
Gesine Grosche
1. Warum haben Sie sich für ein Physikstudium entschieden? Beim Studium der Mathematik und Naturwissenschaften wurde mir klar, dass meine Denkweise der der Physiker am ehesten ähnelt. Nicht die behandelten Themen oder Probleme, sondern die Methoden waren entscheidend.
2. Wo haben Sie Physik studiert? In Cambridge und London
3. Haben Sie in der Schule ein physikalisches Experiment erlebt, das Sie besonders beeindruckt hat? Welches physikalische Experiment beeindruckt Sie? Gekoppelte Pendel
4. Ihr physikalisches Aha-Erlebnis? Die statistische Mechanik – ein bisschen Quantenmechanik und etwas Zählen: schon kann man makroskopisch erfassbare Dinge wie Wärmekapazität errechnen.
5. Haben Sie einen Lieblingsversuch? Die Bestätigung des archimedischen Prinzips im Selbstversuch (unter Wasser)
6. Gibt es ein völlig anderes Fach, das Sie ebenfalls interessiert? Etymologie / Linguistik
7. Berufswunsch als Kind? Philosophin
8. Hatten Sie je einen Chemiebaukasten? JA!
9. Woran erkennt man eine/n PhysikerIn? Hoffentlich: an dem unstillbaren Verlangen, Dinge zu hinterfragen, ihnen auf den Grund zu gehen
10. Ihre Tipps für angehende Physikstudenten? Lassen Sie sich nicht durch starre Strukturen unterkriegen. Stimmen Sie mit den Füßen ab. Physik soll Spaß machen.
11. Gehört zum richtigen Messen eine gehörige Portion Ehrgeiz? Nein – nur Einsicht und Geduld. "Falsches" Messen ist per definitionem wertlos.
12. Wer viel misst, misst viel Mist... ist in dieser Redensart ein Körnchen Wahrheit verborgen? Nur wer viel Mist gemessen hat, lernt, wie er mit wenigen Messungen das Entscheidende misst.
13. Verstehen Sie die Quantenmechanik? Was verstehen Sie unter Verstehen? Wir verstehen doch fast gar nichts. Wenn Verstehen aber bedeutet: unter Annahme einer Modellvorstellung in der Lage sein, neue Beobachtungen vorherzusagen, dann ist die Quantenmechanik da nichts Besonderes. Man muss bestimmte Dinge akzeptieren. Die Folgen sind dann ohne Weiteres zu "verstehen".
Übrigens: Gerade die Quantenmechanik hat direkt erkennbare Auswirkungen in ganz vielen Experimenten. Die Quantenmechanik ist z.B. in der Optik und der Festkörperphysik "anfassbar" geworden.
14. Was sind Lichtquanten? Erscheinungen, die bestimmte Eigenschaften, z.B. die Proportionalität zwischen Energie und Frequenz mit h als Proportionalitätskonstante erfüllen.
15. Ein Trip zum Mond – wäre das etwas für Sie? Ja, sofort (übers Wochenende)
16. Ihr Lieblingsmessinstrument? Eine Nachweiskarte für IR-Strahlung! Extrem zuverlässig und nicht kalibrierfähig
17. Beherrschen Sie ein Musikinstrument? Mein Klavier beherrscht wohl eher mich.
18. Auf welches Messinstrument könnten Sie am wenigsten verzichten? Z.Zt.: das Oszilloskop
19. Welches Messinstrument finden Sie überflüssig? Kann ein bewusst geschaffenes Werkzeug überflüssig sein? Verschiedene Instrumente mögen obsolet geworden sein.
20. Warum ist die Welt da? Weil eine Maus sie anguckt? Warum ist die Maus da? Damit die Welt angesehen werden und existieren kann? Und wenn die Katze kommt?
21. Eine gute Messung wird stets sehr sorgfältig, ja fast feierlich durchgeführt. Ist diese Zeremonie einer heiligen Handlung vergleichbar? Ein gute Messung wird manchmal nach 537 schlechten Messungen morgens um 2:30 Uhr durchgeführt. Zu heiligen Waschungen ist vor dieser Tat meist keine Zeit.
22. Was ist in Ihren Augen das Wichtigste bei einer Messung? Die Modellvorstellung und die Bereitschaft, davon abweichende Beobachtungen zu machen
23. Richtiges Messen – ein Handwerk oder eine Wissenschaft? Handwerk, Einstellung und Erfahrung
24. Verraten Sie drei Eckpunkte Ihrer Biographie? Geburt. Die Entdeckung der Winzigkeit menschlichen Daseins beim ersten (bewussten) Flug in einem Segelflugzeug im Alter von 4 Jahren (als Passagier, damit hier keine Missverständnisse aufkommen!). Die Entdeckung der Dummheit einige Jahre später.
25. Gibt es für Sie Dinge, die sich nicht messen lassen? Wenn ja, welche? Nur wenige Dinge lassen sich messen.
26. Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal das Urkilogramm in Paris gesehen? Leider nicht
27. Das Internet ist ja bekanntlich von Physikern erfunden worden, um gewissermaßen "in der Schwerelosigkeit" zu kommunizieren. Wären Sie gern mit im Team der "ersten Internet-Stunde" gewesen? Nein. Es gab vorher auch Amateurfunk u.ä. – das Besondere am Internet sehe ich in der Einfachheit und weltweiten Verbreitung.
28. Welche(n) PhysikerIn bewundern Sie? Vor allem jene, die z.T. isoliert unter sehr schwierigen äußeren Bedingungen weiterarbeiten
29. Beenden Sie den Satz: Ein Leben ohne Messungen ist ... eintönig.
31. Erinnern Sie sich an die wichtigste Messung Ihres Lebens? Ja
33. Lässt sich in der Physik noch etwas Neues entdecken? Ganz einfach gedacht: wir haben die Physik der kleinen Skalen in der Quantenmechanik. Was wissen wir über die Physik extrem kurzer Zeiten?
34. Ist die Natur tatsächlich so, wie Physik, Biologie und Chemie sie beschreiben? Tautologische Frage. Unsere Beschreibung gibt annähernd wieder, was Natur für menschliche Wesen sein kann. Damit ist das, was wir Natur nennen, so.
35. Versuchen Sie eine Definition: Zufall ist... nötig.
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