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Physikalisch-Technische Bundesanstalt

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Physik ist...
Antworten zum Fragebogen von Andreas Bauch
Leiter der PTB-Arbeitsgruppe "Zeiteinheit"

Andreas Bauch

1. Warum haben Sie sich für ein Physikstudium entschieden? Ich hatte gehofft, dass im Studium, mehr aber noch im späteren Berufsleben, Wissen, Urteilsvermögen, Geduld, Ausdauer wichtig sind, Kommunikationsfreudigkeit, äußere Erscheinung, Spontaneität dagegen weniger bedeutend sind. In der Schule habe ich im Stillen die MitschülerInnen beneidet, die pausenlos reden konnten, ohne etwas zu sagen zu haben. Ich hatte oft das Gefühl, erst einmal nachdenken zu müssen, bevor ich den Mund aufmache. Mittlerweile bin ich etwas ernüchtert.

2. Wo haben Sie Physik studiert?
In Mainz am schönen Rhein

3. Haben Sie in der Schule ein physikalisches Experiment erlebt, das Sie besonders beeindruckt hat?
Wir hatten eine Luftkissenbahn für Experimente zum Impulssatz / elastischer und inelastischer Stoß etc. Auch haben wir Kugeln, Hohlkugeln, Zylinder etc. auf schiefen Ebenen rollen lassen und die Endgeschwindigkeit bestimmt, usw. Das durften wir selbst aufbauen und auswerten. Meist kam sogar das Lehrbuchergebnis heraus!!

4. Ihr physikalisches Aha-Erlebnis?
In der Diplomarbeit habe ich ein Thermoelement gebaut, um die Temperatur eines GaAs-Kristalls in seiner Halterung zu messen. Wir erhielten immer eine viel zu hohe Temperatur angezeigt. Dies hat unser Experiment ein Jahr blockiert. Dann hatte jemand den Mut, mein Thermoelement durch ein eigenes, richtig messendes, zu ersetzen. Inzwischen war ich zur PTB gegangen, um das Messen zu lernen. Man hat noch lange in Mainz über mich gespottet, aber zum Glück ist die Welt vergesslich.

5. Haben Sie einen Lieblingsversuch?
Ich versuche gelegentlich die Kugel (7,25 kg) mehr als 8 m weit zu stoßen.

6. Gibt es ein völlig anderes Fach, das Sie ebenfalls interessiert?
Ich war drauf und dran, Archäologie zu studieren.

7. Berufswunsch als Kind?
Lokomotivführer

8. Hatten Sie je einen Chemiebaukasten
Nein

9. Woran erkennt man eine/n PhysikerIn?
Ich hoffe, dass man mich nicht erkennt!! Ich bin Mensch, Christ, Vater und Ehemann, und dann Physiker.

10. Ihre Tipps für angehende Physikstudenten?
Nicht zu früh spezialisieren, viele Nebenfächer belegen, auch wenn kurzfristig der Nutzen nicht erkennbar ist.

11. Gehört zum richtigen Messen eine gehörige Portion Ehrgeiz? Nicht mehr als für andere Tätigkeiten, die man gut und richtig erledigen will.

12. Wer viel misst, misst viel Mist... ist in dieser Redensart ein Körnchen Wahrheit verborgen?
Klingt lustig, damit kann ich aber nichts anfangen. Es ist gut möglich, dass man über einer Flut von Messdaten und Informationen den Überblick verliert (vergl. Frage 22).

13. Verstehen Sie die Quantenmechanik?
"I think I can safely say that nobody today understands quantum mechanics" (Richard Feynman, The Character of Physical Law 1965). Ich bin nicht anmaßend...

15. Ein Trip zum Mond – wäre das etwas für Sie?
Nein

16. Ihr Lieblingsmessinstrument?
Ein analoges VAOhm-Multimeter (s.u.).

17. Beherrschen Sie ein Musikinstrument?
Nein, mein Klavier beherrscht mich. Es spielt nie das, was ich will.

18. Auf welches Messinstrument könnten Sie am wenigsten verzichten?
Auf mein Lieblingsmessinstrument. Es hilft bei der Reparatur defekter Fahrradbeleuchtungen etc.

19. Welches Messinstrument finden Sie überflüssig?
Badewasserthermometer

22. Was ist in Ihren Augen das Wichtigste bei einer Messung?
Man muss die Messgröße (nicht das Ergebnis) vorher gut kennen und dafür sorgen, dass die Randbedingungen es auch erlauben, die gewünschte Messung durchzuführen. Diese Randbedingungen zu schaffen, zu charakterisieren und zu dokumentieren ist oft schwieriger als das geeignete Messinstrument zu finden.

23. Richtiges Messen – ein Handwerk oder eine Wissenschaft?
Ein Stück von beidem

24. Verraten Sie drei Eckpunkte Ihrer Biographie?
Unbeschwerte Kindheit (1957ff.) – viel gelernt während zwei Jahre Arbeit an der Diplomarbeit im Physikstudium (1976-82)(wir durften noch spielen und uns zwei Jahre Zeit lassen) – Vater von drei Kindern, über die man immer wieder nur staunen kann (1986ff.).

25. Gibt es für Sie Dinge, die sich nicht messen lassen? Wenn ja, welche?
Schönheit (Ich nehme an, "Dinge" ist nicht wörtlich zu nehmen.)

26. Haben Sie in Ihrem Leben schon einmal das Urkilogramm in Paris gesehen?
Ja

27. Das Internet ist ja bekanntlich von Physikern erfunden worden, um gewissermaßen "in der Schwerelosigkeit" zu kommunizieren. Wären Sie gern mit im Team der "ersten Internet-Stunde" gewesen?
Nein

28. Welche(n) PhysikerIn bewundern Sie?
Jens Simon, der hat auch noch einen Doktor der Germanistik.

29. Beenden Sie den Satz: Ein Leben ohne Messungen ist ...
heute unvorstellbar.

31. Erinnern Sie sich an die wichtigste Messung Ihres Lebens?
Am 24. November 1986 habe ich zum ersten Mal ein Neugeborenes gewogen.

32. Es gab eine Zeit, in der physikalische Experimente plötzlich politisch hochbrisant wurden. Wie politisch kann Physik in Ihren Augen sein?
Ich hatte einmal einen jungen Physiker zu Besuch, den ich einlud, hier eine Promotion zu beginnen. Er lehnte mit der Begründung ab, Atomuhren brauche man ja zur Kriegführung – was zweifellos stimmt. Das Global Positioning System z. B. würde ohne Atomuhren nicht funktionieren. Ich kann aber mit diesem Wissen leben und arbeiten. Andere Bereiche der Physik, die Auswirkungen auf "die Politik" haben, sind Energieerzeugung, Energiespeicherung, Verifizierung von Abrüstungsmaßnahmen, nicht zu nennen die Kernphysik.

33. Lässt sich in der Physik noch etwas Neues entdecken?
Sobald ich vollständig verstehe, was in unseren Atomuhren vorgeht, wechsle ich das Arbeitsgebiet.

34. Ist die Natur tatsächlich so, wie Physik, Biologie und Chemie sie beschreiben?
Die Frage suggeriert , dass es etwas gibt jenseits der naturwissenschaftlichen Beschreibung der Natur. Das ist selbstverständlich der Fall, siehe Frage 25.

35. Versuchen Sie eine Definition: Zufall ist...
immer im Spiel. Ganz bestimmt dann, wenn ich verliere.


© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2011-11-17, WEB-Redaktion Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF