
Niels Bohr (1885–1962)
1. Warum haben Sie sich für ein Physikstudium entschieden? Für Bohr war das gar keine Frage. "Im Jahre 1903 legte ich das Abitur an der Gammelholm Latein- und Oberrealschule ab und begann ein Physikstudium an der Universität Kopenhagen."
2. Wo haben Sie Physik studiert? Kopenhagen, Cambridge und Manchester
3. Haben Sie in der Schule ein physikalisches Experiment erlebt, das Sie besonders beeindruckt hat? "In Manchester führte ich eine theoretische Untersuchung über den Geschwindigkeitsverlust aus, den atomare Teilchen beim Durchgang durch Materie erleiden. Dabei ergriffen mich besonders die Aussichten, welche sich durch die Entdeckung des Atomkerns zu einer weitergehenden Aufklärung der Eigenschaften und Verwandtschaften der Elemente eröffneten; diese konnte offensichtlich doch nur durch tiefgehende Abweichungen von den auf so vielen Gebieten fruchtbaren und vollständigen Gesichtspunkten der klassischen Physik verwirklicht werden."
4. Ihr physikalisches Aha-Erlebnis? "Contraria sunt complementa – Gegensätze sind komplementär". Im Jahr 1913 erzählte man Bohr, dass "die Wellenlängen einer ganzen Serie von Spektrallinien im Wasserstoffspektrum mit Hilfe ganzer Zahlen ausgedrückt werden können. Diese Information, sagte er [Bohr], habe einen unauslöschlichen Eindruck bei ihm hinterlassen.
6. Gibt es ein völlig anderes Fach, das Sie ebenfalls interessiert? Philosophie (Erkenntnistheorie) und Fußball. Zusammen mit seinem Bruder Harald (Mathematiker und zugleich einer der populärsten dänischen Fußballspieler) spielte Bohr leidenschaftlich Fußball.
8. Hatten Sie je einen Chemiebaukasten? Nein, eine Werkbank und später eine Drehbank. Handwerklich begabt, reparierte Niels Bohr leidenschaftlich Gegenstände vom Fahrrad bis zur Uhr.
10. Ihre Tipps für angehende Physikstudenten? "Versuche, deren Ergebnisse mit der Theorie übereinstimmen, sind ohne Interesse. Von Bedeutung dagegen sind Ergebnisse, die nicht mit der Theorie übereinstimmen, da wir von ihnen etwas Neues lernen können."
14. Was sind Lichtquanten? Einstein stellte die so genannte "Lichtquantenhypothese" auf, "nach der die Strahlungsenergie im Gegensatz zu Maxwells elektromagnetischer Lichttheorie sich nicht in elektromagnetischen Lichtwellen fortpflanzen sollte, sondern in Lichtatomen geringerer Größe, von denen jedes gerade eine Energiemenge enthält, die einem Strahlungsquantum entspricht."
16. Ihr Lieblingsmessinstrument? Der Witz. – "Es gibt Dinge, die so ernst sind, daß man nur Witze darüber machen kann."
17. Beherrschen Sie ein Musikinstrument? Nein
22. Was ist in Ihren Augen das Wichtigste bei einer Messung? "Das Entscheidende ist die Unmöglichkeit einer scharfen Trennung zwischen dem Verhalten atomischer Objekte und der Wechselwirkung mit den Meßinstrumenten, die zur Bestimmung der Bedingungen dienen, unter denen die Phänomene auftreten."
24. Verraten Sie drei Eckpunkte Ihrer Biographie? 1911– Bekanntschaft mit Ernest Rutherford, 1922 – Nobelpreis für Physik, tiefe Erschütterung über den Abwurf von Atombomben über Japan im August 1945 – (Bohr hatte sich bemüht, den militärischen Einsatz der Kernspaltung zu verhindern und plädierte im beginnenden Kalten Krieg für die Offenheit der Wissenschaften, was dem Wettrüsten die Voraussetzung nehmen sollte)
28. Welche(n) PhysikerIn bewundern Sie? Ernest Rutherford. Er beantwortete einen Brief Bohrs mit folgendem Kommentar. "Ihr Brief klingt alamierend, Sie können aber nicht erwarten, daß das ganze Problem der modernen Physik in ein paar Jahren zu lösen ist. Freuen Sie sich doch darüber, daß noch eine Menge zu tun übrigbleibt." Bohr schätzte diesen Brief sehr.
29. Beenden Sie den Satz: Ein Leben ohne Messungen ist ... "Das erinnert mich an den kleinen Jungen... Der kleine Junge ging zum Krämer mit einem Penny im der Hand und fragte: Kann ich gemischte Bonbons für einen Penny haben? Der Händler nahm zwei Bonbons, gab sie dem Jungen und sagte: Da hast du sie. Das Mischen kann du selbst besorgen."
32. Es gab eine Zeit, in der physikalische Experimente plötzlich politisch hochbrisant wurden. Wie politisch kann Physik in Ihren Augen sein? "Der Fortschritt der physikalischen Wissenschaft, der es ermöglicht hat, durch Atomspaltung ungeheure Energiemengen freizusetzen, leitet eine wirkliche Revolution im Bereich der dem Menschen verfügbaren Ressourcen ein, welche für die Zivilisation eine überaus ernste Herausforderung darstellt.[...] Die schrecklichen, dem Menschen nunmehr verfügbaren Destruktivkräfte werden für die Zivilisation offenbar zu einer tödlichen Bedrohung, wenn nicht rechtzeitig eine allgemeine Übereinkunft hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Verhinderung unverantwortlichen Gebrauchs der neuen Energiequellen erreicht werden kann." Leider verhinderte Bohrs Appell an Churchill und Roosevelt nicht, dass im August 1945 über Hiroshima und Nagasaki Atombomben eingesetzt wurden.
34. Ist die Natur tatsächlich so, wie Physik, Biologie und Chemie sie beschreiben? "Mit dem Geschirrwaschen ist es doch genau wie mit der Sprache. Wir haben schmutziges Spülwasser und schmutzige Küchentücher, und doch gelingt es, damit die Teller und Gläser schließlich sauberzumachen. So haben wir in der Sprache unklare Begriffe und eine in ihrem Anwendungsbereich in unbekannter Weise eingeschränkte Logik, und doch gelingt es, damit Klarheit in unser Verständnis der Natur zu bringen."
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