zum Seiteninhalt

Physikalisch-Technische Bundesanstalt

PublikationenOnline-MagazinIm BlickpunktPhysik ist... > Hermann von Helmholtz
Physik ist...
Antworten zum Fragebogen von Hermann von Helmholtz (1821 – 1894)
(Quellen: Leo Koenigsberger, "Hermann von Helmholtz", Braunschweig 1902/ Helmut Rechenberg, "Hermann von Helmholtz, Bilder seines Lebens und Wirkens", Weinheim, New York, Basel, Cambrigde, Tokyo 1994)

Hermann von Helmholtz (1821 – 1894)

1. Warum haben Sie sich für ein Physikstudium entschieden? Helmholtz konnte aus finanziellen Gründen nicht Physik studieren, empfand sich aber als "geborenen Physiker".

2. Wo haben Sie Physik studiert? Helmholtz studierte Medizin am Friedrich-Wilhelm-Institut (der so genannten Pépinière) in Berlin, wo er die Verpflichtung einging, nach Abschluss des Studiums acht Jahre als Militärarzt zu dienen. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Leistungen wurden ihm drei dieser abzuleistenden Dienstjahre erlassen.

3. Haben Sie in der Schule ein physikalisches Experiment erlebt, das Sie besonders beeindruckt hat? Welches physikalische Experiment beeindruckt Sie?
Helmholtz berechnete, während die Klasse Cicero oder Vergil las, unter der Bank den Gang der Strahlenbündel durch Teleskope.

4. Ihr physikalisches Aha-Erlebnis?
"Das Gesetz der Erscheinungen finden, heisst sie begreifen."

5. Haben Sie einen Lieblingsversuch? Helmholtz beschäftigte sich zeitlebens mit Versuchen zur Sinnesempfindung.

6. Gibt es ein völlig anderes Fach, das Sie ebenfalls interessiert? Philosophie

8. Hatten Sie je einen Chemiebaukasten? Nein, Helmholtz spielte viel mit Bauklötzchen.

17. Beherrschen Sie ein Musikinstrument?
Helmholtz spielte Klavier.

21. Eine gute Messung wird stets sehr sorgfältig, ja fast feierlich, durchgeführt. Ist diese Zeremonie einer heiligen Handlung vergleichbar?
"In Helgoland war ein Augenblick, in dem es mir wie eine Erleuchtung kam, als ich sah, daß die Energie zeitlich konstant war. Es war ziemlich spät in der Nacht. Ich rechnete es mühsam aus, und es stimmte. Da bin ich auf einen Felsen gestiegen und habe den Sonnenaufgang gesehen und war glücklich."

24. Verraten Sie drei Eckpunkte Ihrer Biographie?
1848 – Entlassung aus dem Militärdienst als Militärarzt (fortan Physiker), 1850 – Erfindung des Augenspiegels, 1888 – Präsident der 1887 gegründeten Physikalisch-Technischen Reichsanstalt.

25. Gibt es für Sie Dinge, die sich nicht messen lassen? Wenn ja, welche? "An der scharfen Formulierung des Kausalgesetzes "Wenn wir die Gegenwart genau kennen, können wir die Zukunft berechnen," ist nicht das Nachsatz, sondern die Voraussetzung falsch. Wir können die Gegenwart in allen Bestimmungsstücken prinzipiell nicht kennenlernen. Deshalb ist alles Wahrnehmen eine Auswahl aus einer Fülle von Möglichkeiten und eine Beschränkung des zukünftig Möglichen."

28. Welche(n) PhysikerIn bewundern Sie? Johannes Müller, der allerdings nicht Physiker, sondern Physiologe und Anatom war. Seine Suche nach der "Lebenskraft" zog viele jüngere Naturwissenschaftler in seinen Bann. Auch physikalische und chemische Untersuchungen wurden dazu aufgenommen. Die spätere Abkehr von der Vorstellung einer allumfassenden "Lebenskraft", die Müllers Schüler unternahmen, bedeutete eine Zäsur in der Geschichte der Naturwissenschaften.

29. Erinnern Sie sich an die wichtigste Messung Ihres Lebens? Vielleicht die schwere und unheilbare Krankheit seiner Frau. Helmholtz schreibt, er habe "das reinste und höchste Glück genossen, welches die Erde bieten kann, es war für diese Erde zu schön.""Sie war neben ihm erloschen", schrieb ihre Schwester (,die seit 1852 bei Helmholtz wohnte). "Während des letzten Jahres schon starb ihr inneres Leben Schritt für Schritt, ihre Interessen, ihre Antheilnahme erlahmte. Nur im Tode war sie wieder auf ihrer alten geistigen und moralischen Höhe. So war Helmholtz lange schon ein einsamer Mann, als sie schied, und der Blick in die Zukunft mit zwei kleinen Kindern und ihrer Grossmutter, die trotz aller Hingabe und Opferfreudigkeit doch eben eine alte Frau war, sehr trübe."

32. Es gab eine Zeit, in der physikalische Experimente plötzlich politisch hochbrisant wurden. Wie politisch kann Physik in Ihren Augen sein? Mit unter den Gründern eines Institutes für "naturwissenschaftliche und präzisionsmechanische Studien" zu sein, das dann "Physikalisch-Technische Reichsanstalt" genannt wurde, trug Helmholtz den Ruf eines "Reichskanzlers der Naturwissenschaften" ein.

35. Versuchen Sie eine Definition: Zufall ist..."in Wirklichkeit nur der Ausdruck für die Mangelhaftigkeit unseres Wissens und die Schwerfälligkeit unseres Combinationsvermögen. Ein Geist, der die genaue Kenntnis der Thatsachen hätte und dessen Denkoperationen schnell und präcis genug vollzogen würden, um den Ereignissen vorauszueilen, würde in der wildesten Launenhaftigkeit des Wetters nicht weniger, als im Gange der Gestirne, das harmonische Walten ewiger Gesetze anschauen, das wir nur vorraussetzen und ahnen."


© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2011-11-17, WEB-Redaktion Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF