Theoretische Grundlagen
In der Rauheitsmesstechnik wird die Oberfläche mit einem Tastschnittgerät nach
ISO 3274 abgetastet (Tastschnittverfahren). Unter einem Tastschnittgerät versteht man ein Messgerät, das Oberflächen mit einer Tastspitze ertastet, Abweichungen in Form eines Oberflächenprofils erfasst, Kenngrößen berechnet und Profile aufzeichnen kann. Das Prinzipbild (Bild 1) unten zeigt nur die notwendigen Bestandteile, die für ein theoretisch genaues Messsystem erforderlich sind.
Bild 1: Schematische Darstellung eines Tastschnittgerätes mit
1 -Oberfläche, 2 -Tastspitze, 3 -ertastetes Profil, 4 -mechanisch-elektrischer Wandler, 5 -Messkreis,
6 -Führung, 7 -Referenzprofil, 8 -äußere Störungen, 9 -Vorschub, 10 -Verstärker, 11 -ADC,
12 -Gesamtprofil, 13 -Beseitigung der Nennform, 14 -Profilfilter λs, 15 -Primärprofil, 16 -Auswerte- einrichtung, 17 -Eingang/Ausgang, 18 -Eingang/Ausgang, 19 -Taster, 20 -Profilübertragung vertikal,
21 -Vorschubgerät
Das ertastete Profil ist die Linie des Mittelpunktes einer Tastspitze, die die Oberfläche in der Schnittebene abtastet. Diese Tastspitze hat eine geometrisch ideale Form mit Nennmaßen und Nennmesskraft (siehe Bild 2).
Bild 2: Tastspitze, aufgenommen mit einem Rasterelektronenmikroskop
Von diesem Profil sind alle anderen in den Normen definierten Profile abgeleitet. Als Referenzprofil wird eine Linie, auf der der Taster in der Schnittebene entlang der Führung geführt wird, definiert. Das Gesamtprofil ist eine digitale Form des ertasteten Profils aus vertikalen und horizontalen Profilkoordinaten relativ zum Referenzprofil. Um ein Primärprofil erhalten zu können, muss auf das Gesamtprofil ein Filter für kurze Wellenlängen (λs) angewandt werden. Das Primärprofil ist die Ausgangsbasis für die digitale Profilverarbeitung durch das Profilfilter nach
ISO 11562 und die Berechnung der Oberflächenkenngrößen. Es ist charakterisiert durch die vertikalen und horizontalen Digitalschritte, die von denen des Gesamtprofils abweichen können. Die Anwendung der Methode der kleinsten Summe der Abweichungsquadrate auf die Linie der vorgegebenen Nennform (best fit least squares form) gehört nicht zur Ermittlung des Primärprofils und wird vor der Filterung durchgeführt. Das Primärprofil enthält keine Nennform.
Unter dem Messkreis versteht man ein Kreis, der alle mechanischen Komponenten enthält, die mit dem Werkstück und der Tastspitze verbunden sind (Positioniereinrichtungen, Werkstückhalter, Vorschubgerät, Taster usw.). Ein Taster ist eine Baugruppe, die das Tastelement mit der Tastspitze und den mechanisch-elektrischen Wandler enthält. Die Baugruppe, die den Taster entlang der Führung bewegt und die horizontale Lage der Tastspitze in die horizontale Profilkoordinate überträgt, ist das Vorschubgerät.
Profilfilterung und Auswertung
Berechnungen, die mit Hilfe von Kenngrößen und charakteristischen Funktionen nach
ISO 4287,
ISO 11562,
ISO 12085,
ISO 13565-1,2,3 an dem Primär-, Rauheits- und Welligkeitsprofil durchgeführt werden, sind unter der Profilfilterung und Auswertung zu verstehen.
Das Prinzip der Auswertung in der Rauheitsmesstechnik wird anhand eines Beispieles im Bild 3 verdeutlicht.
Das ertastete Profil
Das ausgerichtete und mit λs gefilterte Profil (P-Profil)
Das Welligkeitsprofil (W-Profil)
Das Rauheitsprofil (R-Profil)
Bild 3: Auswertung, wobei P-Profil = R-Profil + W-Profil
Die Oberflächenkenngrößen lassen sich in fünf Gruppen unterteilen:
Senkrechtkenngrößen (Amplitudenkenngrößen) nach ISO 4287 (Spitzenhöhen und Taltiefen)
Senkrechtkenngrößen (Amplitudenkenngrößen) nach ISO 4287 (Mittelwerte von Ordinaten)
Waagerechtkenngrößen (Abstandskenngrößen) nach ISO 4287
Gemischte Kenngrößen
Charakteristische Kurven und daraus abgeleitete Kennwerte nach ISO 4287 und ISO 13565-1,2
Alle Kurven und daraus abgeleitete Kennwerte sind über die Messstrecke definiert.
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