
Modell des natürlichen Lichtsammler-Supramoleküls, das bei einigen Photosynthese-treibenden Bakterien vorkommt. Nach diesem Vorbild sollen selbstorganisierende künstliche Moleküle entstehen.
(Foto: Forschungszentrum Karlsruhe).
Unbekannte Länder regen die Phantasie an. Das gilt ganz besonders, wenn die Länder sich zur Welt oder gar zum Kosmos weiten. Und so ist es nicht erstaunlich, dass der Nanokosmos seine ganz eigenen Visonäre hervorbringt, die ihn für die Lösung aller Probleme halten. Energiesorgen? Miniatur-Solarmodule erzeugen den Strom auf jedem sonnenbeschienenen Flecken. Massenkrankheit Krebs? Metastasen fressende Moleküle sind die Therapie der Wahl. Verdreckte Atmosphäre? Die Nanotechnologie bringt unsere Lufthülle wieder in den Zustand des Jahres 1800. So oder ähnlich lesen sich die gewagteren unter den Prognosen. Die Wirklichkeit ist – zumindest von der Erfüllung solcher Prognosen – weit entfernt. Und es bleibt nur zu hoffen, dass die Nanotechnologie, welche tatsächlich das Potential einer Schlüsseltechnologie in sich birgt, durch solche mehr-fiction-als-science Formulierungen nicht in Misskredit gerät.
Feynmans Prognose über das Potential der Nanotechnologie ist heute noch nicht eingelöst. Noch bedeutet Nanotechnologie oft, dass etablierte mikrotechnische Verfahren auf kleinere Struktuen angewendet werden. Wenn etwa die Spitze eines Rasterkraftmikroskops einzelne Atome auf einem Substrat positioniert, dann ist dies der Eingriff eines Riesen in die Welt der Zwerge – ein äußerst unökonomisches Vorgehen.(Schließlich würde auch niemand auf die Idee kommen, ein Haus aus Legosteinen mit einem Bagger zu bauen.) Wirklich „nano“ wird die ganze Geschichte erst, wenn nicht nur die Objekte, sondern auch die Werkzeuge klein werden. „Molekulare Assembler“ setzen dann ein gewünschtes Produkt aus einzelnen Molekülbausteinen zusammen. Die Eigenschaften der Moleküle untereinander würden für die gewünschten Prozessabläufe hin zum fertigen Produkt sorgen. Dies wäre dann ein echtes „Bottom-up“.
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