Logo PTB

Gesetzliches und internationales Messwesen

Durch gesetzliche Regelungen über Messungen, Messgeräte und die Verwendung von Messwerten wird in praktisch allen Staaten der Welt ein fairer Handel unterstützt und das Vertrauen der Bürger in amtliche Messungen gefördert. Darüber hinaus dienen gesetzlich geregelte Messungen auch der Rechtssicherheit und der Abwendung von möglichen großen wirtschaftlichen Schäden, wie zum Beispiel beim grenzüberschreitenden Handel mit Erdgas oder Mineralöl. Nur mit international einheitlichen Anforderungen an Messgeräte und Messbedingungen lässt sich erreichen, dass Messgeräte in unterschiedlichen Staaten innerhalb bestimmter Fehlergrenzen dieselben Messwerte anzeigen. In Zeiten der Globalisierung ist es darüber hinaus wichtig, dass nicht nur technische Anforderungen an Messgeräte einheitlich und verbindlich geregelt sind, sondern auch Prüfverfahren, Prüfberichte und Zertifikate. Dies ist die Aufgabe von internationalen und regionalen (z. B. europäischen) Organisationen, wie OIML(Organisation Internationale de Métrologie Légale) und WELMEC (European Legal Metrology Cooperation).

  • Die internationalen Übereinkünfte zwischen den nationalen Metrologieinstituten zur gegenseitigen Anerkennung von Kalibrierungen, Konformitätsbewertungen und Zertifikaten, das CIPM-MRA und das OIML-MAA, tragen sehr erfolgreich dazu bei, dass technisch-administrative Hindernisse für den globalen Handel und die internationale technische Zusammenarbeit deutlich verringert, teilweise sogar ganz ausgeräumt sind. Das zunehmende Aufkommen von vertrauensbildenden Prozessen im Rahmen dieser Übereinkünfte zum Nachweis der Kompetenz der beteiligten Partner, z. B. Schlüsselvergleiche und gegenseitige Begutachtungen, erfordert allerdings eine Verbesserung der Prozessabwicklung und ihres Qualitätsmanagements. Die PTB strebt eine Aktualisierung des CIPM-MRA an, ist Mitglied der entsprechenden Arbeitsgruppen im CIPM und wird in Zusammenarbeit mit anderen nationalen Metrologieinstituten Vorschläge erarbeiten, um die Praktikabilität und Effektivität der Übereinkünfte zukünftig zu sichern.

  • Auf europäischer Ebene wird die PTB weiterhin intensiv in den Gremien des gesetzlichen Messwesens, z. B. WELMEC und NoBoMet (Cooperation of Notified Bodies for European Measuring Instruments), mitwirken, um Wettbewerbsverzerrungen für deutsche Hersteller und mögliche Nachteile für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher zu vermeiden. Auch in internationalen Gremien, z. B. OIML, WELMEC und COOMET, wird die PTB in den nächsten Jahren mit dem Ziel aktiv mitarbeiten, die Interessen der deutschen Industrie und Verbraucher vertreten zu können. Dabei ist insbesondere der Ausbau des OIML Mutual Acceptance Arrangements (OIML-MAA) zu nennen, der deutschen Herstellern von Messgeräten einen erleichterten Zugang zum Markt in vielen Ländern ermöglicht. In Zusammenarbeit mit anderen nationalen Metrologieinstituten wird durch diese Aktivitäten die internationale Harmonisierung des gesetzlichen Messwesens weiter vorangetrieben.

  • Mit dem Inkrafttreten des neuen Mess- und Eichgesetzes (MessEG) am 1. Januar 2015 wurde das gesetzliche Messwesen in Deutschland völlig neu geordnet und konsequent für alle Messgerätearten an europäische Richtlinien, z. B. die europäische Richtlinie 2004/22/EG über Messgeräte (MID), und internationale Entwicklungen angepasst. So wurde 2014 an der PTB eine Konformitätsbewertungsstelle für die Baumusterprüfung von über 150 Messgerätearten eingerichtet, der Regelermittlungsausschuss gegründet und der Ausschuss der Konformitätsbewertungsstellen eingeführt. Die Leitung und Geschäftsführung dieser neuen Gremien ist der PTB übertragen worden. Insbesondere durch diese neuen Funktionen kann die PTB ihre gesetzliche Beauftragung erfüllen, für die Einheitlichkeit im Messwesen in Deutschland zu sorgen. Die erfolgreiche Umsetzung des neuen MessEG wird von der PTB auch durch intensive Beratungsleistungen für die für das Messwesen zuständigen Landesbehörden sowie für Hersteller von Messgeräten unterstützt.

  • Besondere Herausforderungen bei der Prüfung von gesetzlich geregelten Messgeräten sind die zunehmende Modularität, Komplexität, softwaregesteuerte Funktionalität und Interkonnektivität, bis hin zur Softwareaktualisierung per Internet und Speicherung geschützter Daten in einer Cloud. Messgeräte werden zunehmend in Netzwerken betrieben, beispielsweise vernetzte Wägegeräte, Messgeräte in Fertigungsanlagen oder kommunikative Verbrauchszähler im Haushalt („Smart Meter“). Hier entsteht der Bedarf, die Standardisierung der Kommunikation und der Datenformate voranzutreiben. Die europäische Messgeräte-Richtlinie MID und das neue MessEG fordern, Verfahren zur Risikoanalyse und -bewertung für über das Internet kommunizierende Messgeräte zu erarbeiten. Gleichfalls sind Anforderungen zu entwickeln, die Messgeräte bei der Fernabfrage, der Softwareaktualisierung oder der Fernwartung über das Internet erfüllen müssen. Die PTB engagiert sich zunehmend bei der Erarbeitung der Handlungsempfehlungen für Messgerätehersteller, Konformitätsbewertungsstellen sowie Organisationen der Markt- und Verwenderüberwachung und wird europaweit als Kompetenzzentrum wahrgenommen.

  • Ein aktuelles und gesellschaftlich wie auch wirtschaftliche wichtiges Beispiel für die Vielfalt gesetzlich geregelter Messgeräte sind Abgasmessgeräte. So legt die EU-Richtlinie für die EURO-6-Norm Abgasgrenzwerte von Verbrennungsmotoren in Personen- und Nutzfahrzeugen fest. Zur Überprüfung der neu festgelegten Grenzwerte müssen Abgasmessgeräte sowohl Partikelanzahl als auch -größen zuverlässig bestimmen. Verschiedene Verfahren der Partikelzählung und -größenklassifizierung werden hierzu verwendet. Die Validierung dieser Methoden ist Voraussetzung für die Konformitätsbewertung von modernen Abgasmessgeräten. Die PTB treibt hierzu die entsprechenden apparativen Entwicklungen voran.

  • Auch nach dem neuen Mess- und Eichgesetz obliegt die Konformitätsbewertung der Bauart von Messgeräten, die zur Messung der Dosis ionisierender Strahlung dienen, weiterhin ausschließlich der PTB. Durch die anstehende Anpassung des nationalen Strahlenschutzrechtes an das europäische Recht ist mit der Einführung der Messgrößen Hp(3) und H'(3) zu rechnen. Im Falle der Einführung dieser weiteren Strahlenschutzmessgrößen wird die PTB ihre spezifischen Referenz-Strahlungsfelder entsprechend charakterisieren, um Konformitätsbewertungen und Kalibrierungen von Orts- und Personendosimetern durchführen zu können.