Annette Paul
1. Warum haben Sie sich für ein Physikstudium entschieden? Weil mich die Enstehung und die Gesetze unseres Universums faszinieren.
2. Wo haben Sie Physik studiert? TU Braunschweig
3. Haben Sie in der Schule ein physikalisches Experiment erlebt, das Sie besonders beeindruckt hat? Welches physikalische Experiment beeindruckt Sie? Ich habe als Folge einer Unterrichtsstunde über Induktion einen Draht zu einer Spule gebogen, diese über eine Batterie mit Strom versorgt und dann einen Kompass in die Nähe gehalten. Induktion! (7. Klasse)
4. Ihr physikalisches Aha-Erlebnis? Keine Symmetrie ohne Erhaltungssatz, kein Erhaltungssatz ohne Symmetrie.
5. Haben Sie einen Lieblingsversuch? Nein, aber aber ich verfolge alle aktuellen kernphysikalischen Experimente mit großem Interesse. Für einen der bedeutensten Versuche (und so simpel!) halte ich den photoelektrischen Effekt.
6. Gibt es ein völlig anderes Fach, das Sie ebenfalls interessiert? Geschichte, Psychologie und Kunst (in dieser Reihenfolge – meistens ;-))
7. Berufswunsch als Kind? Lehrerin (6 Jahre), Rechtsanwältin (12 Jahre), Physikerin (17 Jahre)
8. Hatten Sie je einen Chemiebaukasten? Nein, aber ich habe mir einen gebaut.
9. Woran erkennt man eine/n PhysikerIn? Bei einem neuen Gerät wirft er/sie das Anleitungsbuch weg, schaltet ein, drückt auf alle Knöpfe und baut dann alles auseinander.
10. Ihre Tipps für angehende Physikstudenten? Macht, was Euch Spaß macht, dann seid ihr darin auch richtig gut.
11. Gehört zum richtigen Messen eine gehörige Portion Ehrgeiz? Nein, Begeisterung, Hingabe und manchmal Opferbereitschaft. Der Ehrgeiz will die Anerkennung für diese Leistung, aber erst nach der Messung.
12. Wer viel misst, misst viel Mist... ist in dieser Redensart ein Körnchen Wahrheit verborgen? Ja, mehr als ein Korn
13. Verstehen Sie die Quantenmechanik? Manchmal – verstehe ich etwas davon.
14. Was sind Lichtquanten? Photonen. Die Teilcheneigenschaft einer Strahlung, die lange nur einen Wellencharakter zu haben schien:
15. Ein Trip zum Mond – wäre das etwas für Sie? Ja, sofort
16. Ihr Lieblingsmessinstrument? HP Ge-Detektor
17. Beherrschen Sie ein Musikinstrument? Nein
18. Auf welches Messinstrument könnten Sie am wenigsten verzichten? Man kann alles wieder neu bauen, daher kann man auch auf alles verzichten.
19. Welches Messinstrument finden Sie überflüssig? Gar keins
20. Warum ist die Welt da? Weil eine Maus sie anguckt? Es ist unsere Aufgabe, das herauszufinden. Eine Herausforderung an die Menschheit, nicht so sehr an die Mäuse. Die aktuelle Vermutung lautet, weil die Suppe geblubbert hat.
21. Eine gute Messung wird stets sehr sorgfältig, ja fast feierlich durchgeführt. Ist diese Zeremonie einer heiligen Handlung vergleichbar? Nein. Erst das Verständnis des gemessenen Effektes, das Gelangen zu einer neuen Erkenntnis kann etwas von einer Offenbarung haben.
22. Was ist in Ihren Augen das Wichtigste bei einer Messung? Aufgeschlossenheit für Überraschungen
23. Richtiges Messen – ein Handwerk oder eine Wissenschaft? Beides
24. Verraten Sie drei Eckpunkte Ihrer Biographie? Schulbesuch beim CERN, erste Vorlesung bei meinem späteren Doktorvater, Teamarbeit bei einem Experiment im Ausland (Frankreich).
25. Gibt es für Sie Dinge, die sich nicht messen lassen? Wenn ja, welche? Natürlich, z.B. Gefühle etc. Aber es wird daran gearbeitet...
26. Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal das Urkilogramm in Paris gesehen? Nein, aber wir machen ja zur Zeit ein besseres.
27. Das Internet ist ja bekanntlich von Physikern erfunden worden, um gewissermaßen "in der Schwerelosigkeit" zu kommunizieren. Wären Sie gern mit im Team der "ersten Internet-Stunde" gewesen? Nein, da gab es bedeutendere Ereignisse am CERN.
28. Welche(n) PhysikerIn bewundern Sie? Niels Bohr
29. Beenden Sie den Satz: Ein Leben ohne Messungen ist ... wie als Blinder mit gefesselten Händen zu leben.
30. Goethes angeblich letzten Worte lauteten "mehr Licht!" Was sollte Ihre letzte Messung sein? Weiß nicht. Gehirnstrom?
31. Erinnern Sie sich an die wichtigste Messung Ihres Lebens? Natürlich
32. Es gab eine Zeit, in der physikalische Experimente plötzlich politisch hochbrisant wurden. Wie politisch kann Physik in Ihren Augen sein? Physik ist nicht politisch, sie kann aber politisiert und missbraucht werden. Das ist immer schlecht, aber wohl auch unvermeidbar.
33. Lässt sich in der Physik noch etwas Neues entdecken? Wir haben doch gerade erst angefangen! Bis jetzt verstehen wir noch so viele Dinge nicht oder haben erst an der Oberfläche gekratzt.
34. Ist die Natur tatsächlich so, wie Physik, Biologie und Chemie sie beschreiben? Wie kann Beschreiben und Sein dasselbe sein? Wenn dies so wäre, wäre die Natur nur so, wie Mathematik und Physik sie beschreiben.
35. Versuchen Sie eine Definition: Zufall ist ... ein unvorhersagbares und nicht reproduzierbares Ereignis.
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