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Informationen zu eichrechtlich relevanten Eigenschaften

1    Begründung der Eichpflicht

Durch das geltende Energiewirtschaftsgesetz [1] (EnWG) wird unter bestimmten Bedingungen der Einbau von „Messsystemen“ zur Erfassung der elektrischen Energie für Abrechnungszwecke gefordert. Die wesentlichen Anforderungen sind in den §§ 21d und 21e des EnWG geregelt.

Damit mit diesen Messsystemen Tarifangebote entsprechend §40 EnWG gesetzeskonform realisiert werden können, fordert der § 21d, Abs (1) EnWG die Fähigkeit der Messsysteme, die tatsächliche Nutzungszeit (der Energie) widerspiegeln zu können. Implizit wird hiermit eine Funktionalität gefordert, die die Verknüpfung von Energiemesswerten mit Zeitpunkten der Messung zu Abrechnungszwecken technisch verwirklicht. Solche – anschaulich als „Zeitstempelung“ benennbaren – Funktionen sind eichrechtlich grundsätzlich als das Bilden neuer Messwerte einzustufen. Diese Bewertung ergibt sich aus den PTB-Anforderungen 50.7, Kap. 1, „Begriffe“ [2]. Die PTB-Anforderungen 50.7 sind im Sinne der Eichordnung, §16 [3] anerkannte Regeln der Technik.

Vorgenannte rechtliche Grundlagen begründen die grundsätzliche Eichpflicht der EnWG-Messsysteme.

 

2    Häufig gestellte Fragen

Das staatlich regulierte Elektrizitätsmesswesen befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Das Analoge tritt bezüglich des Regulierungsgrades gegenüber dem Digitalen zurück. Vorschriften, Zuständigkeiten, Hauptakteure und Maßgeblichkeit von für die Energiewirtschaft relevanten Institutionen ändern sich. Vieles von dem, was gestern noch nach harter Erkenntnisarbeit stolz für Verstandenes gehalten wurde, ist heute bereits wieder irrelevanter Gedächtnis-Ballast. Neue Fragen wollen beantwortet sein.

 

2.1    Warum soll die Zeitstempelung im Gateway erfolgen und nicht im Zähler?

Das EnWG darf den freien Warenverkehr für die Zähler, die in den Anwendungsbereich der Messgeräterichtlinie (Richtlinie 2004/22/EG über Messgeräte, „MID“) fallen, nicht behindern. Es kann also von einem Zähler nicht fordern, über in Deutschland für sinnvoll erachtete Zeitstempel- und Kryptofunktionen verfügen zu müssen. Solche Forderungen können aber an eine Zusatzeinrichtung zum Zähler gestellt werden, die nicht in den Anwendungsbereich der MID fällt. Daraus ergibt hinsichtlich des Zwangs einer bestimmten Messtechnik folgende Situation:

Ein EnWG-konformes Messsystem lässt sich nach zwei Alternativen ausgestalten:

Alternative 1: Zähler + externes Gateway mit Zusatzfunktionalität nach EnWG

Zähler:

Muss MID-konform sein.

Gateway und dessen Datenübernahmetechnik vom Zähler:

Muss über Bauartzulassung durch die PTB und nach EnWG vorgeschriebene Konformitätsnachweise verfügen.

Alternative 2: Zähler mit integrierter Zusatzfunktionalität nach EnWG

Zähler:

Muss MID-konform sein und über Bauartzulassung durch die PTB sowie die nach EnWG vorgeschriebene Konformitätsnachweise verfügen.

Gateway und dessen Datenübernahmetechnik vom Zähler:
- entfällt -

Fazit: Alternative 2 ist zwar möglich, wird aber nicht durch  nationale Rechtsvorschriften erzwungen. Handelsbeschränkungen für nach MID im gemeinsamen Markt rechtmäßig in Verkehr gebrachte Zähler werden demnach durch das EnWG nicht aufgebaut.

Da zunächst Anforderungskataloge des BSI [4] für das externe Gateway gemäß Alternative 1 zur Verfügung stehen werden, stellt sich das Eichrecht darauf ein, von der Branche zunächst mit Zulassungsbedarf für die getrennten Gateways konfrontiert zu werden.

Technisch betrachtet hat die eichrechtlich relevante Zeitstempelung im Gateway aus Sicht des Fachbereichs „Elektrische Energiemesstechnik“ den Vorteil, dass Zeitstempeluhren im Elektrizitätszähler selbst nicht mehr nachgeführt werden müssen und bei Auslesen mehrerer Zähler über ein gemeinsames Gateway auch eine gemeinsame Zeitstempelbasis verwendet wird. Dies gilt, soweit die Signallaufzeiten zwischen Zählern und Gateway im Vergleich zur Genauigkeit der Gateway-Uhr vernachlässigbar bleiben.

