
Kabine im Aufbau
Herz des neuen Labors für biomagnetische Messungen in Berlin-Charlottenburg ist der "magnetisch ruhigste Ort der Erde": die Messkammer für biomagnetische Untersuchungen.
Abgeschirmt wie in einer Raumkapsel liegt der Patient in der Kabine, die mit dicken Mumetallwänden jedes äußere magnetische Feld abwehrt. Das Material, das aus 78% Nickel, 16% Eisen und 4% Kobalt besteht, sammelt das Magnetfeld und lotst es um das Kabineninnere herum. Mit den Außenmaßen von 12 x 12 m und einer Höhe von ebenfalls 12 m ist diese Messkammer die weltweit größte ihrer Art. Allein 24 t Mumetall sind in den überdicken Boden und Wänden verarbeitet, die den vergleichsweise kleinen Innenraum von 3 x 3 x 3 m umschließen. Insgesamt stemmt sich die Kammer mit einem Gewicht von 100 t jeder Erschütterung entgegen, – unterstützt von einem 200 t schweren Sockel. Mit Erfolg: Die messbaren Vibrationen an der Kabineninnenwand liegen noch unter 3 Mikrometern. Letzte Sicherheit bietet den Metrologen die eingebaute Aktiv-Abschirmung, die mit 3 Sensoren auf den Kabinenaußenwänden kein magnetisches Signal passieren lässt. Über einen Regelkreis wird sofort ein Gegenfeld aufgebaut.

Blick in die Kabine
Eine zweite ebenfalls neu errichtete Kabine ist insbesondere für neurologische Untersuchungen geeignet. Das Messgerät befindet sich direkt am Kopfteil der Liege und umfängt den Kopf wie ein Helm, so dass das gesamte Gehirn von der Messung erfasst wird. Der Proband bzw.Patient legt seinen Kopf in die vorgesehene Mulde, und mithilfe der gekühlten SQUIDs lassen sich sämtliche Magnetfelder aufzeichnen, die z. B. durch akustische Reize im Kopf ausgelöst werden. Eine spezielle akustische Abschirmung stellt sicher, dass in derKabine ausschließlich die in der Untersuchung vorgesehenen Laute zu hören sind. Andere Geräusche würden nicht nur die Konzentration des Probanden stören, sondern ebenfalls Hirnaktivitäten auslösen und so das Messergebnis verfälschen. Über eine Gegensprechanlage bleibt der Kontakt in die Kabine möglich. Doch selbst hinter solch dicken Wänden sind die Hirn- und Nervensignale des menschlichen Körpers kaum nachweisbar. Hochempfindliche Magnetfeldsensoren – SQUIDs – erspüren die Signale.
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