Die Biotechnologie, als eine der Schlüsseltechnologien unserer Zeit, ist geprägt von zeitnahem Transfer von Forschungsergebnissen in kommerzielle Produkte. Im Umfeld der Life Sciences besteht ein wachsender Bedarf an optischen Messmethoden z. B. bei Bestimmung von kleinen Stoffmengen mittels immunologischer Assays. Sehr verbreitet in der klinischen Chemie sind z.B. immunologische Verfahren wegen ihrer hohen Sensitivität und Spezifität. Speziell fluoreszenzbasierte ELISA werden bereits häufig in der Routinediagnose eingesetzt. Ihre Bedeutung wird durch die In den Richtlinien der deutschen Ärztekammer (RILIBÄK) aufgenommene Anzahl an Immunoassays unterstrichen. Diese Verfahren werden vielfach eingesetzt, obwohl relativ große Messunsicherheiten auftreten können, die sich aus unterschiedlichen Beiträgen zusammensetzen.
Aufgabe der PTB ist es, Voraussetzungen für die Eingrenzung der Messunsicherheiten und der Bewertung der Verfahren zu erarbeiten und damit die Grundlagen für zuverlässige und vergleichbare Messungen zu schaffen.
Gemeinsam mit anderen nationalen Metrologieinstituten und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) wurden Untersuchungen zur Fluoreszenzspektroskopie durchgeführt. Ziel dieser Studien zur spektralen Korrektur bei Fluoreszenzmessverfahren war der Vergleich von chemischen Fluoreszenzstandards mit physikalisch rückgeführten Standards. Es konnte gezeigt werden, dass beide Korrekturverfahren konsistente Ergebnisse liefern.
Im Rahmen einer CCQM-Pilotstudie (CCQM-P58 "Fluorescence Measurements for the Life Sciences" ) wurden unter Leitung des NPL und NIST Messungen an Vergleichslösungen und einem ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay) (Abb.) durchgeführt. Die Auswertung der Messungen sollte zeigen, welchen Einfluss die Prozessführung und die Messunsicherheit des eingesetzten Nachweissystems (Platereader oder Imaging-System) auf die resultierende Messunsicherheit haben. Eine aus metrologischer Sicht besondere Herausforderung stellt hierbei die Vielzahl von Einflußgrößen dar, die zudem hinsichtlich ihres Beitrages zur Messunsicherheit zum Teil nur schwer zu quantifizieren sind.
Bei der Untersuchung der Messunsicherheit der Detektion von Fluorophoren in einem bildgebenden System bzw. einem kommerziell erhältlichen scannenden Platereader wurden vergleichbare Werte für die Messunsicherheit und die Nachweisempfindlichkeit der Detektion des eingesetzten Fluoreszenzfarbstoffes ermittelt. Es konnte gezeigt werden, dass die Messunsicherheiten zu einem wesentlichen Anteil durch die Prozessierung des ELISAs, wie z.B. Variationen der unspezifischen Bindung von Antikörpern an die Plattenoberfläche, bei der Pipettierung und den Waschschritten, bestimmt werden.
Zusammen mit der AG 8.42 werden Lösungsvorschläge für die Abschätzung der Messunsicherheit insbesondere bei kleinen Probenzahlen erarbeitet, die bei der Versuchsplanung einer Studie zur Bestimmung des Troponins zur Anwendung kommen sollen.

Abb. 1: Fluoreszenabbildung einer mit einem ELISA befüllten 96-well Multiwellplatte. Die rotumrandeten Wells enthalten Lösungen bekannter Konzentrationen und die blauumrandeten die Lösungen mit unbekannten Konzentrationen. Die gelbumrandeten Wells enthalten verschiedenartige Kontrolllösung
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