 

2.2    Welche Anforderungen stellt das Eichrecht an die Gateways ?

Wenn Gateways als Zusatzeinrichtung zu Elektrizitätszählern zur Zulassung beantragt werden, gelten für die Gateways:

1) Die Eichordnung mit Anlage 20

2) Die PTB-Anforderungen 50.7

3) Die PTB-Anforderungen 20.1, Abschnitt 2 „Zusatzeinrichtungen“ [5]

Dazu folgende Hinweise:

Zu 2)

BSI und PTB stimmen sich derzeit darüber ab, welche der Anforderungen aus den PTB-A 50.7 durch das Anforderungswerk des BSI (Schutzprofil und Technische Richtlinie) als mit abgedeckt gelten können. Wenn das BSI-Regelwerk in Kraft getreten ist, wird die Vorlage der BSI-Zertifikate dann dazu führen, dass die PTB diese Zertifikate anerkennt und auf einen großen Teil der Prüfungen auf Konformität mit den PTB-A 50.7 verzichten kann. Bis dahin sollten Hersteller ihre Gateways einfach wie eine „klassische“ Zusatzeinrichtung so ausgestalten, dass sie die PTB-A 50.7 erfüllt. Die Bewertung der Konformität erfolgt dann nach der bislang geübten Praxis.

Zu 3)

In den PTB-A 20.1 sind insbesondere auch die Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit gegen elektromagnetische Störungen und andere Umwelteinflüsse geregelt. Die Gateway-Hersteller sollten sich die Konformität ihrer Produkte mit den entsprechenden Umwelt- und EMV-Anforderungen aus der Norm DIN EN 62052-11 von einschlägig berechtigten, akkreditierten Prüflaboratorien bescheinigen lassen. Solche Bescheinigungen sind Voraussetzung für die Erteilung der Zulassung. Nur wenn der Antragsteller kein akkreditiertes Labor für die Durchführung der Prüfungen findet, wird die PTB diesbezüglich mit aktiv.

 

2.3    Wie wird die nach BSI PP und TR geforderte Downloadfähigkeit im Rahmen des eichrechtlichen Zulassungsverfahrens behandelt?

Die Frage der Möglichkeit des Downloads eichrechtlich relevanter Software in geeichte Geräte ist im derzeit geltenden Eichrecht in verbesserungswürdiger Form geregelt. Das derzeit in der Bearbeitung befindliche neue „Mess- und Eichrecht“ soll die auch für die Gateways hilfreichen Verbesserungen bringen. Nach dem geltenden Eichrecht gibt es immerhin den Weg, Geräte auch für eichrechtliche relevante Software downloadfähig zuzulassen, wenn die Durchführung des Downloads in einem nicht löschbaren eichtechnischen Logbuch registriert und die Nutzung der Downloadfähigkeit in der Zulassung grundsätzlich verboten wird. Bei diesen Geräten ist nach heute geltendem Eichrecht ein ordnungsgemäßer Download nur vorstellbar, wenn die zuständige Aufsichtsbehörde ihn im Rahmen einer Duldungsregelung zulässt. Nach Inkrafttreten des neuen „Mess- und Eichrechtes“ besteht dann die Möglichkeit, im Rahmen eines Zulassungsnachtrags die Downloadfähigkeit zu erlauben.

Fazit: Auch im Punkt der Downloadfähigkeit von Gateways wird das Eichrecht sich nicht behindernd auf die Markteinführung von EnWG-konformen Messsystemen auswirken.

 

2.4    Ab wann können eichrechtliche Bauart-Zulassungsverfahren für EnWG-konforme Gateways zu Messsystemen bei der Arbeitsgruppe 2.34 der PTB beantragt werden?

Ab sofort. Wir empfehlen jedoch abzuwarten, bis die Anforderungen aus dem EnWG klar sind.

Ansprechperson: M. Kahmann (martin.kahmann(at)ptb.de, Tel.: 0531 592 2300)

Letzte Änderung: 01.07.2012

 

 

4    Quellen

[1] EnWG
www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/enwg_2005/gesamt.pdf

[2] PTB-Anforderungen 50.7
Initiates file downloadfileadmin/internet/fachabteilungen/abteilung_2/2.3_elektrische_energiemesstechnik/2.34/download_info-center/ptb-a50_7.pdf

[3] Eichordnung Allgemeine Vorschriften

[4]BSI Schutzprofil (PP) und Technische Richtlinie BSI TR 03109
www.bsi.bund.de/DE/Themen/SmartMeter/smartmeter_node.html

[5] PTB-Anforderungen 20.1
Initiates file downloadfileadmin/internet/fachabteilungen/abteilung_2/2.3_elektrische_energiemesstechnik/2.34/download_info-center/PTB-A-20.1_2003.pdf