meine Tochter auch; für meine Frau und meine beiden Söhne eher nicht.

16. Ihr Lieblingsmessinstrument?
Digitales Multimeter

17. Beherrschen Sie ein Musikinstrument?
Beherrschen? - leider nein.

18. Auf welches Messinstrument könnten Sie am wenigsten verzichten?
Oszillograph

19. Welches Messinstrument finden Sie überflüssig?
Keines: jedem sein Plaisirchen.

20. Warum ist die Welt da? Weil eine Maus sie anguckt?
Das kann man so sehen, aber dies ist wohl eine philosophische Frage.

21. Eine gute Messung wird stets sehr sorgfältig, ja fast feierlich, durchgeführt. Ist diese Zeremonie einer heiligen Handlung vergleichbar?
Dem ersten Teil des ersten Satzes kann man zustimmen; der Rest ist aus meiner Sicht Blödsinn.

22. Was ist in Ihren Augen das Wichtigste bei einer Messung?
Das Ergebnis

23. Richtiges Messen – ein Handwerk oder eine Wissenschaft?
Kann beides sein je nachdem, ob es um Routine oder die Grenze des Machbaren geht.

24. Verraten Sie drei Eckpunkte Ihrer Biographie?
Ja! Entscheidung für die Forschung; Heirat; Geburt der 3 Kinder.

25. Gibt es für Sie Dinge, die sich nicht messen lassen? Wenn ja, welche?
Den Glauben

26. Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal das Urkilogramm in Paris gesehen?
Ja

27. Das Internet ist ja bekanntlich von Physikern erfunden worden, um gewissermaßen "in der Schwerelosigkeit" zu kommunizieren. Wären Sie gern mit im Team der "ersten Internet-Stunde" gewesen?
Nein, obwohl ich am CERN in der Nähe war.

28. Welche(n) PhysikerIn bewundern Sie?
Keine(n), aber Emmy Noether und Dirac möchte ich hervorheben.

29. Beenden Sie den Satz: Ein Leben ohne Messungen ist ...
denkbar, aber für einen echten Experimentallphysiker schwer vorstellbar.

30. Goethes angeblich letzten Worte lauteten „mehr Licht!“ Was sollte Ihre letzte Messung sein?
Eine, die mehr zum Verständnis der "fundamentalen" Wechselwirkungen in der Natur beiträgt (vorzugsweise: schwache Wechselwirkung).

31. Erinnern Sie sich an die wichtigste Messung Ihres Lebens?
Ja - der experimentelle Nachweis von Unterschalen in neutronenreichen Atomkernen

32. Es gab eine Zeit, in der physikalische Experimente plötzlich politisch hochbrisant wurden. Wie politisch kann Physik in Ihren Augen sein?
Die naturwissenschaftliche Erkenntnis selbst überhaupt nicht - aber deren Umsetzung.

33. Lässt sich in der Physik noch etwas Neues entdecken? Ja, unaufhörlich

34. Ist die Natur tatsächlich so, wie Physik, Biologie und Chemie sie beschreiben? Wohl eher nicht, aber mathematisch formulierbare Gesetzmäßigkeiten kann man als allgemeingültig ansehen.

35. Versuchen Sie eine Definition: Zufall ist... die Beschreibung eines Sachverhalts den wir noch nicht erklären können; frei mit H. v. Kleist kann man sagen: ... "ich grüße jenen großen Geist in 500 Jahren".


© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2011-11-17, WEB-Redaktion Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF